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Artikel | saldo 9/2001

Live-musik - Zock 'n' Roll: Das grosse Geschäft mit Konzerten

Musikfans bezahlen stetig steigende Eintrittspreise: Konzertveranstalter wälzen die millionenschweren Gagen der Stars auf die Tickets ab.

Die Gagenforderungen von Topgruppen wie Rolling Stones, U2 oder Madonna werden immer unverschämter. Konzertveranstalter, die Madonna verpflichten wollen, müssen dieses Jahr 3,5 Millionen Franken Gage bezahlen. Das ist vielen Veranstaltern zu teuer.

Der grösste Konzertveranstalter der Schweiz, Good News, ist mit der Pop-Queen nicht ins Geschäft gekommen. Sie macht einen Bogen um die Schweiz. André Béchir, Geschäftsführer von Good News: «Teilweise sagen Künstler einfach, so viel Dollar wollen wir, organisiere das Konzert, oder lass es bleiben. Dann müssen wir über die Bücher und kalkulieren. Das ergibt dann den Billettpreis.»


Rolling Stones: Innert acht Jahren 36 Prozent teurer

Die Konzertveranstalter wiederum schlagen die hohen Gagen auf ihre Ticketpreise. Beispielsweise für die Rolling Stones: 1990 zahlten Fans für ein Ticket noch 55 Franken, fünf Jahre später bereits 65 Franken und am Frauenfelder Openair 1998 nochmals zehn Franken mehr. Das entspricht einer Preissteigerung von 36 Prozent in acht Jahren.

Die Manager der Stars schreiben in ihren Verträgen zusätzlich zu einer festen Gage noch Erfolgsbeteiligungen vor, die zwischen 85 und 98 Prozent des Nettogewinns betragen. Etwa U2, die am 23. Juli im Zürcher Hallenstadion auftreten. Macht Veranstalter Free&Virgin Gewinn, kassiert die Band laut Insidern zur Gage zusätzlich 97,5 Prozent des Nettoertrags. Konkurrent Good News lehnte die Offerte der U2-Manager ab.

Branchenkenner wissen: Stellt eine Band solch hohe Gagenforderungen, korrigiert der Veranstalter seine Kosten oft nach oben. Das wissen die Manager der Stars und kontrollieren die Abrechnungen sehr genau. Sie lassen beispielsweise ihre Lastwagenfahrer an den Eingängen die Zuschauerzahl nachzählen.

Knallhart kalkulieren Musiker auch die Höhe der Eintrittspreise. DJ Bobos Manager, Oliver Imfeld, bestätigt, dass sie die Preise je nach Land anpassen. Das heisst, Fans in der Schweiz zahlen für defizitäre Konzerte im Ausland mit. In Stuttgart ist DJ Bobo für Fr. 36.50 zu sehen, in Zürich verlangte er hingegen 55 Franken - volle 51 Prozent mehr.


200 000 Franken Reingewinn für DJ Bobo

Für das Konzert im ausverkauften Zürcher Hallenstadion rechnet DJ Bobo mit 200 000 Franken Reingewinn für sich und das Management. Löhne für Helfer und sämtliche Konzertkosten sind davon schon abgezogen.

Fans bleibt nichts anders übrig, als bei der nächsten Vorstellung ihres Lieblingskünstlers zu Hause den Frust per CD zu verdauen. Vielleicht wird dann aus dem Zock 'n' Roll wieder einmal Rock 'n' Roll.

Marc Meschenmoser

09. Mai 2001


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