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Mein Frühstück besteht aus Toast, Butter und Konfitüre. Das essen viele andere Leute auch. Nur: Ihr Toast schmeckt köstlich. Meinen empfinde ich hingegen als fad. Denn viel lieber würde ich in ein herzhaftes Stück Brot beissen. Doch das ist mir leider verwehrt, weil ich an Zöliakie leide. Ausser Brot darf ich noch anderes nicht essen: Alle glutenhaltigen Lebensmittel sind absolut tabu für mich. Nur wenn ich meine Diät konsequent einhalte, geht es mir gut.
Ich weiss erst seit acht Jahren, dass ich Zöliakie habe. Die Symptome der Krankheit machten sich aber schon 20 Jahre zuvor bemerkbar. Ich war ständig müde und schlapp, hatte Magenprobleme, starke Blähungen und zeitweise Durchfall. Manchmal traute ich mich kaum unter die Leute wegen meiner übel riechenden Winde. Als ein Spezialist zum ersten Mal von Zöliakie sprach, hatte ich keine Ahnung, was das ist. Zwei Jahre später schienen Befunde vom Labor des Kantonsspitals St. Gallen diesen Verdacht zu bestätigen. Trotzdem bezweifelten meine Ärzte die Diagnose Zöliakie weiterhin. Ich hatte nämlich weder Eisenmangel, noch litt ich unter Blutarmut, was für die Krankheit typisch ist.
Das lange Hin und Her bewirkte, dass ich mich nicht ernst genommen fühlte. Ich dachte, dass die Ärzte mich für eine Simulantin halten würden. So befolgte ich alles, was sie mir empfahlen. Sogar sechs Zähne liess ich mir ziehen und für viel Geld Brücken erstellen, weil mein Arzt eine Amalgam-Vergiftung vermutete.
Trotz Ernährungsberatung und Diät ging es mir immer schlechter. Ich arbeitete damals noch im Verkauf. Abends konnte ich kaum mehr stehen, manchmal musste ich auf jeder Treppenstufe zu unserer Wohnung minutenlang verschnaufen. Als ich nur noch 35 Kilogramm wog, brachte mich mein Mann auf meinen eigenen Wunsch ins Spital. Eine weitere Blutuntersuchung bestätigte schliesslich den Verdacht: Zöliakie.
Zuerst dachte ich: das bisschen Diät kriegst du doch selber hin. Doch so einfach ist das eben nicht! Ich habe erst durch die Selbsthilfegruppe begriffen, dass meine Diät nur Erfolg bringt, wenn ich sie mit äusserster Konsequenz einhalte. Das bedeutet nicht nur Verzicht auf Weizen-, Roggen- oder Hafermehl, sondern auch Vorsicht beim Hantieren in der Küche und beim Einkaufen. Allein die Benützung eines Messers, mit dem zuvor normales Brot geschnitten wurde, kann bei Zöliakie-Patienten Beschwerden auslösen.
Ich staune immer wieder, was alles Gluten enthält. Es war sogar in meinem ehemaligen Haarlack. Wenn ich für meinen Mann und mich koche, ersetze ich alles, was mir nicht bekommt, durch Spezialprodukte aus dem Reformhaus. Diese bereite ich mir dann separat zu, beispielsweise Teigwaren. Saucen mache ich aus frischen Zutaten, weil die Beutelsaucen Mehl enthalten. Ich habe mich an den mehr oder weniger faden Geschmack dieser Ersatzprodukte gewöhnt. Doch gewöhnliche Teigwaren oder ein St. Galler Brot sind klar besser und zudem noch viel billiger. Zum Glück stehe ich nicht so auf Kuchen und Patisserie!
Zu Hause habe ich meine Ernährung gut im Griff. Schwieriger ist es, wenn ich auswärts bin. Ich muss vorher abklären, was serviert wird, und meine Bedürfnisse mit dem Wirt besprechen. Kein Problem, höre ich dann meistens. Aber es klappt nur selten. Ich vermute, das Küchenpersonal in der Schweiz ist zu wenig aufgeklärt über Zöliakie. In Österreich und Italien hingegen kenne ich je ein ausgezeichnetes Hotel. Dort bereiten die Köche Gerichte für Zöliakie-Patienten in einer separaten Kochecke zu. Das bringts!
Aufgezeichnet: Evi Biedermann
Zöliakie - Nur eine lebenslange glutenfreie Ernährung hilft
Zöliakie-Patienten vertragen kein Gluten. Dieses Klebereiweiss - enthalten in Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste, Einkorn, Emmer, Kamut und Hafer - schädigt bei ihnen die Schleimhaut des Dünndarms und beeinträchtigt dessen Funktion.
Betroffene leiden unter Magen- und Darmschmerzen, Durchfall, Blähungen und Übelkeit. Andere Symptome sind Eisen- und Vitaminmangel, Blutarmut, Müdigkeit, Gewichtsverlust, Muskelschwund und psychische Veränderungen. Weil die Symptome mehrdeutig sind, vergehen oft viele Jahre bis zur richtigen Diagnose. Bei Verdacht auf Zöliakie ist eine Blutuntersuchung angezeigt.
Zöliakie lässt sich weder mit Medikamenten noch durch eine Operation heilen. Bewährt hat sich nur eine lebenslange, glutenfreie Ernährung. Bei strikter Diät erholen sich die Darmzotten innert weniger Monate und der Stoffwechsel normalisiert sich.
- Infos
Schweizerische Interessengemeinschaft für Zöliakie c/o Sekretariat Anita Dimas Birmannsgasse 20, 4055 Basel Tel. 061 271 62 17 Fax 061 271 62 18 E-Mail: sekretariat@zoeliakie.ch
01. Juni 2002
