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Versuch mit der Rauchstopp-Pille Zyban: Alle sechs Puls-Tipp-Leser rauchen wieder
Sechs Leserinnen und Leser des Puls-Tipp wollten vor einem Jahr mit Zyban vom Rauchen loskommen. Heute steht fest: Der Versuch ist bei allen gescheitert.
Thomas Grether thgrether@pulstipp.ch
«Die Rauchstopp-Pille hält, was sie verspricht» schreibt die Herstellerfirma Glaxo Wellcome in einer Medienbroschüre. Glaxo hat Ärzte eingespannt, die in der Broschüre Zyban in den höchsten Tönen loben. «Zyban ergänzt die Palette der Rauchstopp-Therapien auf wertvolle Art und Weise», sagt etwa Rainer Kaelin, Vizepräsident der Lungenliga Schweiz. «Die Nebenwirkungen sind ohne weiteres erträglich.»
Andere Erfahrungen machten sechs Leserinnen und Leser des Puls-Tipp. Sie schluckten Zyban zum ersten Mal vor einem Jahr. Der Puls-Tipp begleitete sie beim Aufhör-Versuch:
- Drei Frauen setzten die Raucherpille schon nach rund einer Woche wieder ab und rauchten weiter. Grund: starke Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, weiche Knie, Herzrasen und Weinkrämpfe.
- Drei Männer und eine Frau spürten ebenfalls Nebenwirkungen, hielten aber durch. Sie schafften den vorläufigen Ausstieg.
Gemäss Studien von GlaxoWellcome sollen nach einem Jahr 30 Prozent der Raucher noch immer rauchfrei sein. Die Bilanz der Leserinnen und Leser des Puls-Tipp zeigt ein anderes Bild: Mittlerweile sind auch die drei rückfällig geworden, die vorerst durchhielten. Das heisst: Alle sechs Leserinnen und Leser des Puls-Tipp hängen nach einem Jahr wieder am Glimmstengel.
Das Resultat deckt sich mit einem Versuch, den Journalisten der welschen Zeitschrift L'Illustré kürzlich unternommen haben: Auch dort begannen alle sechs wieder zu rauchen, nachdem sie Zyban abgesetzt hatten. Das Deutsche Arznei-Telegramm kommt zu einem vernichtenden Urteil: Langfristig betrachtet könne man statt Zyban genausogut ein Placebo nehmen. «Ein die Einnahme überdauernder Effekt besteht nicht.»
Das Scheitern mit Zyban sei oft darauf zurückzuführen, dass Aufhörwillige mangelhaft betreut werden, sagt Paul Ruff, Arzt und Initiant der Smoke-off-Zentren. Nicht alle Ärzte, die Zyban verschreiben, sind in der Rauchentwöhnung genügend ausgebildet. «Wer Zyban nimmt und Nichtraucher bleiben will, sollte sich gleichzeitig fachärztlich betreuen lassen oder einen Entwöhnungskurs besuchen. Das erhöht die Chancen, für immer von den Zigaretten loszukommen, um das Zehnfache», sagt Ruff.
01. Januar 2001
