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Stichprobe: 10 von 22 Produkten enthalten mindestens ein Pilzgift
Fertigmenüs für Kleinkinder sollten höchsten Ansprüchen genügen. Doch eine Stichprobe zeigt: In einigen Breien und Müesli hats Gifte von Schimmelpilzen. Mehr als die Hälfte der Produkte ist jedoch giftfrei.
Thomas Grether thgrether@pulstipp.ch
Für Babys und Kleinkinder ist nur das Beste gut genug. Deshalb kochen viele Mütter und Väter ihren Lieblingen den Gemüsebrei selbst - aus Bio-Gemüse, versteht sich.
Drängt einmal die Zeit, sind die Eltern froh, ihrem Kind eine Mahlzeit aus dem Gläsli oder einen fertig zubereiteten Brei geben zu können. Darin sind meist Gerste, Weizen, Roggen oder Hirse enthalten, die den Menüplan optimal ergänzen.
Doch das Getreide ist nicht selten von Schimmelpilzen befallen, die gefährliche Gifte produzieren. Diese Pilzgifte können in die Fertignahrung gelangen und die Gesundheit der Knirpse gefährden. Schimmelpilze und ihre Gifte können sich bei nassen Wetterbedingungen bereits auf dem Feld bilden.
Bauern und Händler halten sich nicht immer an die nötigen Vorsichtsmassnahmen: Ist das Klima beim anschliessenden Transport oder während der Lagerung zu feucht, können die Pilze optimal weiterwuchern. Auch biologische Fertignahrung kann mit Giften belastet sein.
Sichtbar sind die giftigen Bestandteile nicht, weil sie bei der Nahrungs-Herstellung zerkleinert und in Müesli und Brei verteilt werden. Um zu klären, ob auch Schweizer Babynahrung belastet ist, liess der Puls-Tipp 22 Breie, Müesli und Gläsli im Kantonalen Labor Baselland auf zwei häufig vorkommende Pilzgifte untersuchen:
Ochratoxin A (OTA): Es schädigt Niere und Leber. Bei Tieren verursacht es Krebs. Das Gift steht im Verdacht, auch beim Menschen krebserregend zu wirken.
Deoxynivalenol (DON): Schwächt das Immunsystem und schädigt die weissen Blutkörperchen. Bei Schweinen führt es zu einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionskrankheiten, schädigt die Darmschleimhaut und verlangsamt das Wachstum von Jungtieren.
Die Resultate der Analyse:
- 12 Produkte weisen keines der Gifte auf und erhalten deshalb das Urteil «empfehlenswert».
- 7 Produkte enthalten das Pilzgift DON, die Mengen liegen aber unter den Grenz- oder Richtwerten: Für sie gilt «bedingt empfehlenswert».
- 3 Produkte überschreiten die bei DON oder OTA geltenden Richt- oder Grenzwerte oder enthalten beide Gifte: Sie sind «nicht empfehlenswert».
Eine akute Gefährdung der Gesundheit bestehe bei keinem der getesteten Produkte. Die Untersuchung zeige jedoch, dass Baby-Fertignahrung ein potenzielles Risiko darstellen könne, erklärt Niklaus Jäggi, Leiter des Kantonalen Labors Baselland. «Die Hersteller müssen alles daran setzen, ihre Produkte möglichst giftarm herzustellen.» Dies werde dadurch erschwert, dass man Naturprodukte nur durch Pestizideinsatz gänzlich ohne Schimmelpilze produzieren könne.
Jäggi bezeichnet die untersuchten Fertignahrungsmittel zwar als unbedenklich, sagt aber: «Gesund sind höhere Dosen auf Dauer sicher nicht.»
Für DON existieren in der EU und auch in der Schweiz keine gesetzlichen Grenzwerte.
Anders bei OTA: Ein Kilo Fertignahrung darf nicht mehr als 0,5 Mikrogramm dieses Pilzgiftes enthalten. Diesen Grenzwert schreibt die Eidgenössische Fremd- und Inhaltsstoffverordnung vor.
Das ist zu hoch, sagt das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BGVV) in Berlin. Es empfiehlt für das heikle Gift einen Richtwert von 0,3 Mikrogramm pro Kilo, an den sich der Puls-Tipp bei seiner Bewertung hält.
Alle Hersteller, deren Produkte mit «nicht empfehlenswert» abgeschnitten haben, berufen sich darauf, die schweizerischen Gesetze eingehalten zu haben. Doch weshalb es in ihren Produkten trotzdem Pilzgift hat, will keiner sagen.
«Die von uns verkauften Produkte entsprechen vollumfänglich der schweizerischen Gesetzgebung», erklärt Milupa-Geschäftsführer Olivier J. Vavasseur. Milupa (7 Cerealien Vollkorn) wie auch Nestlé (Lactoplus Malt) betonen, dass ihre Kindernahrung höchstmöglichen Qualitätskriterien entspricht. Die Firma Steiner Mühle AG (Semoulette) sagt, dass selbst bei «extremem Griessbrei-Konsum» der gesetzliche Grenzwert eingehalten würde.
«Hersteller von Kindernahrung dürfen nur ausgesuchtes und auf Schimmelpilze geprüftes Getreide verwenden. Nur das Beste ist gut genug», sagt Rudolf Weber vom Labor für Pilzgifte des BGVV. Die Gesundheit von Kindern habe besonderen Schutz verdient. Weber: «Kinder befinden sich noch in der Entwicklung und sollten erstklassige Ware auf den Teller bekommen. Die Werbung suggeriert bei Fertignahrung ja auch, dass sie einwandfrei ist - und die Eltern bezahlen viel dafür.»
01. Juni 2002
