|
(0) |
Fondsmanager Patrick Frei betreut den Raiffeisen-Fonds SwissAC. Der Siegerfonds hatte im K-Geld-Test in der Kategorie Aktien Schweiz über die letzten drei Jahre die Nase vorn. K-Geld wollte wissen, wie Frei seine Anlageentscheide fällt.
Patrick Frei, wie wählen Sie die Aktien aus, in die Sie investieren?
Wer sein Geld im Raiffeisen-Fonds SwissAc anlegt, erwartet, dass er die wichtigsten Schweizer Blue Chips in unserem Fonds vorfindet.
Das klingt aber langweilig. Dann bilden Sie also einfach den Blue-Chip-Index SMI ab?
So einfach ist es nicht. Es gibt gesetzliche Vorschriften, die uns in den Anlageentscheiden einschränken.
Inwiefern sind Sie nicht frei?
Wir dürfen nicht mehr als 9,99 Prozent des Fondsvermögens auf einen einzelnen Titel setzen. Zudem dürfen sämtliche Positionen, die 5 Prozent oder mehr ausmachen, zusammen nicht mehr als 40 Prozent des Fondsvermögens ergeben.
Was bedeutet das in der Praxis?
Novartis und Nestlé beispielsweise bestimmen den SMI jeweils zu 20, UBS bestimmt ihn zu 13 Prozent. In unserem Portefeuille sind diese Titel somit von vornherein stark untergewichtet. Im Gegenzug müssen wir Aktien von kleinen und mittleren Unternehmen im Vergleich zum Index übergewichten. Dabei ist es natürlich unser Ziel, in aussichtsreiche Firmen zu investieren.
Wie picken Sie aus über 250 mittleren und kleinen Unternehmen die aussichtsreichen heraus?
Mit Hilfe des rund 30-köpfigen Analystenteams der Bank Vontobel sowie Analysen von anderen Banken, Artikeln aus «NZZ», «Finanz und Wirtschaft» sowie dem Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg. Dieses Netzwerk liefert uns eine gute Übersicht über die Meinung des Marktes.
Dann investieren Sie, wenn alle positiv über eine Firma sprechen?
Nein. Die Marktmeinung ist nur ein Faktor, ebenso wichtig ist der direkte Kontakt zu den Firmenmanagern.
Aber jedes Management will doch die eigene Firma möglichst gut darstellen.
Deshalb braucht es auch eine gehörige Portion Erfahrung, wenn man diese Leute interviewt. Dass ein Manager uns das Blaue vom Himmel herunter erzählt, kommt allerdings sehr selten vor. Bei uns sind die Manager sogar häufig offener als bei einem Finanzanalysten.
Was sollte der Grund für eine solche Offenheit sein?
Eine Aussage, die ein Firmenchef uns gegenüber macht, endet nicht in einer öffentlichen Anlageempfehlung.
Was wollen Sie von einem Firmenmanager wissen?
Interessant für uns ist, ob die Auftragsbücher einer Firma für die nächsten drei bis sechs Monate voll sind, wie sich das Unternehmen gegenüber der Konkurrenz positioniert und welche Strategie das Management verfolgt. Durch unsere Fragen versuchen wir, das Management aus der Reserve zu locken. Wir stellen beispielsweise die Wachstumsprognosen unserer eigenen Analysten in Frage. Waren die Prognosen tatsächlich zu optimistisch, wird man uns das zu verstehen geben.
Nachdem Sie sich eine Meinung gebildet haben, folgt also der Anlageentscheid?
Ja. Dann müssen wir entscheiden, ob wir einen Titel im Vergleich zum Index über- oder untergewichten.
Wie gehen Sie vor?
Zum Beispiel haben wir Lonza in unserem Fonds aktuell übergewichtet. Das Chemie-Unternehmen bestimmt den SPI zu 0,5 Prozent. In unserem Fonds machen Lonza-Aktien jedoch 2,8 Prozent aus. Die Firma erzielt rund 50 Prozent ihres Umsatzes als Zulieferer von Pharma-Unternehmen. Dies ist eine erfolgversprechende Strategie. Lonza hat deshalb aus unserer Sicht eine höhere Gewichtung verdient als die Branchenkonkurrenten Clariant oder Ciba.
Wie viele Titel halten Sie?
Wir haben immer rund 60 Positionen im Portefeuille. So erzielen wir eine vernünftige Risiko-Streuung. Investieren wir ein Prozent des Fondsvermögens in ein mittleres oder kleines Unternehmen, kann sich das sehr stark auswirken. Entwickelt sich der Titel sehr gut, gewinnen wir gegenüber dem SMI an Performance.
Sind Sie ständig am Kaufen und Verkaufen?
Nein. Unser Schwerpunkt ist die Analyse von Unternehmen. Haben wir uns für eine Anlage entschieden, bleiben wir - ausser es tritt eine dramatische Änderung ein - dem Titel mindestens ein Jahr treu. Rechnet man die neuen Geldmittel, die jedes Jahr in den Fonds fliessen, nicht mit, wälzen wir pro Jahr rund 30 Prozent des Fondsvermögens um.
Patrick Gut
Raiffeisen- Fonds SwissAc
Der Raiffeisen-Fonds SwissAc erreichte im K-Geld-Test den Spitzenplatz dank der Kombination von guten Rendite- und Sicherheitswerten.
Management: Vontobel Asset Management AG
Fondsdomizil: Luxemburg
Valoren-Nummer: 161 790, Erstausgabe: 21. 2. 1994
Fondsvolumen: 571 Mio. CHF
Ausgabeaufschlag: 1,50 %
Fondsmanagementgebühr: 0,65 %
Anteilspreis 30. 12. 01: CHF 248.01
Kurspublikation: FuW, Cash, www.raiffeisen.ch
01. Februar 2002
