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Test | saldo 4/2006

Früchtetee

Gute Nachrichten für Teetrinker: Ein saldo-Test zeigt, dass Früchteteemischungen kaum Schadstoffe enthalten. Die meisten Tees sind jedoch aromatisiert.

Tee ist gesund - so die landläufige Meinung. Vor allem Früchtetee erfreut sich im Winter wie im Sommer grosser Beliebtheit, denn er kann heiss und kalt getrunken werden. Der saldo-Test zeigt nun, dass die meisten Früchteteemischungen frei von Schadstoffen sind.

saldo liess die Teemischungen in einem anerkannten Labor untersuchen. Das Ergebnis: 13 der 15 getesteten Tees enthalten weder Pestizidrückstände noch Schimmelpilzgift. Einzig der offen verkaufte Früchtetee Amaretto Kirsch von Coop enthielt Spuren von Pestizidrückständen. Im Twinings-Tee Himbeere-Kirsche fanden die Tester 5 Mikrogramm pro Kilogramm (µg/kg) des Schimmelpilzgiftes Ochratoxin A. Der allgemeine Grenzwert dieser Substanz für Lebensmittel beträgt 5 µg/kg. Erland Brügger, Geschäftsleiter der Wander AG, welche diesen Tee vertreibt, macht geltend, dass sich der Grenzwert nicht auf die Teemischung, sondern auf den genussfertigen Tee beziehe. Für einen Liter Tee benötige man nur 30 Gramm Teemischung. Somit liege der Gehalt an Ochratoxin A 30-mal unter dem Grenzwert.

Diese Betrachtungsweise entspricht zwar den gesetzlichen Vorschriften, dennoch sollte das Schimmelpilzgift nicht in Lebensmitteln vorkommen. Denn Ochratoxin A ist nieren- und leberschädigend und wirkt im Tierversuch krebserzeugend.

Insgesamt sind die Ergebnisse des Tests erfreulich, denn Tee ist oft mit Pestiziden belastet, wie Berichte von in- und ausländischen Kontrollbehörden zeigen. 2001 fand auch die Stiftung Warentest in 30 von 50 Früchtetees erhebliche Pestizidrückstände. Betroffen waren sogar Bio- und Kindertees.


Randenwürfel im Früchtetee von Globus

Fields of Fruits, Magic Winter, Fantastic Orange, Wintertraum oder Kaminfeuer - die Tees tragen vielversprechende Namen. Dabei bestehen sie zur Hauptsache aus kleingehackten, getrockneten Fruchtbestandteilen wie Schalen von Zitrusfrüchten und Äpfeln, aus färbenden Hibiskusblüten, Hagebutten oder Holunderbeeren. Einige winterliche Teesorten enthalten zudem Gewürze wie Anis, Nelken oder Zimt. Die Hersteller haben weitgehend freie Hand, welche Zutaten sie zusammenmischen. Denn der Gesetzgeber erlaubt Mischungen von Früchte- mit Kräutertees. Und Kräutertees wiederum dürfen Gemüse, Küchenkräuter sowie Gewürze enthalten. Deshalb finden sich in Früchtetees mitunter eigenwillig anmutende Zutaten: So enthält etwa der Früchtetee Waldfrucht von Globus Randenwürfel.

Die meisten Tees duften aufdringlich fruchtig. Dabei stammt der Duft meist gar nicht von Früchten. 14 der 15 geprüften Tees enthalten zugesetzte Aromen. Einzig der Coop-Naturaplan-Früchtetee ist frei von Aromastoffen. Der Tapferes-Bengelchen-Tee von Sonnentor enthält «natürliches Bio-Vanille-Aroma mit Bourbon- Extrakt». Bei allen übrigen Tees steht in der Zutaten-liste der Vermerk «Aroma».

Das bedeutet, dass diese Tees sogenannte naturidentische Aromen enthalten. Doch anders als der Name suggeriert, werden diese Aromen künstlich im Chemielabor hergestellt. Welche und wie viele Aromen die Hersteller verwenden, schreibt ihnen das Gesetz nicht vor. Einzige Auf- lage: Aromastoffe müssen deklariert werden. So heisst der Tee von Twinings zwar Himbeere- Kirsche, enthält aber weder Himbeeren noch Kirschen, sondern nur deren Aromen. Erland Brügger von Wander AG rechtfertigt dies damit, dass «der Produktename den Konsumenten darauf hinweist, welche primäre Geschmacksrichtung er von dieser Mischung erwarten kann. Es ist klar ersichtlich, dass es sich um einen aromatisierten Früchtetee handelt und welche Aromen verwendet werden.»


Pfirsicharoma: Nicht aus Pfirsich, sondern aus Schimmelpilzen

Selbst «natürliche» Fruchtaromen stammen nicht zwingend von der betreffenden Frucht. Die Lebensmittelverordnung schreibt nur vor, dass «natürliche» Aromen von natürlichen Rohstoffen stammen müssen. Jedes pflanzliche und tierische Gewebe ist aber ein solcher natürlicher Rohstoff - genau-so wie Schimmelpilze, Hefen und Bakterien. Himbeeraroma etwa wird oft aus Zedernholz gewonnen, Pfirsicharoma aus Schimmelpilzen.


Aromastoffe: Gesundheitsgefahren werden überprüft

Weil die Hersteller weitgehend frei sind bei der Verwendung, weiss heute niemand genau, welche Menge an Aromen die Konsumenten zu sich nehmen. Auch über Gesundheitsgefahren bestehen kaum Erkenntnisse. Erst im Jahr 2000 hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) mit Sicherheitschecks begonnen. Bis 2007 will die EFSA die Liste der unbedenklichen Aromen vorlegen. Die Schweiz plant laut Bundesamt für Gesundheit, die europäische Regelung zu übernehmen.

01. März 2006 | Jeannette Büchel


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Ein Cocktail aus Aromastoffen
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