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Artikel | K-Tipp 14/2002

Biozwiebeln - zum Heulen teuer

Wer Biogemüse bevorzugt, muss oft tief in die Tasche greifen: Bei Migros zahlte man Mitte August im Durchschnitt 97 und bei Coop 67 Prozent mehr. Am Markt hingegen kosten Bioprodukte nur 27 Prozent mehr.

Pia Seiler pseiler@ktipp.ch

Vorbei die Zeiten, als man Biogemüse auf dem «Körnlipick»-Regal in der hintersten Ecke des Ladens suchen musste. Ob Auberginen oder Zwiebeln - heute bieten Migros und Coop neben konventionell produziertem Gemüse haufenweise Biogemüse an.

Exklusiv jedoch ist nach wie vor der Preis. Coop verlangt für ein Kilo Biozwiebeln sage und schreibe Fr. 7.80 und die Migros Fr. 6.90 - jeweils dreimal mehr als fürs konventionelle Produkt. Auch Biokartoffeln kosten fast das Dreifache.

Die Migros schlägt zudem bei Auberginen, Kopfsalat und Lauch aus biologischer Produktion kräftig drauf. Bei Fenchel, Tomaten und Zucchetti wiederum ist die Preisdifferenz zum konventionellen Gemüse bei beiden Grossanbietern relativ gering.

Unter dem Strich ergeben sich trotzdem happige Preisaufschläge. Mitte August kaufte der K-Tipp zehn Gemüse aus der Schweiz ein. Das Resultat: Bei Migros beträgt der Preisunterschied 97 Prozent, bei Coop 67 Prozent. Am Wochenmarkt hingegen ist Biogemüse nur 27 Prozent teurer als konventionelles Gemüse.

Wie viel teurer darf Biogemüse denn sein? «Über den Daumen gepeilt rechnen wir mit Mehrkosten von 20 bis 80 Prozent, je nach Gemüse und Saisonangebot», sagt Urs Tagmann, Bereichsleiter bei Bio Suisse, Vereinigung der Biolandbau-Organisationen. Diese Mehrkosten entstehen, weil im Biolandbau Kunstdünger und chemischsynthetische Spritzmittel verboten sind, mehr Handarbeit nötig ist und der Ertrag pro Hektar kleiner ausfällt.

Übers Jahr gerechnet sei Biogemüse im Laden 32 Prozent teurer, hat das Marktforschungsinstitut IHA ermittelt. Zwiebeln und Kartoffeln aber kosten zurzeit bei den Grossverteilern bis zu 200 Prozent mehr.

Dazu Coop-Sprecher Karl Weisskopf: «Wir hatten bei den Zwiebeln viel Ausschuss und damit höhere Verluste.» Im Ankauf seien die Biozwiebeln im Vergleich zum konventionellen Produkt sogar mehr als 200 Prozent teurer. Generell spiele halt wie überall der Markt. Das ist auch das einzige Argument der Migros. «Sobald ein Produkt knapp wird, steigen die Preise sehr schnell an», meint Migros-Sprecher Urs-Peter Naef.

Karl Weisskopf argumentiert zusätzlich mit höheren Verpackungskosten. «Die Bioabpackbetriebe sind zum Teil kleiner, fertigen kleinere Mengen ab und sind weniger durchrationalisiert.» Biobauer Mark Willimann muss seine Ware nicht verpacken, er bietet sie frisch am Luzerner Wochenmarkt an. Trotzdem wundert er sich über die Preise der Grossverteiler Migros und Coop. Das Kilo Biozwiebeln kostet bei ihm am Stichtag Fr. 4.80.

Das sind lediglich 50 Rappen beziehungsweise 12 Prozent mehr als beim konventionell produzierenden Bauern am Stand nebenan.

«Meine Zwiebeln sind heuer gut gewachsen», sagt Willimann. «Es gab viele und relativ grosse Knollen.» Sein Preis ist aber kein Zufallstreffer. Auch die Biobäuerin Anna Moos hatte eine gute Ernte und bietet ihre Zwiebeln zum gleichen Preis an.

Der Rundgang am Luzerner Wochenmarkt zeigt: Biowaren sind im Schnitt nur 27 Prozent teurer. Fenchel ist sogar billiger. Lediglich der Bioblumenkohl ist am Markt um 88 Prozent teurer. Er gilt als problematisches Gemüse.

Mark Willimann hat es deshalb dieses Jahr bleiben lassen, während Anna Moos für ihre Blumenkohlkultur viel Zeit aufgewendet hat. «Um ein Kilo zu erzielen, ziehen wir drei Köpfe - das braucht sehr viel Handarbeit.» So müssen Kulturnetze gespannt werden, um Schädlinge wie Raupen in Grenzen zu halten. «In der konventionellen Landwirtschaft hingegen kann man einfach ein Schädlingsbekämpfungsmittel spritzen», erklärt die Biobäuerin.

Auch im Direktvergleich mit den Bioprodukten der zwei Grossverteiler schliesst der Wochenmarkt in der K-Tipp-Stichprobe gut ab. Bei fünf von zehn Biogemüsen ist die Ware auf dem Markt preislich top: Auberginen, Fenchel, Tomaten und Zwiebeln sind günstiger als bei Coop und Migros und Kartoffeln sind gleich teuer wie bei der Migros.



Bioprodukte aus Übersee belasten die Umwelt: Achten Sie auf die Herkunft

Bioäpfel aus Neuseeland belasten die Umwelt doppelt so stark wie Schweizer Äpfel. Die Migros jedoch will das Bioangebot aus Übersee weiter ausbauen.

Die Migros verkauft Avocados aus Südafrika, Birnen aus Argentinien, Kiwi und Äpfel aus Neuseeland - und das alles aus biologischem Anbau. Auch in Bioläden und an Wochenmärkten findet man zunehmend Bioprodukte aus Übersee. Die Globalisierung hat den Biobereich erfasst.

Für ETH-Umweltingenieur Niels Jungbluth eine unheilvolle Entwicklung: «Es macht keinen Sinn, Gemüse zwar möglichst umweltschonend aufzuziehen, die Bioprodukte dann aber über tausende von Kilometern zu transportieren. Das Plus in der Ökobilanz wird so gleich wieder zunichte gemacht.»

Coop verzichtet denn auch weitgehend auf Bioprodukte aus Übersee - im Gegensatz zur Migros, die das Angebot weiter ausbauen will. Allerdings setze man «ausschliesslich» auf den Transport per Schiff.

Doch auch so belastet ein Bioapfel aus Neuseeland die Umwelt immer noch doppelt so stark wie ein erntefrischer Bioapfel aus der Schweiz, rechnet Jungbluth vor. Er rät deshalb, auf die Herkunft zu achten und im Zweifelsfall das konventionelle Produkt mit dem kleineren Transportweg zu wählen. Zurzeit ist das einfach: Statt aus Übersee gibt es Avocados aus Spanien und Kiwis aus Italien - und die Regale sind zum Bersten voll mit erntefrischen Äpfeln aus der Schweiz.

04. September 2002


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