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Artikel | saldo 8/2000

Öko-anlagen - "Falsche Versprechen"

 

Bei gr?nen Anlagen den Durchblick zu behalten wird immer schwieriger. Das neuste Beispiel: ein vermeintlich gr?ner Aktien-Index, der gar nicht gr?n ist.

Firmen, die sich umweltvertr?glich verhalten, schneiden an der B?rse gut ab. Wer auf Aktien von ?kologisch fortschrittlichen Unternehmen setzt, kann deshalb mit ?berdurchschnittlichen Renditen rechnen.

Als Beweis f?r den Zusammenhang zwischen Umweltverhalten und B?rsenerfolg muss oft der Aktien-Index Dow Jones Sustainability Group Index World (DJSGI) herhalten. Dieser Index zeigt die Wertentwicklung von 225 Grossfirmen aus 22 L?ndern, die punkto Nachhaltigkeit (englisch: Sustainability) Spitze sind. Unter Nachhaltigkeit wird allgemein eine Wirtschaftsform verstanden, die weder die Lebensqualit?t der Menschen heute noch die Lebenschancen zuk?nftiger Generationen beeintr?chtigt.


Nachhaltigkeits- Index schneidet sehr gut ab

Der Nachhaltigkeits-Index DJSGI hat r?ckblickend in den letzten sechs Jahren rund 30 Prozent mehr zugelegt als alle Aktien der Welt zusammen (MSCI World Index); f?r die Herausgeber des Index der Beweis, dass Anlagen in nachhaltige Firmen mehr Ertrag versprechen. Und zudem ein Verkaufsargument: Die SAM Sustainability Group aus Z?rich, die am DJSGI beteiligt ist, hat gleich einen Fonds auf den Index ins Leben gerufen (SAM Sustainability Index Fonds, Valor 1004457). Der Wert des Fonds soll sich parallel zum Index bewegen.

Die Berliner Tageszeitung "TAZ" hat den Index jedoch k?rzlich scharf kritisiert: Der Index sei "problematisch" und bewege sich am "graugr?nen Rand". Die Begriffe "Sustainability" und "Nachhaltigkeit" w?rden f?r den Index "missbraucht und entwertet".

Grund f?r die Vorw?rfe: Im Index sind Firmen enthalten, deren ?kologischer und sozialer Leistungsausweis mit Fragezeichen behaftet ist. Einige Beispiele: Unilever hat als Genfood-Bef?rworterin ein angekratztes Image, die Forstfirmen Marubeni (Japan) und Stora (Finnland) waren beim Abholzen von Urw?ldern beteiligt, und auch BMW gilt nicht gerade als fortschrittlichster Autobauer - all diese Titel vermuten umweltbewusste Anleger kaum in einem Index mit ?kologischem Anspruch. Die "TAZ" wirft den Herausgebern deshalb vor, sie gingen "mit falschen Versprechen auf Kundenfang".

Tauni Sanchez, als Gesch?ftsf?hrerin f?r den Index verantwortlich, h?lt von der Kritik am "Nachhaltigkeits-Index" gar nichts: "Wer den Index als ‹nicht wirklich gr?n› kritisiert, hat unser Konzept nicht verstanden." Der Sustainability-Index sei gar kein gr?ner Index, denn die Auswahl der Firmen f?r den Index erfolge nicht nur auf Grund ?kologischer und sozialer Kriterien, sondern auch aus ?konomischer Sicht. "Nur wer bez?glich aller drei Aspekte insgesamt als Bester abschneidet, kommt in den Index hinein", erkl?rt Sanchez. Mit andern Worten: Mit einer tollen Performance werden Schwachstellen im Umweltbereich korrigiert.

Auch die ?ko-Fonds der neusten Generation wie der Swissca Green Invest (Kan-tonalbanken), der Valuesar (Bank Sarasin), der SBC Eco Performance (UBS) oder der CS Eco Efficiency (Credit Suisse) w?hlen nach ?hnlichen Kriterien die Branchenbesten f?r ihr Portfolio aus. Im Gegensatz zum Index sind umweltsch?digende Branchen wie Erd?lindustrie, Kernkraft, Auto- oder Flugverkehr zwar ausgeschlossen. Sie alle legen aber in die ?kologisch effizientesten Firmen aus den Branchen Banken, Versicherungen, Pharma oder Telekommunikation an. Viele ?ko-Anleger erstaunt es dann, dass Banken- oder Computerwerte wie CS oder IBM in diesen Fonds vertreten sind.


Die Alternative: Fortschrittliche Umwelttechnik

In fortschrittliche Kleinfirmen, die neue Umwelttechnologien entwickeln, investieren diese Fonds der Branchenbesten in der Regel h?chstens 15 Prozent ihres Geldes. Gr?ne Anleger, die auf die boomenden Zukunftsm?rkte Solarenergie, Windkraft, Recycling oder Naturkost setzen, sind deshalb mit ausl?ndischen Umwelttechnologiefonds besser bedient.

Christian Kaiser

26. April 2000


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