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Viele Menschen mit Polyarthritis können sich vor Schmerzen kaum noch bewegen. Kältekuren und Thermalbäder schaffen Abhilfe.
Drei Minuten im Badeanzug in einem Raum stehen, in dem Temperaturen von bis zu minus 115 Grad Celsius herrschen - Alltag in der Kältekammer von Bad Säckingen im deutschen Baden-Württemberg. Für Menschen mit Polyarthritis ist dieses Klima eine Wohltat: "Die Kälte hilft gegen die Entzündungen", sagt Thomas Stratz, Arzt für innere Medizin und Rheumatologie an der Rheumaklinik Bad Säckingen. "Die Schwellungen und Schmerzen nehmen ab und die Muskulatur kann sich entspannen."
Um langsam in die Kälte einzutauchen, müssen Patienten zuerst einige Sekunden in einer Vorkammer verbringen. Dort herrscht eine Temperatur von "nur" minus 30 Grad Celsius. Anschliessend treten sie in die Kältekammer ein - immer unter Aufsicht einer Therapeutin. "Am besten ist es, wenn man während vier Wochen zweimal täglich in die Kältekammer steht", empfiehlt Stratz. Sind die Schmerzen auf ein erträgliches Mass reduziert, können Betroffene die Krankengymnastik besser durchführen. "So gewinnen sie ihre Bewegungsfähigkeit langsam wieder zurück", so Stratz.
Auch Wasser hilft, den Körper wieder in Schwung zu bringen: "Im Thermalbad können Patienten die Gelenke leicht wieder bewegen", sagt Otto Knüsel, Chefarzt Rheumatologie am Rheuma- und Rehabilitationszentrum Valens. "Heilwasser wirken zudem entspannend und entkrampfend."
So wie die Behandlung mit Kälte durchbricht auch eine Badekur den Teufelskreis von Schmerzen, die zur Unbeweglichkeit führen und dadurch noch mehr Schmerzen auslösen. Allerdings ist Thermalbaden für Polyarthritiker streng verboten, wenn sie an einem akuten Entzündungsschub leiden. Aber auch ausserhalb der entzündlichen Phasen dürfen Betroffene nur in Wasser baden, das kälter ist als 33 Grad Celsius. "Wärmere Temperaturen könnten einen neuen Schub auslösen", erklärt Knüsel.
29. März 2000
