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Der Artikel meiner Redaktionskollegin über Inkontinenz bricht ein Tabu. Endlich wird über ein Problem offen geredet, das auch unter jüngeren Frauen weit verbreitet ist.
Stellen Sie sich vor: Statistisch gesehen ist jede vierte Ihrer Freundinnen und Bekannten von diesem Problem direkt betroffen. Darunter sind junge Frauen - in der Altersgruppe der 30- bis 40-Jährigen trifft es jede sechste -, vielfach mit kleinen Kindern. Ihre Lebensqualität ist eingeschränkt, oft leidet auch die Beziehung zum Partner.
Der Gedanke an ungewollt nasse Wäsche und dicke Inkontinenzbinden ist zugegebenermassen nicht gerade sexy. Diese Angst, dass die Umgebung das Missgeschick sehen und nicht zuletzt auch riechen könnte, schränkt ein, lässt kein spontanes Handeln mehr zu.
Trotzdem wird darüber, wenn überhaupt, nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen. Schweigen und leiden, das ist gerade unter Frauen immer noch viel zu weit verbreitet. Dabei ist es so wichtig, das Tabu zu brechen, weil es dann auch leichter wird, sich Hilfe zu holen.
Als ich im Vorfeld der Sendung mit einem Gynäkologen über das Problem sprach, war ich erstaunt, wie viele Hilfsmittel die Medizin anzubieten hat. Um sie zu nutzen, muss man davon Kenntnis haben. Weshalb also beim nächsten Klatsch mit den Freundinnen das Thema nicht einmal einbringen? Über Inkontinenz zu sprechen, sollte genauso normal werden wie über die Schulprobleme der Kinder oder die geplanten Ferien.
Also Frauen, keine falsche Scham. Geht zum Arzt. Scheut euch vor allem nicht, über ein Thema zu reden, das so viele von uns betrifft.
13. März 2002
