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Dildos und Vibratoren aus Jelly sind heiss begehrt. Kassensturz hat die trendigen Sex-Toys ins Labor geschickt. Das erschreckende Resultat: Sie enthalten Unmengen von schädlichen Weichmachern.
Jelly heisst der neue Trend in der Sex-Spielzeug-Industrie. Dildos und Vibratoren aus dieser götterspeiseähnlichen Glibbermasse verkaufen sich in der Schweiz wie warme Brötchen.
Kassensturz wollte wissen, was die Wabbel-Liebeshilfen so weich macht, und liess sie auf Weichmacher untersuchen. Chemiker des renommierten Eco Umweltinstituts in Köln prüften zwei Dildos und zwei Vibratoren von Beate Uhse und Erotikmarkt. Was angepriesen wird mit «schimmerndes Schmusematerial - streichelzart und herrlich gleitfreudig!» enthält Unmengen schädlicher Weichmacher, so genannte Phthalate. Eines der untersuchten Jelly-Toys besteht sogar zu 32 Prozent aus der gesundheitsgefährdenden Substanz.
Zum Vergleich: Kinderspielzeug darf maximal 0,1 Prozent Weichmacher enthalten. Die Schleimhäute im Kindermund nehmen das Gift schneller auf als die normale Haut. Die untersuchten Sex-Spielzeuge, die ebenfalls mit Schleimhäuten in Berührung kommen, liegen gar hundertfach über dem Grenzwert für Kinderspielzeug.
Schweizer Händler ignorieren das Gesundheitsrisiko
Der Kieler Toxikologe und Phthalat-Experte Professor Hermann Kruse ist schockiert: «Phthalate werden über die Haut sehr gut aufgenommen und können dann zu Schäden an Leber und Niere führen.» Sie könnten sogar Krebs erzeugen.
Die Schweizer Händler kümmert es nicht gross, was sie ihrer Kundschaft verkaufen. Der Sex-Grossist Erotikmarkt schreibt: «Wir weisen jede Kundin darauf hin, den Vibrator oder Dildo vor jedem Gebrauch zu waschen. (...) Somit besteht absolut kein Gesundheitsrisiko.»
«Das ist ein Irrtum», widerspricht der Kieler Toxikologe. «Die Phthalate sind nicht abwaschbar. Sie sind eingebaut in das gesamte Material und können bei längerem Hautkontakt aus dem Inneren des Materials herausgelöst werden.»
In der Schweiz dürfen diese Toys trotz enormer Mengen an Weichmachern verkauft werden. Richtlinien für Sex-Spielzeug gibt es noch keine. Lorenz Hess, Sprecher des Bundesamtes für Gesundheit: «Dieser Markt ist ein Boom-Markt der letzten Jahre. Darum besteht dort eine klassische Gesetzeslücke. Das Problem ist erkannt, und wir probieren raschmöglichst eine Lösung zu finden.»
Tatsächlich: Für WC-Papier gibt es Vorschriften, für Sex-Spielzeug nicht. Dafür ist es jedoch höchste Zeit. Sex-Toys sind längst salonfähig und bringen der Erotikbranche Millionengewinne. Um weniger gefährliche Inhaltsstoffe haben sich die Verkäufer aber noch nicht gekümmert. «Wir müssen Ersatzstoffe suchen», sagt der Toxikologe Kruse. «Die gibt es, und die sind unschädlich. Wir müssen auf Phthalate in solchen Geräten verzichten.»
Schon auf dem Markt: Alternativen aus Silikon
Eine Alternative zum gesundheitsschädigenden Jelly bietet die Bremer Fun Factory. Dort entstehen Liebeshilfen aus Silikon. Material, das hauptsächlich für den Medizinalbereich verwendet wird. 150 000 Dildos und Vibratoren produzierte die Fabrik allein letztes Jahr, davon rund 40 000 für die Schweiz. Der grösste Teil davon wird bei Beate Uhse verkauft. Für bis zu 100 Franken pro Stück.
Marketingleiter Ivo Ganz reagiert betroffen auf die hohen Phthalat-Anteile in den Jelly-Produkten. Er versichert, dass Beate Uhse bereits mit den Zulieferanten Kontakt aufgenommen hat.
Marianne Kägi
12. November 2001
