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Test | K-Tipp 6/2006

Tomatensaucen

Ölige Lebensmittel im Glas enthalten schädliche Weichmacher. Nur 4 von 12 getesteten Saucen waren einwandfrei, die übrigen sind verunreinigt.

Wäre alles mit rechten Dingen zugegangen, hätte man nach dem Sommer 2004 keine öligen Konserven im Glas kaufen können: keine getrockneten Tomaten, keine Oliven und vor allem keine Pesto- und Fertigtomatensaucen.



Die Lebensmittel in den Gläschen waren nämlich verunreinigt - mit Weichmachern. Und zwar dermassen, dass nach gesetzlichen Vorgaben viele Produkte «nicht verkehrsfähig» waren. Schuld war hauptsächlich der Deckel.



Denn um die Konserven luftdicht gegen den Glasrand zu verschliessen, fügen die Hersteller einen weichen PVC-Ring auf die Innenseite des Deckels ein. Kommt das Lebensmittel damit in Kontakt, werden Substanzen herausgelöst.

Die Behörden hätten den Verkauf solcher Produkte stoppen müssen, nachdem das Zürcher Kantonslabor damals den Missstand aufgedeckt hatte. Stattdessen setzten EU- und Schweizer Behörden den Vollzug aus: Sie gaben den Herstellern bis Ende November 2006 Zeit, das Problem zu beheben. Damit verhinderten die Ämter zwar den Zusammenbruch einer ganzen Industrie mit Schaden in Milliardenhöhe. Den Konsumenten jedoch muteten sie damit eine höhere Schadstoff-Belastung zu.



Welche Hersteller können bereits heute Konservengläser ohne epoxydiertes Sojaöl (Esbo) und ohne Phthalate anbieten? K-Tipp und Kassensturz haben zehn Tomaten- und zwei Pesto-Saucen auf ihren Weichmacher-Gehalt untersucht.

Resultat: Vier der zwölf Saucen enthalten nur geringe Phthalat-Mengen, und sie sind ganz frei von Esbo.



Die Mehrzahl der Saucen aber fallen durch: In sechs der zehn Tomatensaucen fand das Labor zu viel Weichmacher; das Gleiche gilt für die zwei Pesto-Saucen. Neben dem relativ harmlosen Esbo fand das Labor DBP (frucht-/entwicklungsschädigend), DEHP (schädigt Fortpflanzungs- und andere Organe) und das «Paar» DINP/DIDP, das bei Tieren zu Organschäden führt.



Globus zieht Konsequenzen und hat beide Saucen «sofort aus dem Verkauf genommen». Laut Aldi-Sprecher Sven Bradke haben die neueren Delikata-Pesto-Saucen Deckelbeschichtungen ohne Esbo. Zum Phthalat-Gehalt der Saucen jedoch nimmt er keine Stellung.



Nestlé schreibt zur Buitoni-Sauce, alle von Nestlé Schweiz vertriebenen Saucen hätten Phthalatfreie Deckel. Bei der getesteten Sauce handle es sich aber um einen Parallelimport eines Denner-Satelliten.



Verschiedene Hersteller beteuern, dass ihre Deckel frei von Phthalaten seien. So hat Barilla Deckel nachmessen lassen. Dabei seien keine Phthalate gefunden worden, schreibt Barilla. Auch De Cecco fand nach eigenen Angaben keine Phthalate.





Unklare Quellen der Verunreinigung



Die Stellungnahmen scheinen glaubwürdig zu sein. «Die gefundenen Mengen DEHP und DBP machen als Weichmacher in Deckeln keinen Sinn», sagt der Zürcher Kantonschemiker Rolf Etter. «Die Konzentration ist zu tief.» Sie könnten aber im Produktionsprozess oder über beigefügte Zutaten in die Saucen gelangt sein.



Das bedeutet, dass die Deckelhersteller nicht in jedem Fall für Verunreinigungen verantwortlich gemacht werden können. «DEHP werden wir auf jeden Fall in Zukunft im Auge behalten müssen», so Etter.



Aus welcher Quelle die Verunreinigungen kommen, kann den Käufern egal sein. Sie sind darauf angewiesen, dass schnell taugliche Grenzwerte für Esbo und Phthalate eingeführt werden - unabhängig davon, woher sie stammen. Darüber wird in EU-Gremien zurzeit heiss debattiert.







Nicht nur in Tomaten- und Pesto-Saucen



Weil sich Weichmacher besonders gut in fetthaltigen Speisen lösen, sind in Öl eingemachte Lebensmittel mit Vorsicht zu geniessen.



- Dazu gehören Oliven- und Artischockenpasten, ganze Artischocken, gefüllte Peperoni, getrocknete Tomaten oder auch öliger Fisch, wenn sie in Gläsern mit Drehverschluss konserviert sind.

- Babybreie nur dann, wenn sie fetthaltig sind und mit dem Deckel in Kontakt kommen.

- Wenig problematisch sind Lebensmittel, die kein Fett enthalten (Konfitüre, Honig, Essiggurken), ebenso feste Lebensmittel, die nicht mit dem Deckel in Kontakt kommen, wie etwa Senf.



Auch wer Lebensmittel selber einmacht und in Gläschen abfüllt, riskiert eine Verunreinigung mit Phthalaten und Esbo aus den Gläschendeckeln.



Bei allen Gläsern gilt: Nie umkippen lassen! Wenn der Inhalt nicht mit dem Deckel in Kontakt kommt, kann er auch keine Weichmacher aufnehmen. Bei gekauften Gläsern muss man davon ausgehen, dass die Lebensmittel zum Beispiel beim Transport schon mit dem Deckel in Kontakt gekommen sind.



(rom)







Archiv im Netz



Unter www.ktipp.ch finden Sie sämtliche Tests aus dem K-Tipp seit Januar 2000. Der Bezug eines Tests im PDF-Format (inkl. Tabellen) kostet 3 Franken.

22. März 2006 | Rolf Muntwyler - rolf.muntwyler@ktipp.ch


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Steht Sugo drauf, kann Weichmacher drin sein
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