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Artikel | K-Tipp 19/2000

Grosser Aufstand wegen kleinem Minus

Post droht Schülerin mit Strafgebühren

Spesen fürs Einzahlen brachten das Konto von Anna Lemke ins Minus. Fr. 1.50 fehlten - und die Post droht mit Busse.

Annas Freude an ihrem ersten Konto währte nur kurz. Die 13-Jährige aus Brunnen SZ hat genau Buch geführt, um das Postkonto ja nicht zu überziehen. Prompt jedoch fand die Post nach zwei Monaten ein Minus von Fr. 1.50 und schrieb: «Wir haben Ihr Konto vorsorglich gesperrt und bitten Sie, den Fehlbetrag in den nächsten zehn Tagen auszugleichen.»

Ohne weiteren Kommentar dann der Hammer: «Sollte dies nicht fristgerecht erfolgen, belasten wir je 20 Franken für Mahnung und Kontosperrung.»

Anna rechnete nach - doch 70 Franken Startkapital minus 30 für eine CD, 25 für ein T-Shirt und 15 fürs Chrömle gibt nun einmal null.

«Überhaupt», findet sie, «einen solchen Aufstand wegen 1.50 - das ist doof. Das Porto für den Brief kostete die Post ja fast so viel.»

Mutter Valerie Lemke wollte als langjährige Postkonto-Inhaberin wissen, wer da was verbucht hatte - und erhielt den zweiten Hammer: «Die Kundenbetreuerin in der Zentrale in Luzern sagte schnippisch, das sei mit Spesen halt so.» Dienstleistungen ums Gelbe Konto sind für Jugendliche gratis. Welche Spesen nun gemeint waren, erfuhren die Lemkes nicht.

Erst Post-Sprecher Alex Josty löste das Rätsel auf Intervention des K-Tip. Annas Vater überwies die 70 Franken Startkapital via Einzahlungsschein am Postschalter. Er hatte auch das Konto eröffnet, weil seine Tochter dazu noch zu jung ist. Alt genug ist Anna jedoch, um dafür mit Fr. 1.50 belastet zu werden. Gratis ists erst, wenn sie selber einzahlt.

Warum schlägt die Post wegen eines solch kleinen Betrags so schnell Alarm? «Die Abläufe sind bei den zwei Millionen Konti grösstenteils automatisiert», sagt Josty und verweist auf die Bedingungen: Jugendliche bis 14 Jahre dürfen nicht überziehen. Findet der Computer auch nur das kleinste Minus, sperrt er das Konto nach 28 Tagen.

Anna hat das Minus beglichen und bleibt der Post (noch) treu. Allerdings hat sie mittlerweile herausgefunden, dass sie beim nächstgelegenen Postomaten in Brunnen erst ab 100 Franken Geld beziehen kann. Das sprengt nun definitiv ihr Budget.

(sei)

15. November 2000


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