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Artikel | K-Geld 2/2002

Zyklische Aktien: Profitieren Sie vom Aufschwung

Wenn die Weltwirtschaft wieder wächst, steigt der Hunger der Industrie nach Roh- und Grundstoffen für die Herstellung von Produkten aller Art. Vom Aufschwung profitieren viele Aktien dieses Sektors.

Seien es Baustoffe für Häuser, Metalle für das Herstellen von Maschinen oder Papier und Farben für Drucksachen: Überall werden für die Produktion Basismaterialien benötigt. Die entsprechenden Industrien stossen derzeit an den Aktienbörsen auf grosses Interesse. Analysten erwarten nämlich, dass Firmen, welche die Wirtschaft mit Grundstoffen versorgen, ihre Gewinne in nächster Zeit deutlich steigern können - und dass auch die Aktienkurse weiter steigen.


Mit dem Frühling spriessen nicht nur die Pflanzen, sondern auch die Hoffnungen. Die Weltwirtschaft hat die Krise des letzten Jahres überwunden. Die Erholung hat begonnen.

Nachdem das Wachstum der globalen Wirtschaft sich von 4,7 Prozent im Jahr 2000 auf 2,2 Prozent im Jahr 2001 extrem abgeschwächt hat, geht es jetzt endlich wieder aufwärts.

Der Internationale Währungsfonds rechnet, dass die Weltwirtschaft dieses Jahr um rund 3 Prozent und nächstes Jahr noch stärker zulegt.


Die Grundstoffindustrie wird vom Aufschwung sofort profitieren können, denn dieser Sektor wird den weltweit zu erwartenden Konjunkturaufschwung besonders rasch spüren. Dass die Konjunktur nicht nur in Nordamerika und Europa, sondern auch in vielen Schwellenländern gleichzeitig abhebt, verstärkt den Effekt zusätzlich.


Wieder gefragt sind viele Basismaterialien, die die Wirtschaft für die Produktion von Gütern braucht. Dazu gehören Rohstoffe wie zum Beispiel Stahl, Aluminium, Buntmetalle oder Zellulose, aber auch Öl und Kohle, daneben Grundstoffe wie Zement, Papier sowie eine riesige Palette von Chemikalien.

Der beginnende Wirtschaftsaufschwung wirkt sich besonders stark auf die Nachfrage nach Grundstoffen aus, weil die Auftragslage wieder anzieht und die während der Wirtschaftskrise massiv abgebauten Lager erst wieder aufgestockt werden müssen.


Typische, frühzyklische Aktien sind zu Beginn des Aufschwungs die Renner an den Börsen. Zu dieser Kategorie zählen auch die Titel der Grundstoffbranche. Grund: Deren Kurse legen in der Regel bereits drei bis sechs Monate vor dem Konjunkturtief wieder zu - und profitieren überdurchschnittlich, wenn dann der Aufschwung einsetzt. Wenn die Wirtschaft sich also erholt und wieder wächst, bieten die frühzyklischen Branchen gute Gewinnchancen.


Der Sektor «Basismaterialien» gehörte lange zu den Verlierern an der Börse. In den späten 90er-Jahren galt die Branche als hoffnungslos unmodern. Technologie- und Dienstleistungsfirmen bestimmten das Wachstum. Die Gelder der Investoren flossen in Internet- und Biotechnologie-Firmen. Der Kapitalhunger der Rohstoff- und Grundstoffbranche blieb ungestillt. Viele Unternehmen gerieten unter Druck und wurden zu Restrukturierungen, Fusionen und Betriebsschliessungen gezwungen. Gleichzeitig mussten sie auch leistungsfähiger werden.


Heute gelten die Firmen der Grundstoffindustrie wieder als attraktiv. Nachdem der Internet-Boom wie eine Seifenblase geplatzt ist, ist den Anlegern vorübergehend die Lust an der Welt der Bits und Bytes vergangen. Konzerne, die so handfeste Produkte wie zum Beispiel Metalle, Baustoffe, Papier oder Chemikalien liefern, gelten an der Börse wieder als sexy. Die Renaissance begann im vergangenen Jahr, als der Rohstoff- und Grundstoffsektor den Weltaktienindex mit einem Plus von rund 10 Prozent schlagen konnte. Doch noch ist das Aufwärtspotenzial nach Meinung der Experten nicht ausgeschöpft.

Die Aussicht auf einen Wirtschaftsaufschwung hat der Branche Auftrieb gegeben. Verschiedene wichtige Rohstoffpreise haben sich von ihrem im Oktober erreichten Tiefststand erholt. So zogen danach die Preise etwa für Metalle wie Kupfer, Zink oder Aluminium wieder an. Diese Entwicklung sollte - je nachdem wie stark der Aufschwung ausfällt - einige Zeit anhalten.


Ausgeprägt zyklische Aktien eignen sich nicht für die Methode «kaufen und halten». So positiv wie diese Titel in einem konjunkturellen Aufschwung abschneiden können, so sensibel reagieren die Aktienkurse dieser Firmen auf eine drohende Rezession. Sobald die Notenbanken die Zinsen anzuheben beginnen, heisst es deshalb: Vorsicht. Weil die Börse Entwicklungen normalerweise um drei bis sechs Monate vorwegnimmt, ist die Zeit für Gewinnmitnahmen da, bevor der Gipfel des Ertragszyklus erreicht ist. Anleger sollten deshalb den Sektor und das wirtschaftliche Umfeld genau beobachten, um Gewinne rechtzeitig realisieren zu können.


Die Kurse zyklischer Aktien sind deutlich riskanter als die Titel konjunkturresistenter, defensiver Branchen. Die Beurteilung von Unternehmen des Grundstoffsektors ist überdies nicht nur von der Konjunktur, sondern auch vom jeweiligen Markt abhängig. Je nach Marktstimmung und den effektiven Ergebnissen der Firmen können die Kurse stark schwanken. Kleinanleger sollten deshalb nicht in einzelne Firmen des Sektors Basismaterialien investieren.


Wer auf die Rohstoff- oder Grundstoffbranche setzen will, sollte in Branchenfonds oder Indexaktien investieren. Dadurch lässt sich das Risiko auf mehr Firmen, Teilmärkte und Länder diversifizieren.


Der Aufschwung hat begonnen, aber die politischen Risiken bleiben. Die wirtschaftlichen Indikatoren sagen weltweit eine Konjunktur-Erholung voraus. Der ifo-Weltwirtschaftsindex, der auf der Befragung von 900 Experten aus 80 Ländern basiert, stieg vom 4. Quartal 2001 zum 1. Quartal 2002 von 70,7 auf 84,1 Punkte. Trotzdem bleibt die Zukunft unsicher, weil sich vor allem die politischen Risiken des Konflikts im Nahen und Mittleren Osten nur sehr schlecht kalkulieren lassen.


Anleger dürfen nicht zu viele Eier in denselben Korb legen. Dieses Motto gilt auch für die Verteilung der Anlagen auf Wirtschaftssektoren: Diversifikation reduziert das Risiko. Wer in die Grundstoffbranche investieren will, sollte höchstens 5 bis 10 Prozent seiner Aktienanlagen auf diesen Sektor setzen.

Meinrad Ballmer



DER SEKTOR

Zum Sektor Basismaterialien gehören unter anderem die folgenden Branchen:

- Chemie-Rohstoffe (mit Firmen wie etwa Celanese, Solvay)

- Chemikalien diversifiziert (DuPont, BASF, Bayer, Dow Chemical, Akzo Nobel)

- Dünger und Agrarchemie (Syngenta, Potash Corp.)

- Industriegase (Air Liquide)

- Spezialitätenchemie (Ciba, Clariant, Lonza, Givaudan)

- Baustoffe (Holcim, Lafarge)

- Metalle und Minen diversifiziert (BHP Billiton, Rio Tinto, WMC)

- Edelmetalle und Mineralien (Anglo American, Newmont Mining)

- Stahl (ThyssenKrupp, Nippon Steel, China Steel, Arcelor)

- Aluminium (Alcoa, Alcan, Péchiney)

- Holzprodukte (Weyerhaeuser, Carter Colt Harvey)

- Papierprodukte (International Paper, Stora Enso, UPM-Kymmene)

- Verpackung und Container (OJI Paper, Sealed Air, Rexam)



Anlagefonds und Indexaktien im Grundstoffsektor: Sie haben die Wahl

Mit spezialisierten Anlagefonds oder mit Indexaktien können Anleger in den Sektor Basismaterialien investieren und gleichzeitig das Risiko auf viele Werte verteilen.

Die folgenden Rohstoff- beziehungsweise Grundstofffonds sind in der Schweiz zugelassen:

- Der «DIT-Rohstofffonds» (ISIN DE0008475096) deckt nur die Branchen «Metalle & Minen» sowie «Papier und Holzprodukte» ab, das heisst, er umfasst nur etwa die Hälfte des Sektors.

- Indexfonds Balzac Materials Index (ISIN FR000094283). Zudem gibts folgende börsengehandelte Indexaktien, die im Vergleich zu Fonds weniger Spesen verursachen:

- Der «Basic Industries Select Sector Spider Fund» (ISIN US81369Y1001) auf den «AMEX Basic Industries Select Sector Index».

- Der «iShares Dow Jones US Basic Materials Sector Index Fonds» (ISIN US4642878387) auf den «Dow Jones US Basic Materials Sector Index».

- Der «FTSE Global Basic Industries LDRS» (ISIN IE0030948289) auf den «FTSE Global Basic Industries Index», der 50 Firmen der Grundstoffindustrie aus Europa, Nordamerika und Asien enthält.

01. April 2002


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