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Arthrose im Schultergelenk verursacht grosse Schmerzen. Ein neues Schultergelenk verleiht den Schmerzgeplagten wieder eine bessere Lebensqualität.
Guido Eugster ist bester Laune. Der Musiker hat auch allen Grund dazu: Seine operierte linke Schulter bewährt sich: «Mir geht es super. Ich kann alles machen, und Schmerzen habe ich keine mehr.» Einzig die Hosenträger könne er hinten nicht mehr ganz so gut befestigen.
Auftritte nur noch mit permanenten Schmerzen
Das war vor vier Jahren ganz anders. Bei den Auftritten des Trio Eugster verbreitete Guido zwar zusammen mit seinen Brüdern Alex und Vic gute Laune. Doch er hatte permanent Schmerzen in der linken Schulter. «Man vergisst das zwar auf der Bühne. Ich hielt das Mikrophon mit der rechten Hand, und den linken Arm liess ich einfach baumeln.»
Doch der Alltag wurde immer mühsamer. Haare kämmen, sich anziehen, die Sicherheitsgurte im Auto anlegen - alles war eine Qual. Selbst im Schlaf erwachte er bei jeder Bewegung. Schmerzfrei war der Musiker nur noch, wenn er den Arm ganz ruhig am Körper hielt. Christian Gerber, Professor an der Universitätsklinik Balgrist Zürich, diagnostizierte eine schwere Arthrose und riet zur Operation. Denn die Knorpelschicht war zerstört, das Gelenk deformiert.
Für Guido Eugster gab es nur eine Möglichkeit: ein neues Schultergelenk. Das Prinzip der Gelenkersatz-Operation ist einfach. Der Gelenkkopf mit dem kaputten Knorpel wird mit einer Knochensäge entfernt und der Knochen für den Prothesenschaft ausgehöhlt. Der Chirurg giesst flüssiges Knochen-Zement ein und passt den Prothesentyp mit dem Hammer exakt ein. Das Zement wird nach kurzer Zeit steinhart. Eine neue Gelenkpfanne aus Kunststoff ersetzt die alte. Noch während der Patient in der Narkose ist, führt Christian Gerber einen Bewegungstest durch.
Training mit Gummiband fördert Beweglichkeit
Bereits einen Tag nach der Operation begann für Guido Eugster das Reha-Programm mit Bewegung im Wasser (ohne Belastung) und Trockenübungen bis zur Schmerzgrenze. Ein leichtes Training mit dem Gummiband förderte Kraft und Beweglichkeit. Die Schmerzen verschwanden schnell. Nach sechs Monaten konnte Guido Eugster seine operierte Schulter praktisch wieder normal bewegen.
Bei der Kontrolle letzte Woche - vier Jahre nach dem Eingriff - waren Patient und Arzt sehr zufrieden. Guido Eugster kann die linke Schulter problemlos bewegen und bleibt auch bei Belastungen schmerzfrei. Das Röntgenbild bestätigt das Resultat: Das künstliche Schultergelenk ist perfekt eingepasst, hat sich nicht abgenützt und ist stabil. Christian Gerber hat nichts anderes erwartet. «Einzig bei einer Prothese nach Brüchen sind die Resultate insgesamt etwas weniger gut.» Nur etwas bereut Guido Eugster: «Die lange Leidenszeit wäre nicht nötig gewesen.»
Das neue Schultergelenk hält 10 bis 15 Jahre
Die Operation hat sich für ihn gelohnt, und er darf auf Jahre ohne Beschwerden hoffen. Langzeitresultate sind bei diesem Gelenk etwas weniger gut dokumentiert als bei anderen künstlichen Gelenken. Aber Christian Gerber geht davon aus, «dass ein neues Schultergelenk 10 bis 15 Jahre hält, genau wie ein künstliches Knie- oder Hüftgelenk».
Susy Schär
Wiederholt sich die Verletzung mehrmals, hilft nur eine Operation
Eine ausgerenkte Schulter ist eine typische Sportverletzung. Springt der Gelenkkopf immer wieder aus der Pfanne, hilft eine Operation.
Viele junge, Sport treibende Leute kennen das Problem: Sie spielen Handball, Tennis oder Squash, und plötzlich kugelt nach einem Unfall die Schulter aus. Oft kann der Patient das Gelenk selbst wieder einrenken. Aber was hilft, wenn das immer wieder passiert?
So geschehen bei Karin Schmid: Im letzten Jahr kugelte ihre Schulter beim Squash sechsmal aus. Christian Gerber rät in solchen Fällen zur Operation. Meist ist mindestens ein Schulterband teilweise oder ganz gerissen. Die Schulter wird instabil. Betroffene können die Schulter nicht mehr in Wurfposition bringen, und der Arm spreizt zu stark ab. Eine erfolgreiche konservative Behandlung gibt es nicht. «Man kann zwar diese Wurfposition vermeiden, aber bei einer rein zufälligen Bewegung kann die Schulter eben auch rausspringen», meint der Spezialist.
Die Operation kann arthroskopisch (Schlüsselloch-Methode) durchgeführt werden. Das bringt zwei grosse Vorteile: Der Spitalaufenthalt ist kurz und dadurch günstig. Die Patientin kann das Spital meist noch am Tag der Operation wieder verlassen. Eine Vollnarkose ist nicht nötig.
Beim Eingriff befestigt der Chirurg das Band mit mehreren Fäden und Ankern in der richtigen Position am Knochen. Bereits nach der Operation sind Bewegungen über Kopf wieder erlaubt.
Verboten sind Belastungen mit Gewicht, und die Wurfposition soll vermieden werden. Vier Monate musste die Squashbegeisterte Karin Schmid auf ihren Lieblingssport verzichten. Danach konnte sie sich allmählich wieder in der Halle austoben.
25. September 2002
