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Test | K-Tipp 20/2009

Skihelm

Zwei von zehn getesteten Helmen schützen zu wenig vor Skispitzen und Skistöcken. Zudem sind viele Kinnbänder so widerstandsfähig, dass die Gefahr von Hals- und Nackenverletzungen besteht.

Helme schützen – doch welche sind die sichersten? Der K-Tipp hat zusammen mit der österreichischen Konsumentenorganisation VKI zehn Helme untersuchen lassen. Zum einen gab es einen Praxistest. Zum anderen führte das Labor die Sicherheitstests gemäss den Normanforderungen für Rennskihelme durch (Klasse A) und nicht nach den weniger strengen Vorschriften für Freizeitfahrer (Klasse B). Die Fachleute prüften unter anderem Folgendes:

  • Stossdämpfung: Wie gut fängt der Skihelm den Aufprall bei einem Sturz auf vereistem Schnee ab?
  • Durchstichfestigkeit: Verletzt sich der Sportler am Kopf, wenn spitze Gegenstände wie Skistöcke auf den Helm prallen?
  • Kinnriemen: Bleibt der Helm bei einem Sturz oder Zusammenstoss mit einem anderen Skifahrer an Ort und Stelle?

Zusätzlich testete das Labor, ob sich der Kinnriemen löst, wenn man irgendwo hängen bleibt – zum Beispiel an einem Skiliftbügel (Details siehe unten «So wurde getestet»). Klarer Testsieger ist Giro mit dem Modell G9. Es gehörte bei allen technischen Prüfungen zu den besten.

Dennoch: Die Modelle von Uvex, Alpina und Carrera wären fast gleichauf mit dem G9. In der Handhabung haben die Helme gegenüber dem Giro sogar die Nase vorn. Sie wurden aber abgewertet, weil die Kinnriemen zu robust waren. Das war auch bei drei weiteren Helmen der Fall. Dieses Kriterium wurde in diesem Skihelmtest bewertet, obwohl es nur bei Arbeitsschutzhelmen vorgeschrieben ist. Für diese gilt: Wenn eine Kraft von mehr als 100 Kilo auf den Riemen wirkt, muss das Haltesystem reissen oder sich lösen. Sonst können Hals- und Nackenverletzungen die Folge sein. Im Test hielten einzelne Modelle bis zu 185 Kilo stand.


Schutz vor Skispitzen: Zwei Helme versagten

Helm-Herstellerin Alpina meint dazu: «Wir sind überzeugt, dass die Anforderung für Arbeitsschutzhelme bei Skihelmen eher kontraproduktiv ist.» Die Gefahr, dass sich der Helm beim Sturz vom Kopf löse, sei nämlich grösser als die Möglichkeit, sich zu strangulieren. Gemäss Uvex ist es sogar «unabdingbar, dass der Helm bei jeder Belastung sicher auf dem Kopf bleibt». Zwei Helme schützen nicht ausreichend gegen spitze Gegenstände (Durchstichfestigkeit): R. E. D. Avid und Casco Powder.

Die Firma R. E. D. Europa unterstreicht, dass der Helm Avid «von den autorisierten Prüfstellen zugelassen» sei, nun aber aufgrund des K-Tipp-Resul- tats erneut getetestet werde. Casco International führt ins Feld, dass der «Powder» für Freizeitfahrer gedacht sei, vom K-Tipp aber nach der Norm für Rennskihelme getestet wurde. Doch die Norm für Freizeithelme (Klasse B) ist viel zu schwach: Der B-Test simuliert beim Kriterium der Durchstossfestigkeit einen Schutz gegen Skispitzen bei einem Aufprall von nur 10 km/h. Im K-Tipp-Test wurde die strengere Norm mit 14 km/h angewendet. Im Übrigen sind alle getesteten Helme laut Deklaration «nur» für Freizeitfahrer geeignet. Trotzdem haben acht Helme die Durchstossfestigkeit mit der Bestnote bestanden.

Im wohl wichtigsten Sicherheitskriterium – der Stossdämpfung – wurde die Norm von allen zehn Helmen eingehalten. Allerdings ist auch hier die Norm tief. Getestet wird ein Aufprall mit rund 20 km/h.


So wurde getestet

  • Stossdämpfung: Wie gut dämpft der Skihelm bei einem Sturz auf eisigen Boden? Der Aufprall entspricht einem Tempo von zirka 20 km/h.
  • Durchstossfestigkeit: Schützt der Helm gegen spitze Gegenstände wie Skispitzen, Skistöcke und Äste?
  • Haltesystem: Halten die Kinnriemen und deren Verankerung, damit der Helm bei einem Aufprall auf dem Kopf bleibt? Löst sich der Riemen bei extremer Belastung, um Verletzungen durch den Riemen zu vermeiden?
  • Verarbeitungsqualiät: Ist der Helm gut verarbeitet?
  • Sehen/hören: Schränkt der Helm Gesichtsfeld und Hörfähigkeit nicht zu sehr ein?
  • Handhabung: Sechs Personen prüften die Praxistauglichkeit der Helme: Lässt sich der Helm einfach anpassen, aufsetzen, ausziehen? Funktioniert die Schnellverstellung, ist die Belüftung ausreichend? Ist der Helm auch für Langhaarige bequem und mit Skibrille gut benutzbar?
  • Schadstoffe: Enthält das Innenmaterial schädliche Weichmacher, Flammschutzmittel oder polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe?

21. November 2009 | Rolf Muntwyler, Redaktion K-Tipp/Saldo


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