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Es gibt keine Nahrungsmittel, die schlank machen. Auch wenn dies doppelseitige Zeitungsinserate behaupten.
Abnehmen! Jetzt können Sie schlank werden, selbst wenn Sie gerne reichlich essen ..." Mit diesem Versprechen wirbt der Verlag
Wissenschaft und Medizin in der Tagespresse oder etwa in der "Coop-Zeitung" mit doppelseitigen Inseraten für das Buch "Nahrungsmittel die schlank machen. Der Negativ-Kalorien-Effekt". Bereits seien über eine Million Exemplare verkauft worden, ist im Inserat zu lesen. Kostenpunkt für ein doppelseitiges Inserat in der "Coop-Zeitung": 35000 Franken.
Das Rezept klingt einfach: Nach "neuesten Erkenntnissen" sollen die so genannten negativen Kalorien Fett verzehren. Wer Nahrungsmittel mit Negativ-Kalorien esse, kompensiere die kalorienreichen Leckerbissen. Welche Lebensmittel solche negativen Kalorien enthalten, wird im Inserat allerdings nicht verraten. Um das zu erfahren, soll man das Buch kaufen.
Wer das tut, stellt überrascht fest, dass die "neuesten Erkenntnisse" bereits 1985 in Monaco auf Französisch erschienen sind. Auf 151 Seiten führt eine Autorin namens Isabelle Martin die Leserinnen und Leser von einem Gemeinplatz zum andern. Zum Beispiel heisst es: "Jede Handlung im Leben verbraucht Kalorien." Oder: "Die sexuelle Betätigung darf nicht vergessen werden, sie ist bei Erwachsenen normal ..."
"Die Kampagne ist eine absolute Frechheit"
Weitere Müsterchen gefällig? "Schwimmen im Meerwasser wirkt nicht unbedingt ab-magernd, besonders im stark salzhaltigen Mittelmeer." Und: "Auch nach einem Regenguss sollten Sie aus dem Haus gehen und in vollen Zügen atmen, dann ist die Luft ozonhaltiger."
Isabelle Martin scheint zu denjenigen zu gehören, die jedes Brot, das nicht lang und weiss ist, mit Verachtung strafen. Sie schreibt: "Vollkornbrot sollte für die empfindlichen europäischen Mägen und Därmer eine Art Medikament bleiben."
Erst im zweitletzten Kapitel greift die Autorin in nur gerade fünf Sätzen den gross angekündigten Negativ-Kalorien-Effekt auf. Unter dem Titel "fettverzehrende Nahrungsmittel" listet sie 25 Gemüse, 10 Gewürze und 11 Obstsorten auf und behauptet: "Die Verdauung dieser Lebensmittel verbraucht ebenso viel Energie, wie andere kalorienreiche Nahrungsmittel zuführen. Damit nimmt man automatisch ab."
Diese Aussagen bringen Fritz Horber, Stoffwechselspezialist an der Zürcher Klinik Hirslanden, in Rage:
"Einen Negativ-Kalorien-Effekt gibt es schlicht nicht", regt er sich auf. "Diese Inseratekampagne ist eine absolute Frechheit. Die Patienten werden mit solchem Unsinn für dumm verkauft." Und was meint der Verlag Wissenschaft und Medizin als Herausgeber dieses Werks? Nach seiner Diät scheint er so entkräftet, dass er sich zu keiner Stellungnahme mehr aufraffen mochte.
Catherine Boss
15. März 2000
