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Artikel | Gesundheits-Tipp 10/2002

Ein Stubentiger gegen Allergien

Katzenhaar-Allergiker bekommen von den Ärzten oft den Rat, das Tier wegzugeben. Doch das bringen viele Betroffene nicht übers Herz. Jetzt belegen Studien: Katzen können vor Allergien schützen.

Regula Schneider rschneider@pulstipp.ch

Der kleine Kater Bingo liegt zusammengerollt auf dem Schoss von Hilde Messerli und schnurrt, was das Zeug hält. Als im Nebenzimmer ein «Miau» ertönt, hebt er den Kopf und spitzt die Ohren. Bingo ist nicht die einzige Katze in der Wohnung des Ehepaars Messerli aus Biberist. «Wir beherbergen heimatlose Katzen und suchen für sie ein neues Zuhause.» Erstaunlich dabei: Beide Eheleute sind allergisch gegen Katzenhaare. Ausweichen können Sie nicht. Die feinen und leichten Haare verbreiten sich überall in der Wohnung.

Hautschuppen oder der Speichel der Tiere haften an den Haaren und lösen die Allergien aus. Hilde Messerli kriegt davon Husten und eine verstopfte Nase. Ihr Mann bekommt obendrein noch entzündete Augen und Juckreiz. Wäre es nicht besser, die Katzen wegzugeben? Wer mehrere Katzen hält, ist auch einer höheren Konzentration von Allergenen ausgesetzt. «Im Gegenteil», sagt Hilde Messerli. «Die Beschwerden sind schwächer geworden, seit wir mehr Katzen im Haus haben.»

Wissenschaftler können dieses Phänomen erklären. «Bei sehr grossen Allergen-Mengen hört der Körper auf, Antikörper zu entwickeln», sagt Beda Stadler, Immunologe und Grundlagenforscher am Inselspital in Bern. «Die allergische Reaktion bleibt aus.»

Stadler stützt sich auf Studien, die der führende amerikanische Allergologe Thomas Platts-Mills von der Universität Charlottesville an 226 Schulkindern durchgeführt hat.


Resultat:

- Jene Kinder, die den Katzen-Allergenen am stärksten ausgesetzt waren, wiesen tiefere Antikörperwerte auf als Kinder, die nur selten Kontakt zu den haarigen Hausgenossen hatten.

- Ausgiebiger Katzenkontakt half sogar mit, eine Allergie-Toleranz aufzubauen. Die Untersuchung zeigt, dass Kinder, die mit Katzen aufwachsen, weniger an Tier-Allergien erkranken als Kinder, die in einer katzenfreien Umgebung leben. Weiter weist Platts-Mills nach, dass allergische Studenten, die für die Semesterferien nach Hause kommen, in den ersten Tagen besonders stark auf die Katze im Elternhaus reagieren. Doch nach einiger Zeit verschwindet die Allergie. «Es ist dasselbe Prinzip wie bei Imkern, die gegen Bienengift immun werden», sagt Platts-Mills.

Katzenhaar-Allergiker würden jedoch unterschiedlich reagieren. «Manchmal muss jemand das Anschaffen einer Katze mit heftigsten Symptomen büssen», sagt der Wissenschaftler. «Aber auch hier können die Beschwerden allmählich schwächer werden oder gar völlig ausbleiben.»


Bei starken Symptomen ist die Desensibilisierung besser

Allergologe Beda Stadler findet es dann einen Versuch wert, sich Katzenhaaren auszusetzen, «wenn sich die Symptome auf Triefnase, rote Augen, Juckreiz und Reizhusten beschränken». In solchen Fällen sei die Chance gross, dass die Allergie mit der Zeit verschwindet.

Stadler warnt jedoch davor, ein Risiko einzugehen, wenn jemand schweres Asthma hat.

Für Katzenhalter, die unter starken allergischen Symptomen leiden, ist die Desensibilisierung der bessere Weg. Sie soll dem Körper die Überreaktion auf ein Allergen abgewöhnen. Dazu spritzt der Arzt dem Patienten zwei- bis dreimal wöchentlich das Allergen unter die Haut. Je nach Verträglichkeit steigert er die Dosis von Mal zu Mal. Voraussetzung: Der Arzt hat festgestellt, dass tatsächlich Katzenhaare die Allergie ausgelöst haben.

Eine Desensibilisierung dauert 3 bis 5 Jahre und hat Nebenwirkungen. Um bei schweren Abwehrreaktionen eingreifen zu können, muss der Patient nach jeder Behandlung mindestens eine halbe Stunde in der Praxis bleiben und darf sich nachher mehrere Stunden lang nicht körperlich anstrengen. Doch wer sich erfolgreich desensibilisieren lässt, kann für viele Jahre von seinen Beschwerden verschont bleiben - und den vierbeinigen Gefährten behalten.



So fühlen sich Allergiker besser

Das mildert die Symptome bei leichten und mittleren Allergien:

- Lassen Sie die Katze nicht ins Schlafzimmer

- Ersetzen Sie Spannteppiche durch Laminat oder Parkett

- Saugen Sie die Böden bei offenen Fenstern

- Waschen Sie Ihr Bettzeug regelmässig

- Beim Tierarzt gibt es Sprays und Shampoos, die Allergene im Katzenfell vernichten

- Infos: www.katzeninnot.ch

01. Oktober 2002


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