|
(0) |
Seit Jahren geht Hermann Angerer mit immer neuen Firmen Pleite. Jetzt wird Anklage gegen ihn erhoben. Doch bereits haben neue Geschäftspartner Geld verloren.
Gut möglich, dass Hans Frei (Name geändert) nicht das letzte Opfer des umtriebigen Geschäftsmannes Hermann Angerer ist", schrieb saldo im letzten Dezember. Und hatte Recht.
Seit fünf Jahren ist der Zürcher Bezirksanwalt Hans Maurer hinter Angerer her. Im April will Maurer Anklage wegen Betrugs und ungetreuer Geschäftsführung erheben. Doch Angerer geschäftet bereits mit einer neuen Firma weiter. Die Pervorma ist in Prevest umgetauft worden. Und erneut streiten sich ehemals gutgläubige Geschäftspartner mit Angerer.
Zum Beispiel Arthur Schiefer. Der Hochbauzeichner besitzt in Neu St. Johann SG ein Einfamilienhaus im Wert von 700 000 Franken, das er verkaufen wollte. Die Prevest erhielt den Auftrag und sollte bei Verkauf eine Provision von vier Prozent (branchenüblich sind 2 bis 3 Prozent) erhalten.
Das Haus wurde an Peter Britschgi verkauft, seines Zeichens Verwaltungsrat der Prevest. Vom Kaufpreis hat Arthur Schiefer noch nichts gesehen, trotzdem erhielt er von der Prevest - unterzeichnet von Hermann Angerer - eine Rechnung von 28 000 Franken für die Provision.
Doch Schiefer ist nicht der Einzige, der zurzeit mit Angerer um Geld streitet. Stefan Klein (Name geändert), ehemaliger Verwaltungsrat der Prevest, hatte der Firma und Angerer persönlich ein Darlehen von 40 000 Franken gegeben. Nun kämpft er um die Rückzahlung.
Angerer wollte keinesfalls in den Verwaltungsrat
Klein war im Institut für Jungunternehmer in St. Gallen an Angerer geraten. Das Institut bietet Kurse für Leute an, die den Sprung in die Selbstständigkeit wagen wollen. Das regionale Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) schickte im letzten Frühjahr Arbeitslose in diesen Kurs. Auch Hermann Angerer, studierter Ökonom und langjähriger Kadermann bei den Waadt-Versicherungen, nahm teil.
Dort hat er von der Prevest erzählt. Er habe das Verfügungsrecht über ein Stück Bauland, auf dem etwa 25 Häuser gebaut werden sollen. Die Handwerker, Architekten und Bauarbeiter, die durch diese Überbauung Aufträge bekämen, müssten sich verpflichten, ihre Pensionskassengelder in eine bestimmte BVG-Stiftung einzuzahlen. Die Stiftung wiederum kaufe dann die fertigen Häuser, und die Prevest verdiene prächtig an Provisionen und Honoraren.
Drei Kursteilnehmer - darunter ein Architekt und der Finanzfachmann Stefan Klein - liessen sich überzeugen und traten in den Verwaltungsrat der Prevest ein. Auch ein Dozent des Instituts, der Anwalt ist, beurteilte die Sache als seriös und wurde Verwaltungsratspräsident. Ein kurzes Engagement: Nach nur drei Monaten im Amt traten die drei im Herbst 1999 zurück. Ersetzt wurden sie unter anderen vom 21-jährigen Sohn von Angerer.
Der Grund für den Rücktritt: Die drei waren stutzig geworden, denn Angerer selber liess sich nicht in den Verwaltungsrat wählen. Zudem war der Kauf von Luxusautos für die Verwaltungsräte geplant, ohne dass je Geld in die Prevest geflossen war.
Kein Problem, liess Angerer die skeptischen Geschäftspartner wissen. Schliesslich habe die Prevest das Verfügungsrecht über das Bauland, das bringe Geld.
Landbesitzer sollen vorab anfallende Kosten übernehmen
Das Bauland, eine 10 000-m2-Parzelle in Waltenstein (Schlatt bei Winterthur), gehört dem Ehepaar Johann und Elisabeth Peterhans, beide 79 Jahre alt. Es will das Land verkaufen. Die Prevest sicherte vertraglich zu, den Preis von 300 Franken pro m2 bis ins Jahr 2003 zu bezahlen. Bis dann sollten die 25 Häuser gebaut und verkauft sein. Mit dem Erlös würde das Ehepaar Peterhans bezahlt.
Eine Baubewilligung liegt bisher nicht vor. Dafür will Angerer unter Hinweis auf einen Vertrag vom Ehepaar 185 000 Franken für angefallene Kosten. Er empfiehlt dem Ehepaar, eine Hypothek aufzunehmen. Bis jetzt hat sich das Ehepaar geweigert: "Wir wollen uns doch nicht verschulden", sagen sie.
Das versteht Bezirksanwalt Hans Maurer: "Ich persönlich würde mich hüten, Angerer auch nur einen Frank
29. März 2000
