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Ob Verwaltungsräte oder Politiker, ob Grossverleger oder Unternehmer: Am siebten Tage singen sie das hohe Lied des Wettbewerbs. Am Sonntag preisen sie die Transparenz und predigen die Effizienz des Marktes.
Doch wenn es wieder Werktag wird, klingt so manche Predigt falsch in den Ohren der Konsumentinnen und Konsumenten. Dann mutieren die Sonntags-Liberalen zu Werk-Tätern. Am Montag schnarren sie von der Ausnahme, welche die Regel bestätigt. Am Dienstag krächzen sie vom selbstmörderischen Konkurrenzkampf. Am Mittwoch flöten sie von sinnvollen Marktabsprachen. Am Donnerstag schwafeln sie vom Schutz des Gewerbes, und am Freitag schwadronieren sie von Importverboten, die den Kunden dienen.
Am meisten Sonntags-Prediger sind in der Pharmabranche zu finden. Definitiv. Als es im vergangenen März darum ging, die Denner-Initiative zu bodigen, wurden die Werk-Täter nicht müde zu betonen, man sei im Prinzip schon für den Wettbewerb. Nur gerade bei Medikamenten sei der Parallelimport schädlich.
Kürzlich diskutierte der Nationalrat über das gleiche Thema. Auch die Volksvertreter sind mehrheitlich gegen Parallelimporte. Weil das Parlament am Werktag debattiert, gibts dort besonders viele Sonntags-Prediger zu bestaunen. Am Samstag säuseln sie in ihren Reden vom freien Wettbewerb, und am Sonntagabend wettern sie auf Tele 24 gegen die hohen Krankenkassenprämien. Doch keine Bange, es wird wieder Montag. Und dann stimmen die gleichen Herren ungerührt gegen den Billigimport von Medikamenten.
23. Mai 2001
