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Der Albtraum für DIE ANLAGEPROFIS existiert: Indexaktien sind eine echte Alternative zu Anlagefonds und teuren Finanzberatern. Mit Indexaktien können Anlegerinnen und Anleger zu minimalen Kosten breit investieren. Trotzdem sind die in der Schweiz noch wenig bekannten Papiere nicht für alle Kleinsparer gut.
Was tun, wenn man sich an Aktien die Finger verbrannt hat? Wer genug davon hat, immer die falschen Titel zum richtigen Zeitpunkt zu kaufen, für den sind Indexpapiere genau das Richtige. Denn sie entwickeln sich zwar nicht besser, aber eben auch nie schlechter als der entsprechende Index.
Indexpapiere sind erfolgreicher als viele Anlagefonds. Denn von einer Performance entsprechend den Börsenbarometern können viele Fondanleger nur träumen. Bei rund zwei Dritteln der aktiv gemanagten Anlagefonds schaffen es die Fondsmanager nicht, besser abzuschneiden als ihr Vergleichsindex. Deshalb werden Indexpapiere als Alternative zu Anlagefonds immer beliebter.
Wollte man bisher in den Schweizer Aktienmarkt investieren, kaufte man zum Beispiel den bekannten Indexfond «UBS 100 Index-Fund Switzerland». So war es bis Mitte März. Seither gibt es eine Alternative: Die von der Credit Suisse herausgegebene erste Indexaktie auf den Schweizer Börsenindex SMI: Für eine XMTC on SMI (sprich: X-Mätsch) zahlt man einen Hundertstel des aktuellen SMI-Standes. Mitte August waren das rund 68 Franken pro Titel. Wegen aufgelaufener Dividendenzahlungen steigt der Wert bis zu 2 Prozent über dem Indexstand. XMTC schüttet die gesammelten Dividenden jeweils Ende Jahr aus.
In den USA sind Indexaktien längst ein Renner. Die ersten 1993 von Morgan Stanley lancierten Opals (Optimized Portfolios as Listed Securities) fanden schnell Nachahmer. Heute steht dem Anleger eine ganze Palette von Indexaktien zur Verfügung. Sie gehören zu den am häufigsten gehandelten Papieren an der Wallstreet. Einer der grössten Vermögensverwalter, «State Street Global Advisers», schätzt, dass weltweit rund 100 Milliarden Franken in solche Papiere geflossen sind.
Schweiz hinkt hinterher: Passives Portfoliomanagement durch Indexpapiere hat sich hierzulande erst bei den institutionellen Anlegern durchgesetzt. So bewirtschaften Pensionskassen rund 20 Prozent der Aktienanlagen mit Indexpapieren, bei Privatanlegern sind es erst 5 Prozent. Anlageprofis sind überzeugt, dass sich das rasch ändern wird.Vor allem die Indexaktien werden profitieren. Denn sie verfügen gegenüber den anderen Indexpapieren über einen grossen Vorteil: Sie verschlingen deutlich weniger Gebühren.
Indexaktien oder Exchange Traded Funds (ETF) sind Kunst-Aktien, die an der Börse gehandelt werden. Ihr Kurs bewegt sich im Gleichschritt mit dem entsprechenden Vergleichsindex. Sie sind mit jährlich wiederkehrenden Gebühren von knapp 0,5 Prozent die kostengünstigsten Indexpapiere überhaupt. Und beim Kauf entfällt der bei Anlagefonds übliche Ausgabeaufschlag von bis zu 5 Prozent. Man muss allerdings die für Aktien übliche Courtage bezahlen und - bei in Fremdwährungen gehandelten ETFs - den Wechsel in die betreffende Währung.
Indexfonds sind Fonds, die mit ihrem Vermögen einen bestimmten Index exakt nachzubilden versuchen. Im Vergleich zu anderen Indexpapieren verursachen sie die höchsten Kosten. Zudem kann man auf kurzfristige Entwicklungen nur mit Verzögerung reagieren, da sie nicht an der Börse gehandelt werden.
Indexzertifikate sind börsenkotierte Wertpapiere, die in der Regel eine feste Laufzeit von 1 bis 5 Jahren kennen. Die begrenzten Laufzeiten und die meist mangelnde Transparenz sind ein grosser Nachteil. So ist es für Anleger schwierig, den aktuellen Inventarwert herauszufinden.
Der Kurzvergleich zeigt: Indexaktien sind die eleganteste Art, auf einen Index zu setzen. Trotzdem sind sie nicht für alle Anleger das richtige Sparinstrument. Wer regelmässig nur ein paar hundert Franken investieren will, tut das besser mit einem Fondskonto. Kleinstaufträge verursachen sonst zu hohe Gebühren. Indexaktien lohnen sich erst ab Sparbeträgen von rund 2000 Franken bei Online-Brokern und 4000 Franken bei traditionellen Banken.
Auch für aktive Anleger sind die ETFs interessant. Mit Indexaktien auf einzelne Länder und Sektoren kann man die rasch wechselnden Börsentrends nachvollziehen, ohne sich auf Einzeltitel oder teure Branchenfonds stürzen zu müssen.
In den USA ist dies - auch für Schweizer Anleger - längst möglich. Die an der Wallstreet gehandelten Indexaktien decken fast das gesamte Anlage-Universum ab. Und man kann nicht nur zwischen Länder- und Branchen-Indexaktien wählen, sondern sich auch zwischen verschiedenen Anlage-Strategien entscheiden, zum Beispiel einer offensiveren Growth-Strategie, und einer defensiveren Value-Strategie. Damit ist den Aktienfonds eine starke Konkurrenz erwachsen.
Zum Schluss noch eine Warnung: Bei Indexaktien entfällt der schützende Airbag. Bei einem Crash ist kein Fondsmanager da, der die Notbremse zieht. Verkaufsentscheide muss der Anleger ganz alleine treffen. Sonst rauscht sein investiertes Vermögen samt dem Index in den Keller.
Martin Vetterli
Investitionen in Börsen, Branchen, Länder und Strategien
In Übersee ist die Auswahl an Indexaktien (ETFs) riesig. Und sie wächst ständig weiter. Damit wird ein Trend sichtbar, der - mit einiger zeitlicher Verzögerung - auch auf Europa überschwappen dürfte: Einzelne Investmenthäuser wie Dow Jones oder Barclay's versuchen, mit den ETFs den Fondgesellschaften ein grösseres Stück vom lukrativen Anlagekuchen abzujagen.
Zurzeit werden an der American Stock Exchange (Amex) 90 verschiedene Papiere gehandelt. Die bekanntesten sind Diamonds (auf den Dow Jones; Börsenkürzel: DIA), Spyders (auf den Nasdaq; SPDR), streetTracks (auf verschiedene US-Indizes) und iShares (auf Länder und Branchen).
Die Mehrzahl orientiert sich zwar an den amerikanischen Index-Familien Dow Jones, Nasdaq, Standard & Poor's und Russel. Daneben existieren aber bereits über 20 Länder- und über 30 verschiedene Banchen-Indexaktien. Interessant auch, dass Anleger sich für konservativere ETFs, die dem Value-Ansatz folgen, und aggressivere Wachstumspapiere entscheiden können.
Die amerikanischen ETFs lassen sich wie Aktien auch von der Schweiz aus handeln. Besonders günstig ist der Handel über einen Discountbroker.Angaben zu den an der Wallstreet aufgelisteten ETFs finden Sie im Internet bei: www.amex.com unter «Exchange Traded Funds» im «Quote Summery».
01. August 2001
