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Artikel | saldo 8/2002

Wer hat den besten Handy-Empfang im ganzen Land?

Handy-Netze im Vergleich: Orange hat mit Swisscom fast gleichgezogen. Swisscom hat Vorteile in den Zügen, Orange punktet mit der besten Sprachqualität. Sunrise liegt bei allen Kriterien zurück.

Drei Netzanbieter buhlen in der Schweiz um Handy-Kunden: Swisscom, Orange und Sunrise. Welcher Anbieter garantiert die beste Abdeckung und gute Sprachqualität? Die Kunden müssen sich auf die Anpreisungen in der Werbung verlassen. Swisscom wirbt mit einem «High Quality Network», Orange mit «stetig steigender Qualität» und Sunrise mit einer «Mobilfunkabdeckung von 97 Prozent der Bevölkerung».


Swisscom und Orange liegen Kopf an Kopf

Die Kunden können die Anpreisungen jedoch kaum überprüfen. Kassensturz, A Bon Entendeur und saldo haben den Vergleich gemacht: von Basel bis Lugano, von St. Gallen bis Genf, von Zürich bis St. Moritz. Der Vergleich war nur mit einer computergesteuerten tragbaren Anlage möglich. Zu Fuss und in Zügen bewegten sich vier Reporter durch die ganze Schweiz. In den Hauptorten aller Kantone, im Fürstentum Liechtenstein und auf den wichtigsten Eisenbahnlinien hat die tragbare Anlage rund 8000 Gespräche geführt.

Experten der Firma Montena in Rossens FR, die auf die Messung von elektromagnetischen Strahlungen spezialisiert ist, haben die Daten ausgewertet und für Laien verständlich interpretiert. Das Gesamtresultat fasst der begleitende Ingenieur Manfred Portmann so zusammen: «Swisscom und Orange liegen Kopf an Kopf. Swisscom hat Vorteile auf den Bahnstrecken, Orange bei der Sprachqualität in den Städten. Sunrise liegt fast überall zurück.»

Das Resultat der Stichprobe freut vor allem Orange, mit 925 000 Abos Dritte auf dem Mobilfunkmarkt. «Wir haben sehr viel in die Netzinfrastruktur investiert», sagt Orange-Sprecherin Therese Wenger. Unser eigenes Netz ist nach drei Jahren Präsenz flächendeckend und in der Sprachqualität einmalig.»


Sunrise arbeitet an der Erweiterung der Netzabdeckung

Bei Marktleaderin Swisscom - sie hat insgesamt 3,5 Millionen Handy-Kunden - herrscht Erleichterung: «Wir freuen uns, dass wir die Spitzenposition erfolgreich verteidigen konnten», sagt Sprecher Josef Huber. «Orange-Kunden profitieren davon, dass sie in einigen Gebieten unser Netz mitbenützen können.» Tatsächlich nutzt Orange dort, wo keine eigenen Sendemasten stehen, die Swisscom-Anlagen. Dieses so genannte Roaming macht nach Aussagen von Orange noch 2 bis 3 Prozent aus.

Testverlierer Sunrise, mit 950 000 Abos Zweite auf dem Markt, will an sich arbeiten: «Umfragen bei unseren Kunden haben ergeben, dass sie mit der aktuellen Netzversorgung zufrieden sind», betont Monika Walser. «Dennoch geben wir uns damit nicht zufrieden und arbeiten ständig an einer Erweiterung der Abdeckung.»

Neben dem unterschiedlichen Netzausbau spielen aber auch die geografischen Gegebenheiten eine grosse Rolle. In Appenzell und in Glarus haben alle drei Anbieter den besten Empfang mit der besten Sprachqualität. Der Grund: Die kleinen Landsgemeindeorte haben freie Sicht auf die Sendemasten der nahen Hügel. Fast ebenbürtig in der Qualität sind die drei Konkurrenten in Altdorf, Bellinzona, Lugano, Frauenfeld, Luzern, Schaffhausen, Schwyz, St. Moritz, Winterthur, Zug, Zürich, Basel, Biel, Crans Montana, Genf, Neuchâtel und Solothurn. Orange hat Vorteile in Aarau, Sarnen, Stans, Lausanne, Yverdon und Sion. Swisscom glänzt in Chur und Fribourg. Sunrise hat in St. Gallen knapp die Nase vorn.

In einzelnen Hauptorten gibt es jedoch krasse Unterschiede. In Herisau etwa gelangen Orange während der Messung 40 Anrufe, Swisscom 39, Sunrise aber nur 16 - und die erst noch in mässiger Qualität. «Es dauerte in Herisau drei Jahre, um einen Standort für den Sendeturm zu bekommen. Wir konnten erst kurz nach Ostern eine Station in Betrieb nehmen und die Versorgungslücke schliessen», sagt Monika Walser von Sunrise.


SBB-Hauptlinien: Swisscom hat die Nase vorn

In Bern kam Sunrise auf nur 8 Anrufe, Orange schaffte 43, Swisscom 42 Verbindungen. In Liestal brachte Orange 27, Swisscom 26 und Sunrise 2 Telefonate zustande. Und diese in schlechter Qualität. Dazu Sunrise: «Wir hatten am Tag der Messung für einen Tag kostenlose SMS offeriert. Zu den schlechten Ergebnissen kam es wegen technischer Probleme und der Überlastung im Zusammenhang mit den Gratis-SMS.»

Auf den wichtigsten SBB-Strecken gewinnt Swisscom den Vergleich mit Vorsprung. Sunrise schreibt das Resultat der einstigen Monopolstellung der Swisscom zu. Bei Orange soll der Empfang im Zug besser werden: «Bahnreisende werden in Kürze von unserer führenden Netzqualität profitieren können. Wir investieren im laufenden Jahr einen zweistelligen Millionenbetrag.»

Swisscom kann zufrieden sein. Einzig auf der Strecke Vitznau-Rigi Kulm sieht Swisscom alt aus: Orange und Sunrise schafften hier 38 Verbindungen, Swisscom nur 28. Warum? Josef Huber: «Es sind zusätzliche Senderstandorte geplant, aber noch nicht bewilligt. Die Versorgung des Hotels Rigi-Kulm ist für diesen Sommer geplant.»

Andreas Grämiger


In der nächsten saldo-Ausgabe:

- So strahlt Ihr Handy: 57 Modelle im Test

- Mögliche gesundheitliche Folgen der Strahlung



Messanlage - So wurde getestet

Die Messung erfolgt mit einem Computer, der in einem Hartschalen-Rucksack steckt. Der Rechner steuert drei Handys, je eines für jede Telefongesellschaft. Diese Handys wählen immer wieder eine Feststation an und werden von der Feststation aus zurückgerufen.

Gelingt der Anruf während einer guten Minute, gilt er als geglückt. Bricht die Verbindung zusammen, ist er abgebrochen. Kommt innerhalb von 30 Sekunden keine Verbindung zustande, ist der Anruf nicht geglückt.

Bei den vollständigen Anrufen wird die Sprachqualität gemessen. Für ein gutes Testresultat ist es nötig, möglichst viele vollständige Anrufe in bester Qualität durchzubringen.



Preisvergleich

Wer in seinem Umfeld guten Empfang hat, kann getrost den billigsten Anbieter wählen. Das ist laut Richard Eisler vom Internet-Vergleichsdienst Comparis.ch der Testverlierer Sunrise. Comparis hat knapp 5000 Handy-Rechnungen untersucht. Eisler: «Sunrise ist in den meisten Fällen am günstigsten, Orange nur etwas billiger als Swisscom.» Eisler betont jedoch, dass ein direkter Vergleich (www.comparis.ch) der drei Anbieter nur möglich sei, wenn man die eigenen Bedürfnisse kenne. «Wer dann das richtige Abo beim passenden Anbieter wählt, kann viel Geld sparen.»



SBB-Strecken - Empfang in der Bahn

Auf den Hauptstrecken der SBB ist Swisscom besser als ihre Konkurrenten. Sie hat bereits über 30 Millionen Franken investiert. In den nächsten zwei Jahren sollen nochmals 50 Millionen Franken fliessen.

Anfang Jahr haben Sunrise, Orange und Swisscom mit den SBB einen Vertrag zur Verbesserung des Handy-Empfangs unterzeichnet. Er regelt den Einbau zusätzlicher Antennen und Verstärker in den Tunnels. Das soll allen Nutzern einen möglichst lückenlosen Empfang auf wichtigen Strecken bescheren.

In manchen Waggons ist der Handy-Empfang schlechter als in anderen. Aufgrund ihrer Konstruktion schirmen die Wagen die Funkwellen mehr oder weniger ab. Der Einbau von so genannten Repeatern soll in Zukunft den Empfang verbessern.

24. April 2002


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