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Artikel | K-Geld 5/2002

Sauberes Geld finanziert die Welt der Zukunft

Immer mehr Anleger wollen ihre Ersparnisse in umweltfreundliche und soziale Firmen investieren. Die nachhaltig investierten Vermögen nehmen rasant zu.

Im Dezember 1984 entwichen aus einer indischen Fabrik des US-Chemiekonzerns Union Carbide giftige Gase. In der Umgebung erstickten Menschen in ihren Betten, andere stolperten um Atem ringend aus ihren Häusern und verendeten auf der Strasse. Über 7000 Menschen starben. Zehntausende benötigen noch heute ärztliche Hilfe. Was damals in der indischen Stadt Bhopal geschah, erschütterte auch die Menschen in der Schweiz.

Umso grösser war der Schock, als zwei Jahre später die Region Basel knapp an einer Umweltkatastrophe vorbeiging. Nur dank dem Mut der Feuerwehrleute führte der Grossbrand eines Chemikalienlagers der Sandoz AG in Schweizerhalle nicht zu einer grösseren Katastrophe. Das vergiftete Löschwasser jedoch floss in den Rhein.

Kaspar Müller erlebte den Chemie-Unfall hautnah: «Am folgenden Montag drehte sich die Diskussion an meinem Arbeitsplatz bei einer Privatbank nur um die Frage, ob man jetzt Sandoz-Aktien kaufen sollte. Das ärgerte mich.» Müller hat für sich Konsequenzen gezogen. Als Berater von Finanzunternehmen befasst sich Kaspar Müller heute mit nachhaltigen Kapitalanlagen.

Die giftige Wolke, in die Base- nach dem Brand in Schweizerhalle gehüllt war, machte auch den Bankern Eindruck. 1989 begann die Basler Bank Sarasin mit der ökologischen Finanzanalyse. 1991 startete Sarasin die ökologische Vermögensverwaltung und 1995 mit dem OekoSar Sustainable Development Fund den ersten ökologisch ausgerichteten Anlagefonds weltweit.

Heute wird eine grosse Auswahl von Anlagemöglichkeiten als «nachhaltig» oder «sustainable» angeboten.


Ökologisch wirtschaften heisst lernen von der Natur

Der Begriff «Nachhaltigkeit» stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft. Bei nachhaltiger Waldwirtschaft wird immer nur so viel Holz geschlagen, wie nachwachsen kann.

- Eine nachhaltige Wirtschaft befriedigt die Bedürfnisse der Gegenwart, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu beeinträchtigen.

Studien über das Ökosystem Wald liefern faszinierende Ideen dafür, wie nachhaltige Industriesysteme funktionieren könnten. Das Erfolgsgeheimnis der Produktionsfabrik Baum kann auch für Unternehmen wegweisend sein:

- Nutzung erneuerbarer Energien,

- sparsame Nutzung von Ressourcen,

- Vernetzung mit anderen Betrieben beim Recycling von Stoffen,

- höchste Effizienz durch multifunktionelle Produkte,

- optimale Anpassung an den Standort.


Investitionen nach sozialethischen Standards

Investments nach sozialethischen und oft auch religiösen Kriterien sind viel älter als jene mit ökologischen Grundsätzen. Sie haben ihren Ursprung in den USA. Schon die Quäker beteiligten sich nicht am Sklavenhandel und verfolgten stattdessen die Idee ethisch ausgerichteter Investitionen. Der erste sozialethische Fonds kam in den USA schon 1927 auf den Markt.

1968 protestierten Tausende von Aktionären gegen den Chemiekonzern Dow Chemical, weil dieser Napalm-Bomben für den Vietnamkrieg produzierte. Viele verkauften damals ihre Dow-Aktien - der Kurs stürzte ab.

Die soziale Komponente gehört heute untrennbar zum Konzept nachhaltiger Anlagen. Sie umfasst den Umgang der Unternehmen mit Mitarbeitern, Lieferanten, Kunden und der Öffentlichkeit.

Noch fehlen der Branche einheitliche Kriterien und Standards. Ein Unternehmen wird von einer Gesellschaft als nachhaltig und von einer anderen als nicht nachhaltig eingeschätzt. Verschiedene Gesellschaften haben eigene Methoden entwickelt für ihr Nachhaltigkeits-Rating, das sie zur Auswahl und Gewichtung der Unternehmenstitel im Portefeuille heranziehen.

Noch ist der Anteil der nachhaltigen Investitionen bescheiden, doch das Wachstum ist beeindruckend:

- Das Volumen der Vermögen in nachhaltigen Publikumsfonds hat sich nach einer Schätzung der Bank Sarasin in den letzten vier Jahren verfünffacht.

- In den USA werden jährlich 10 bis 13 Prozent des angelegten Geldes nach ethischen Prinzipien investiert. In Europa, wo die Kriterien eher strenger sind, wird der Umfang auf 4 bis 6 Prozent geschätzt.


Auch AHV und Pensionskassen investieren in nachhaltige Werte

Die meisten Anbieter führen inzwischen nachhaltige Finanzprodukte in ihrem Sortiment. Auch die Pensionskassen beginnen umzudenken. Sie haben schon rund 2,5 Milliarden Franken in nachhaltige Produkte investiert. Und 500 Millionen Franken des AHV-Ausgleichsfonds liegen in einem globalen Nachhaltigkeits-Aktienportfolio.

Schweizer Unternehmen spielen bei der Entwicklung von Produkten für nachhaltige Anlagen eine wichtige Rolle. Einer der Pioniere ist die 1995 gegründete Sustainable Asset Management (SAM). In Zusammenarbeit mit Dow Jones berechnet SAM einen Nachhaltigkeits-Index, den Dow Jones Sustainability Index (DJSI).


Pragmatische Nachhaltigkeit: das Konzept der Klassenbesten

SAM wählt aus den 3000 grössten Unternehmen der Welt aller Branchen jene 10 Prozent der Firmen aus, die punkto Nachhaltigkeit am besten abschneiden. Die 300 Nachhaltigkeits-Leader aller Branchen bilden den Dow Jones Sustainability Index. Sofern keine Unternehmung einer Branche gewisse Minimalanforderungen erfüllt, fällt die Branche ganz aus dem Index.

Dieses Konzept führt dazu, dass zum Beispiel auch Autofirmen wie Volvo, Erdölgesellschaften wie Shell oder ein Chemieunternehmen wie die Ciba Spezialitätenchemie im Dow Jones Sustainability Index figurieren.

Verschiedene Anlagefonds und Vermögensverwalter stützen sich bei der Auswahl ihrer Investments auf dieses pragmatische Konzept von Nachhaltigkeit.


Radikale Nachhaltigkeit: der Natur-Aktien-Index

Härtere Auswahlbedingungen verwendet der Natur-Aktien-Index. Neben einer umfangreichen Liste von Ausschlusskriterien gibt es auch Positiv-Kriterien, von denen mehrere erfüllt sein müssen. So sollte ein Unternehmen «einen wesentlichen Beitrag zur ökologisch und sozial nachhaltigen Lösung eines zentralen Menschheitsproblems leisten». Der Natur-Aktien-Index enthält 20 etablierte Unternehmen, die ökologisch vorbildlich wirtschaften und umweltverträgliche Produkte herstellen.

Bei den Unternehmungen, die den Sprung in den Natur-Aktien-Index geschafft haben, handelt es sich vor allem um kleinere oder mittlere Firmen. Im Natur-Aktien-Index figurieren zum Beispiel Firmen wie der Velokomponenten-Hersteller Shimano, der Schuh- und Kleider-Hersteller Timberland oder der Kondom-Produzent Condomi.

Obwohl einige der 20 im Natur-Aktien-Index zusammengefassten Firmen weltbekannt sind, ist ihr Börsenwert im Vergleich zu den 300 Konzernen des Dow Jones Sustainability Index winzig klein.


Nachhaltigkeit senkt das Risiko

Ein Unternehmen, das Umwelt- und Sozialstandards vernachlässigt, geht Risiken ein, die sich künftig in höheren Kosten, Imageschäden, Klagen usw. niederschlagen können. Unternehmen hingegen, die ökoeffizient wirtschaften, senken ihre Kosten.

Unternehmen, die sich überdurchschnittlich sozial engagieren, haben Kostenvorteile. Ihre Mitarbeiter sind motivierter und gesünder und die Fluktuation ist geringer.


Nachhaltige Unternehmen sind rentabler als herkömmliche

Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Bank Sarasin und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung hat zwischen 1996 und 2001 bei mehr als 200 europäischen Unternehmen überprüft, wie deren Sozial- und Umweltperformance die Aktienrendite beeinflusst hat. Die Untersuchung widerlegt das Vorurteil, dass nachhaltige Anlagen schlechter rentieren als traditionelle Investments:

- Mit nachhaltigen Anlagen muss man keine Abstriche bei der Rendite in Kauf nehmen.

- Die Umweltperformance einer Branche hat einen signifikant positiven Einfluss auf die Aktienrendite. Das heisst, Unternehmen aus umweltverträglichen Branchen haben einen Renditevorteil.

- Aktien von umwelt- und sozialverträglichen Unternehmen haben im Vergleich zu anderen Unternehmen derselben Branche ein geringeres Risiko von Kursschwankungen.

- Umwelt- und sozialverträgliche Unternehmen lassen tendenziell eine überdurchschnittliche Rendite erwarten.

- Ein nachhaltiges Portfolio lässt eine mindestens gleichwertige, tendenziell bessere Performance als ein konventionelles Portfolio erwarten.

FIONA BALLMER



Nachhaltige Anlage-Instrumente

Wer bei der Anlage seiner Gelder Wert auf soziale und ökologische Aspekte legt, kann aus einer grossen Zahl von Möglichkeiten auswählen.

Bankkonto: Nachhaltig geführte Bankkonti gibt es bei der Alternativen Bank in Olten, bei der Freien Gemeinschaftsbank BCL in Basel und bei Kantonalbanken (Umweltkonti). Nur bei Förderkonti und Förderobligationen verzichten die Anleger zu Gunsten ökologischsozialer Projekte auf einen Teil der Rendite.

Nachhaltige Fonds: Die meisten Banken bieten nachhaltig ausgerichtete Aktienfonds an. In der Schweiz sind 15 verschiedene zugelassen. Die Beurteilung ist oft schwierig, denn viele Fonds sind sehr jung. Strategiefonds, die sowohl in Aktien wie in Obligationen investieren, gibt es vier. Nachhaltige Obligationenfonds sind ebenfalls vier im Angebot.

Beteiligungsgesellschaften: Acht Beteiligungsgesellschaften formulieren in ihrer Anlagepolitik soziale und ökologische Verträglichkeit als Vorgabe. Beteiligungsgesellschaften unterstehen nicht dem Anlagefondsgesetz und sind freier in ihrer Anlagepolitik, was auch grössere Risiken bergen kann. Die Anlagethemen reichen von erneuerbaren Energien über schweizerische Klein- und Mittelunternehmen bis zu internationalen Grossfirmen.

Berufliche Vorsorge und Säule 3a: Pensionskassen gehören zu den wichtigsten Promotoren nachhaltiger Anlagen. Zehn Anbieter von Sammelstiftungen und Anlagestiftungen fahren eine explizit nachhaltige Anlagepolitik. Unternehmen ohne eigene Pensionskasse können sich einer dieser Sammelstiftungen anschliessen. Für den privaten Anleger ist der Handlungsspielraum beschränkt. Er kann seine Säule 3a nachhaltig ausrichten - bei der Alternativen Bank in Olten oder bei der Freien Gemeinschaftsbank BCL. Weiter bieten die Kantonalbanken und die Bank Sarasin ein ökoethisches Fondssparen innerhalb der Säule 3a an.

Lebensversicherungen: Anders als im Ausland gibt es in der Schweiz noch keine nachhaltig ausgerichteten Lebensversicherungen, welche die gesamte Produktepalette von der Risikopolice bis zur Leibrentenversicherung abdecken. Fünf Versicherungen bieten immerhin fondsgebundene Versicherungspolicen an, deren Sparteil in nachhaltige Anlagefonds investiert werden kann. Das Anlagerisiko hat wie bei jeder Fondsanlage der Anleger, eine garantierte Auszahlungssumme gibt es nicht.

Vermögensverwaltung: Sechs Institute bieten ihren Kunden Verwaltungsmandate an, die sich an ökologischsozialen Kriterien ausrichten. Drei sind Banken, drei unabhängige Vermögensverwalter. Der Ansatz ist pragmatisch. Bei diesen auf persönlicher Vorgabe erstellten Portfolios verfügt der Kunde über aktive Gestaltungsmöglichkeiten. Negativlisten, die Berücksichtigung spezieller Themen oder spezifische Ausschlusskriterien können individuell festgelegt werden.

K-Geld wird in den folgenden Ausgaben je eine der oben genannten Anlagemöglichkeiten detailliert vorstellen.

01. Oktober 2002


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Nur das Herkunftsland reicht nicht. Es sollte noch viel detaillierter deklariert werden.
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