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Naturkunde war immer eines meiner besten Schulfächer. Speziell die Insekten hatten es mir angetan - und ganz besonders die Bienen. Was Wunder, wenn ich kürzlich mit grossem Interesse die Existenz einer mir bis anhin unbekannten Bienenart zur Kenntnis nahm?
Eine Leserin - nennen wir sie Maja - wandte sich mit der schriftlichen Frage an saldo: «Wie kann sich eine Konkubiene wehren?» Mir war natürlich schnell klar, dass die Leserin nicht das Sozialverhalten der Bienen erläutert haben wollte; es ging hier um eine geplagte Konkubinatspartnerin, die es gestrichen satt hatte, sich für ihren arbeitsscheuen Pascha um Gotteslohn abzurackern. Meine anfängliche Irritation war einem fatalen kleinen «e» zuzuschreiben, das sich fälschlicherweise ins Wort Konkubine eingeschlichen hatte.
Fälschlicherweise? Näher betrachtet, war der harmlose Verschreiber gar nicht so falsch - im Gegenteil! Die Leserin traf den Nagel sogar auf den Kopf: Fleissig wie eine Biene arbeitet sie den ganzen Tag in einer Betriebskantine, und wenn sie am Abend müde heimkehrt, muss sie auch noch den Haushalt schmeissen und ihren Liebsten bedienen.
Ganz im Sinn der Bienenkunde lag daher mein Rat an die geplagte Frau auf der Hand: Sie soll ihrem bequemen Freund gehörig die Leviten lesen. Vor allem aber muss sie für ihre Unkosten Entschädigung und für den Haushalt einen gerechten Lohn verlangen. Weigert sich ihr Partner, sein Scherflein beizutragen, soll Maja ihren Stachel zeigen und den Schmarotzer energisch aus dem Nest vertreiben. So jedenfalls machen es die fleissigen Honigbienen mit dem faulen Drohnenpack. Und daran darf sich auch unsere Konkubi(e)ne ein Beispiel nehmen.
23. Oktober 2002
