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Artikel | Gesundheits-Tipp 2/2001

Emilie Lieberherr, 76: «Murmeli-Öl hat mir das Leben gerettet»

Die Zürcher Alt-Stadträtin über Jane Fonda, Murmeltier-Öl und Gin Tonic

Redegewandt und temperamentvoll - so kannte man sie als Politikerin. Und auch heute noch ist Emilie Lieberherr gut im Schuss. An Krankheiten denkt sie kaum. Dafür erinnert sie sich lebhaft an die Zeit als Erzieherin von Jane Fonda.

Frau Lieberherr, kaum jemand weiss, dass Sie vor 40 Jahren das Morgenturnen nach Amerika brachten.

Ja, das stimmt. Ich war damals Erzieherin von Jane Fonda. Sie verbrachte jeden Sommer mit ihren Eltern in Malibu Beach. Vater Henry Fonda drehte Filme in Hollywood. Damals war Morgenturnen in der Schweiz der Renner. Wer erinnert sich nicht an die sympathische Stimme am Radio: «Habt ihr gut geschlafen? Jetzt turnen wir zusammen - eins und zwei und...»


... Moment, Moment - Sie würden wohl am liebsten gleich anfangen zu turnen. Waren die Fondas denn dafür leicht zu begeistern?

Die ganze Familie fand es toll. Ausser Jane. Die damals 17-Jährige drückte sich, wo sie nur konnte. Am Morgen blieb sie lieber im Bett und guckte verschlafen unter der Decke hervor.


Jane Fonda wurde später zur Fitness-Ikone. Wie haben Sie das Mädchen bloss aus dem Bett geholt?

«Jane», sagte ich zu ihr, «du bist eine ganz faule Person. Steh mal auf! Du musst mit uns Frühturnen machen.» Erst viel später wollte sie schlank und schön bleiben. Dann erfand sie das Aerobic. Wer hätte das gedacht?


Wie halten Sie es heute mit dem Fast Food und der amerikanischen Lebensweise?

Ich war und bin noch immer entsetzt, was die Leute dort in sich reinschaufeln. Diese Menge Popcorn, die sie beim Fernsehen in sich reindrücken. Oder die Eiscreme, die sie dauernd schlecken. Ein grosser Teil der Bevölkerung in Amerika isst zu wenig bewusst und zu wenig gesund. Darum sind dort so viele übergewichtig. Sogar Kinder sind schon kugelrund. Das ist erschreckend.


War das bei den Fondas auch so?

Nein, wir haben sehr gesund gegessen. Ich habe auch die Birchermüesli-Kultur nach Amerika gebracht. Statt Cornflakes gabs Müesli zum Zmorge. Alle waren begeistert.


Was essen Sie am liebsten?

Italienisches, mediterranes Essen: Olivenöl, frischer Salat, frisches Gemüse und Pasta. Nicht jeden Tag Fleisch. Ich gehe mit den Jahreszeiten. Im Sommer esse ich Salat und Beeren aus meinem Garten. Was nicht aus meinem Garten kommt, ist vom Bauern oder vom Markt.


Glauben Sie, dass die Ernährung einen Einfluss hat auf die Gesundheit?

Es gibt Leute, die leben sehr gesund, und eines Tages sterben sie unerwartet an einer unheilbaren Krankheit. Andere achten überhaupt nicht darauf und werden uralt. Es ist eine Frage der Vererbung. Wichtig ist, dass jeder seine Veranlagung kennt und sich entsprechend vorsieht.


Hatten Sie diesen Winter schon eine Grippe?

Ich habe seit Jahren keine Grippe mehr gehabt. Auch als ich im Amt war, bin ich nie krank gewesen.


Offenbar haben Sie eine robuste Konstitution.

Ja. Unsere Familie hat nie einen Arzt gebraucht. Meine Mutter hat uns mit Naturheilmitteln durch alle Kinderkrankheiten gebracht. Gegen Grippe gabs Lindenblütentee mit Honig - und ab ins Bett. Wunden behandelte sie mit Katzenschmalz, dem Fett von Katzen.


Das tönt nach Wundermitteln.

Ja, dazu gehörte auch das Murmeltier-Öl. Das hat mir sozusagen das Leben gerettet.


Wie kam das?

Als ich drei Monate alt war, hatte ich den Krupp, eine Krankheit, die damals oft zum Tod führte. Meine Mutter wickelte mich in Tücher mit warmem Murmeltier-Öl. Es hat mich geheilt.


Mit 1 Meter 74 cm sind Sie sehr gross für Ihre Generation. Haben Sie als Kind viel Suppe gegessen?

Allerdings. Ich habe immer sehr gerne und viel Suppe gegessen. Keine Päcklisuppe, sondern frische Suppen - je nach Saison. Meine Mutter konnte sehr gut kochen und hat darauf geachtet, dass wir mittags zur Suppenmahlzeit kommen. Ich empfehle allen älteren Leuten: Esst Suppe, dann habt ihr ein gutes Quantum Flüssigkeit.


Rauchen Sie?

Nein. Ich habe noch nie im Leben einen Lungenzug gemacht. Als kleines Kind habe ich mal an einer «Niele» gezogen. Die Burschen hatten sie immer dabei. Aber es wurde mir schwindlig.

Trinken Sie Alkohol?

Jawohl. Aber massvoll und ganz gezielt. Täglich ein Glas Rotwein ist gut fürs Herz, das weiss man ja. Manchmal trinke ich auch einen Gin Tonic. Gin ist gesund, das Tonic auch - und dann kommt noch ein Schnitz Limone rein. Das ist sehr erfrischend. Zu diesem kleinen Laster stehe ich.

Interview: Silvana Vasoli

01. Februar 2001


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