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Beratung | saldo 2/2002

Maria Duval - Glückssträhnen gegen Geld

Mit Hellseherei lässt sich viel Geld verdienen. Wer auf Gratisangebote hereinfällt, erhält später Rechnungen.

Fühlen Sie sich einsam? Haben Sie Probleme in der Liebe? Oder brauchen Sie einfach Geld? Kein Problem. Wenden Sie sich vertrauensvoll an Madame Duval. Seit vielen Jahren geistert die «Präsidentin des französischen Instituts», deren bürgerlicher Name Maria Gamba-Carolina lautet, als «menschliches Radar» durch die Inserateseiten der Presse.


Statt eines Talismans treffen Rechnungen ein

So auch dieses Jahr im ganzseitigen Inserat im «Blick» vom 8. Januar. «Ich schenke Ihnen einen echten Talisman, der Ihr Leben total verändern kann», verspricht Duval und betont: «Sie bezahlen keinen Rappen.» Wer sich für den schnellen Weg zu Glück und Reichtum interessiert, braucht nur einen Talon auszufüllen und einzuschicken.

Innerhalb von sieben Tagen, verspricht Duval weiter, erhält man dann den Talisman, der «Wohlstand, Glück und eine ausserordentliche Macht im Leben bringen kann». Bereits nach 48 Stunden trete die Wirkung ein, und Lottogewinnen und Liebesglück stehe nichts mehr im Weg.

Julia B. aus Chur wollte so viel Glück nicht aus dem Weg gehen und schickte den Talon ein. «Ich glaube sonst nicht an solche Dinge, aber ein Talisman kann ja nie schaden.» Doch die Churerin wartet vergeblich auf den Talisman. Statt dessen erhält sie von Maria Duval beziehungsweise der Firma Astroforce fleissig Post. Seitenlange Serienbriefe, in denen die Hellseherin Glückssträhnen vorhersagt und spannungsreiche Sternenkonstellationen prophezeit. Und ein paar Wochen später eine Rechnung über 79 Franken.

Als Julia B. auf die Rechnung nicht reagiert, folgt eine erste, dann die zweite und dritte Mahnung. «Ich habe doch gar nichts bestellt», sagt Julia B. Nach der dritten Mahnung schlägt Duval einen Kompromiss vor. Julia B. soll doch statt der inzwischen auf 129 Franken angewachsenen Rechnung nur die ursprünglich «vereinbarten» 79 Franken bezahlen. «Tun Sie es noch heute. Und zwar jetzt sofort», schreibt Duval.


Weissagungen: Teure Werbung in ganz Europa

«Auf gar keinen Fall sollte Julia B. etwas einzahlen», empfiehlt saldo-Rechtsexperte Hans Ruedi Schmid. «Kommt es im schlimmsten Fall zu einer Betreibung, kann sie Rechtsvorschlag erklären.» Dann liegt es an der Astroforce, die Forderung zu begründen.

Auch die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) in Bern und die Fédération Romande des Consommateurs in Lausanne kennen die Machenschaften der Astroforce. Im Kanton Waadt ist ein Verfahren gegen eine andere Hellseherin, Anne Chamfort, hängig, die in Realität gar nicht existiert, sondern nur ein geschäftstüchtiger Klon des «menschlichen Radars» Duval ist. Beide machen für ihre Weissagungen in ganz Europa Werbung.

So offen Maria Duval wirkt, so verschwiegen ist sie, wenn es um ihre Geschäftspraktiken geht. saldo gegenüber hüllte sie sich trotz mehrfacher Anfrage in Schweigen. Das Geschäft mit der Hoffnung auf Reichtum und Liebe lohnt sich offenbar auch noch nach Jahren. Das zeigt die neue Anzeigenkampagne. Für das Inserat im «Blick» etwa blätterte die Astroforce über 20 000 Franken hin.

Monika Balmer


Informationen:

- Schweizerischer Verband für natürliches Heilen (SVNH), Postfach, 3004 Bern

- Fachverband Therapieberatung, Museumstr. 16, 8400 Winterthur

- Berichte von Betroffenen: www.aerger-ev.de (Online-Magazin für Verbraucherschutz und -beratung)



"Ungelesen in den Paierkorb"

saldo: Frau Duval schenkt jedem, der einen Talon einschickt, einen Talisman, der alle Träume erfüllen soll. Ist sie mit dieser Masche erfolgreich?

Josianne Walpen: Frau Duval verspricht in den Inseraten das Blaue vom Himmel und nützt die schwachen Seiten der Leser aus. Leider mit Erfolg. Dann zahlt man gutes Geld für Angebote, die absolut nutz- und wertlos sind.


Wie wehrt man sich gegen unerwünschte Post von Maria Duval oder anderen Hellsehern?

Es ist ratsam, nie auf ein solches Angebot einzusteigen. Wer einmal in der Adresskartei gelandet ist, kann zwar versuchen, die Post mit einem Refusé-Kleber zurückzuschicken. In der Regel gibt es aber nur eine wirksame Methode: Die Zusendungen ungelesen in den Papierkorb werfen.


Was raten Sie Leuten, die sich in ihrer Verzweiflung an Hellseher wenden ?

Angebote mit raschen, einfachen Lösungen sind nicht seriös. Wir raten zu äusserster Vorsicht, besonders bei Drohungen, Beratungen über 0900er-Nummern oder überrissenen Honoraren. Wir empfehlen, die Seriosität eines angeblichen Heilers beim Schweizerischen Verband für natürliches Heilen abzuklären.

30. Januar 2002


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