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Artikel | K-Geld 5/2001

Soll man jetzt wieder Aktien kaufen? Und wenn ja welche?

Heiko Thieme: «Wer jetzt Den Mut Nicht Hat, Aktien ZU KAUFEN, WIRDBALD VORNEIDERBLASSEN»

Wir haben im September die Tiefststände an den amerikanischen Aktienmärkten gesehen. Es waren psychologische Tiefststände nach den Ereignissen des 11. September. Doch seither ist es zu einem Anstieg gekommen, der zu den stärksten Erholungsphasen der Börsengeschichte gehört. Die Inflationsrate ist kein Problem. Weiterhin schwache Unternehmensgewinne und die erste Rezession in den USA seit zehn Jahren halten viele Anleger davon ab, jetzt Aktien zu kaufen. Die Börsenlogik lehrt jedoch, dass gerade dann, wenn das Kaufinteresse am niedrigsten ist, die Gewinnchancen überdurchschnittlich hoch sind. Ich rechne damit, dass die Rezession nur von kurzer Dauer ist und sich die Wirtschaft schon im ersten Quartal des nächsten Jahres zu erholen beginnt. Trotz der kurzfristig düsteren Aussichten für Wirtschaft und Unternehmensgewinne halte ich das Risiko für ungleich geringer als das Potenzial. Für Anleger in Europa empfehle ich, 50 Prozent in Europa, 25 Prozent in den USA, 10 Prozent in Asien (wovon die Hälfte in Japan) und 5 bis 10 Prozent in Schwellenländer in Asien und Osteuropa zu investieren sowie den Rest in cash zu halten.

Wir kaufen Wachstumswerte aus den Bereichen Technologie, Telekom, Finanzwerte, Pharma und Biotechnologie. Viele Blue Chips liegen 50, manche sogar 70 Prozent unter ihren Höchstwerten. Von den amerikanischen Blue Chips empfehle ich Intel, American Express, HP, MacDonald's, Honeywell, Walt Disney, Boeing, Merck und GM. Weiter führen wir EMC, Yahoo, Lucent, Apple und Nortel auf unserer Kaufliste. Von den europäischen Aktien sind Lufthansa, Deutsche Bank, Daimler-Chrysler, VW, Siemens und Royal Dutch attraktiv.



MARC FABER: «VERZICHTENSIEAUFAMERIKA UNDKAUFENSIEDASTIEFBEWERTETE SÜDOSTASIEN!»

Börsenstrategen haben darauf hingewiesen, dass Krisen und Kriege Kaufgelegenheiten für Aktien waren. So haben sie den Angriff auf Pearl Harbor im Jahr 1941 als Beispiel angeführt, da die US-Börse dann in den Fünfziger- und Sechzigerjahren um rund das Zehnfache zulegte. Ich warne vor diesem Vergleich, weil zur Zeit von Pearl Harbor der amerikanische Aktienmarkt unwahrscheinlich tief bewertet war.

Gemessen am Bruttosozialprodukt betrug die gesamte Börsenkapitalisierung im Jahre 1941 nur 21 Prozent, verglichen mit 40 Prozent während des Golfkrieges im Jahre 1990 und gegenwärtig rund 120 Prozent! Der Dow Jones stand kurz vor dem Angriff auf Pearl Harbor auf 115, ganze 70 Prozent tiefer als zwölf Jahre zuvor im Jahre 1929. Im Jahre 1941 hatte der Dow Jones eine Dividendenrendite von 6,2 Prozent und ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von bloss 10,5. Im Jahre 1941 sind die Zinsen auf langfristigen Staatsanleihen auf ein Rekordtief von weniger als 2 Prozent gefallen. Die Dividendenrendite des Dow Jones lag rund dreimal höher als die Rendite auf langfristigen Staatsobligationen! Heute rentiert der S&P 500 bloss 1,5 Prozent, während langfristige Staatsanleihen rund 5,5 Prozent abwerfen. Im Jahre 1941 war die amerikanische Börse unwahrscheinlich «billig», während sie heute, trotz des Einbruchs der letzten 18 Monate, immer noch teuer ist. Das Kurs/Gewinn-Verhältnis auf den S&P 500 beträgt mehr als 30.

Möglicherweise sollten Anleger heute auf amerikanische Aktien und Obligationen verzichten, nachdem sich beide seit 1982 in einer gewaltigen Haussephase befanden! Der Golfkrieg brachte eine Kaufgelegenheit in Amerika, aber nicht für die damals überbewertete japanische Börse, die heute immer noch um 70 Prozent tiefer liegt. Deshalb, falls Sie zum Lager der Optimisten gehören, sollten Sie eher die tief bewerteten südostasiatischen Märkte kaufen und auf Amerika verzichten.

01. Oktober 2001


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