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Artikel | Gesundheits-Tipp 10/2001

Raucherpille kommt unter Druck

Riskanter Rauchstopp: Weltweit bisher 80 Tote in Verbindung mit Zyban bekannt

Zuerst hochgejubelt, jetzt umstritten: Die Raucher-Pille Zyban macht starke Nebenwirkungen. Experten forderten im ZDF-Magazin «Frontal21» einen Verkaufsstopp.

Thomas Grether thgrether@pulstipp.ch

Wetterfrosch Thomas Bucheli fühlte sich «wie benebelt». Mehr noch: Die Raucherpille Zyban machte ihn aggressiv. «Ich war eine Zumutung für meine Mitmenschen», sagt SF-DRS-Mann Bucheli. Schliesslich setzte er Zyban ab. «Die Nebenwirkungen waren zu stark.»

Bucheli ist mit dieser Erfahrung nicht allein. Der Puls-Tipp berichtete schon 1999 über Nebenwirkungen der Rauchstopp-Pille. «Es war, als würde mir jemand die Kehle zuschnüren. Im Geschäft bekam ich einen Weinkrampf»: So die 31-jährige Carla Rinaldi. Sie gehört zu sechs Leserinnen und Lesern, die der Puls-Tipp beim Rauchstopp begleitete. Drei der sechs - alles Frauen - haben Zyban wegen starker Nebenwirkungen nach einer Woche abgesetzt.

Jetzt erhöht sich der Druck auf die Zyban-Herstellerin Glaxo Wellcome. Das ZDF-Magazin «Frontal21» berichtete Anfang Oktober von weltweit 80 Todesfällen in Verbindung mit der Pille. 51 Tote gab es in England, wie die britische Medizin-Kontrollbehörde bestätigte.

Vier Todesfälle wurden auch in Deutschland bekannt. Zwei Menschen nahmen sich das Leben, wie ein Sprecher des Bundesinstituts für Arzneimittel sagte. Ein direkter Zusammenhang mit Zyban liesse sich jedoch nicht beweisen.

Für Glaxo Wellcome ist zwar «nicht ausgeschlossen», dass Zyban an den Todesfällen schuld ist. Doch «bei der Mehrheit der verstorbenen Patienten» kämen «auch andere Todesursachen in Frage». Und Millionen Leute seien zufrieden.

Professor Bruno Müller von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft spricht von einer «grossen Zahl von teilweise schweren Nebenwirkungen». Das bestärke die «Skepsis» der Arzneimittelkommission. Er verlangt, dass sich die europäischen Behörden mit Zyban «nochmals intensiv beschäftigen».

Besonders tragisch ist der Tod von Kerry Weston, 21: Die Epileptikerin nahm Zyban zusammen mit einem Malariamittel. Darauf starb sie an starken Krampfanfällen. Auf dieses Risiko muss Glaxo Wellcome neuerdings in der Packungsbeilage hinweisen - die Schweizer Arzneimittel-Behörde IKS hat dies verlangt.

Todesfälle in Verbindung mit Zyban seien bisher in der Schweiz nicht bekannt, sagt IKS-Sprecherin Monique Helfer. Über Nebenwirkungen seien bisher 15 Meldungen eingegangen: Psychische Probleme, allergische Hautreaktionen, Beeinträchtigung des Nervensystems. Helfer: «Wir verfolgen die Situation kritisch und ergreifen wenn nötig Massnahmen.»

Für den Wissenschaftler Wolfgang Becker-Brüser vom Fachblatt «arznei- telegramm» ist klar: «Glaxo Wellcome soll in Eigenverantwortung handeln und Zyban vom Markt nehmen.» Sonst müssten Behörden eingreifen.

Der Arzt Paul Ruff aus Oberwil BL, der viele Entwöhnungskurse anbieten, verordnet Zyban an fast jeden zweiten seiner Kursteilnehmer. «Ich verschreibe die Pille vorsichtig. Die Risiko-Patienten sind bekannt», meint Ruff.

Einer seiner Patienten ist Wetterfrosch Bucheli, der nach der abgebrochenen Zyban-Therapie heute wieder raucht.

01. Oktober 2001


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