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Steam Buggy soll mit Dampf gegen die Bakterien anputzen. Eine gute Idee - in der Praxis jedoch wenig praktikabel.
Alles ist im TV-Spot so einfach: Eine lächelnde Miss Clean hängt sich den Steam Buggy lässig um die Schulter - und schon geht der Kampf gegen tief sitzenden Schmutz und Bakterien los. Ein Kreuzzug nur mit der Kraft von Wasserdampf - ohne Putzmittel, ohne Schrubben.
Die Realität allerdings sieht anders aus: Kaum trifft der bestellte Dampfreiniger ein, passt der Stecker nicht. Ein Anruf beim Vektor-Versand ergibt: Bei der Bestellung hätte man mir raten müssen, einen Zusatzstecker zu kaufen. Dieser kostet im Warenhaus Fr. 6.90 - zusätzlich zu den bereits bezahlten 267 Franken.
Dafür ist nun alles bereit: Als Erstes wage ich mich in den laut TV-Spot «gefürchtetsten Raum» jeder Hausfrau, ins Bad. Ich giesse Wasser in den Tank und warte. Bis der Steam Buggy aber seinen ersten Dampf ablässt, ist bereits eine Lache am Boden entstanden. Der heisse Düsenstrahl wirkt in den Ritzen zwischen den Kacheln der Dusche dann jedoch effizient. Auch im Lavabo kann ich gezielt Kalkränder absprühen - nur dauerts länger als mit einem herkömmlichen Entkalkungsmittel. Beruhigend immerhin, dass bei der Reinigung der Toilette keine braune Sauce herausrinnt, wie es die Werbung demonstriert. Ich hatte es geahnt: So dreckig wie im Fernsehen ist niemand!
Aufwändiges Nachtrocknen - doppelte Arbeit
Bei den Böden ist der Erfolg des Steam Buggy dagegen kaum sichtbar: Die Küchenfliesen sind nach dem Aufwisch nicht viel sauberer als vorher. Denn das Gerät saugt den Dreck nicht auf, sondern verschiebt ihn nur. Und Reinigungsmittel darf man dem Wasser im Tank nicht zufügen - sonst könnte der Steam Buggy explodieren. Hätte ich also doch die mitgelieferte Frotteehaube benutzen sollen, die eigentlich für Hartholzböden gedacht ist?
Meinem Parkett gefällt der Dampf ganz und gar nicht. Weil der Wasserfilm lange nicht trocknet, befürchte ich ein Aufquellen des Holzes und reibe mit einem Lappen nach; und ärgere mich über die doppelte Arbeit. Den Versuch, Polstersessel, Vorhänge und Teppiche von Bakterien zu befreien, unternehme ich gar nicht erst. Was nützt es, wenn die Textilien vom Wasserdampf nass sind?
Der Wasserdampf ist viel zu wenig heiss
Dass Bakterien und Hausstaubmilben mit dem Steam Buggy abgetötet werden, bezweifle ich erst recht. «Bakterien sterben nur, wenn auch das Umfeld auf mindestens 70 Grad aufgeheizt wird», erklärt der Zürcher Kantonschemiker Rolf Etter. «Der Dampf kühlt sich jedoch sofort ab und wird zu Wasser.»
Da bleibe ich doch lieber bei den billigeren, ökologisch abbaubaren Putzmitteln: Ich muss nicht alles nachreiben und verbrenne mich nicht am Dampfstrahl.
Melanie Herr
TV-Shopping - Serie
Das hätte Ihnen der Briefträger nach Hause geliefert, wenn Sie bestellt hätten. saldo prüft in dieser Rubrik, ob die Produkte, die in aufwändigen Fernsehshows verkauft werden, ihren Preis wert sind.
16. Januar 2002
