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Es gibt Menschen, die schon wegen geringfügiger Händel gänzlich aus dem Häuschen geraten. Die Titel, mit denen sie in der Folge ihre Gegenpartei beehren, umfassen nicht selten den Viehbestand eines behäbigen Bauernhofes. Das ist natürlich nicht schön.
Andere wiederum sind sensibler, empfinden schon ein deutliches Wort als verletzend und ziehen es vor, über wattierte Phrasen aneinander vorbeizureden. Auch das geht nicht immer gut.
In einer Wohngemeinschaft zum Beispiel, in der es trotz professioneller Konfliktbewältigungs-Strategien nicht mehr so recht geigte, versuchte eine Vermieterin, ihren teamunfähigen Mitbewohner - offenbar ein Macho - einfühlsam aus der Wohnung hinauszukomplimentieren:
«Detlef!», schrieb sie, «spürst du eigentlich, dass deine Schwingungen nicht mehr zu Tamara und mir herüberkommen? Wir haben hart daran gearbeitet, deine negativen Vibrations aufzufangen und kreativ umzuwandeln. Leider hast du die Chance nicht genutzt und hast mental abgeblockt. Nun sei bitte so lieb und lasse deine Energie nicht länger in unsern Räumen fliessen ...», und so weiter (Name der Sensibilität zuliebe geändert).
Schön gesagt. Doch den blumigen Worten mangelte es offenbar an Kraft und Klarheit - und vor allem fehlte das richtige Kündigungsformular. Detlef jedenfalls hockt weiterhin in der WG - unbeeindruckt, faul und breit wie ein junger Kuckuck im fremden Nest.
Ich bin grundsätzlich gegen Grobheiten. Aber schrötige Leute verstehen am besten eine schrötige Sprache. Ich würde mich hier kurz fassen: «Uns reichts. Die gültige Kündigung folgt morgen eingeschrieben mit amtlichem Formular.»
Zugegeben, das klingt nicht sehr sensibel. Aber es wirkt.
Hans Ruedi Schmid
20. Juni 2001
