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Der K-Geld-Test zeigt: Die extreme Börsenbaisse der letzten zwei Jahre hat auch den nachhaltig anlegenden Aktienfonds schwere Verluste zugefügt. Markant besser abgeschnitten als der WeltaktienIndex hat ein Fonds, der vor allem soziale Kriterien berücksichtigt.
Wer auf nachhaltig ausgerichtete Aktienfonds gesetzt hat, musste in den letzten zwei Jahren herbe Verluste einstecken. Die meisten global ausgerichteten Aktienfonds, die nach den Kriterien der Nachhaltigkeit investieren, haben schlechter oder nur geringfügig besser abgeschnitten als der Weltaktien-Index. Acht von neun von K-Geld getesteten Fonds brachten den Anlegern in den letzten zwei Jahren Einbussen zwischen 49 und 70 Prozent.
- Der Testsieger hat den Vergleichsindex deutlich geschlagen: Er verlor nur 39,3 Prozent, während der Weltaktien-Index in derselben Zeit 51,6 Prozent an Wert eingebüsst hat.
K-Geld hat für diese Ausgabe nachhaltige Fonds verglichen, die weltweit in Aktien investieren. Von über 30 in der Schweiz zugelassenen Nachhaltigkeitsfonds gehören neun zur getesteten Gruppe der globalen Aktienfonds. Daneben gibt es Nachhaltigkeitsfonds, die auf spezielle Themen oder Regionen fokussiert sind.
Die meisten Nachhaltigkeitsfonds sind sehr jung. Deshalb konnten wir den K-Geld-Test nicht nach den gleichen Regeln durchführen wie unsere bisherigen Fondstests. Rangiert haben wir die getesteten Fonds nach der Kursentwicklung der letzten 24 Monate.
An erster Stelle rangiert im K-Geld-Test der Fonds Stimulus Accent Social. Im Unterschied zu den meisten Konkurrenzfonds stellt die Fondsgesellschaft Dexia beim Stimulus soziale Kriterien für die Auswahl der Aktien in den Mittelpunkt. Diese Strategie hat sich im Börsencrash als Vorteil gegenüber stärker ökologisch ausgerichteten Aktienfonds erwiesen. Im Vergleich zu den nächsten Konkurrenten konnte der Stimulus deutlich besser abschneiden, so hat er im Börsencrash rund 10 Prozent weniger verloren als der zweitbeste Fonds seiner Kategorie.
Ausgangspunkt bildet für den Fondsmanager beim Stimulus eine von der Rating-Agentur Ethibel getroffene Auswahl von rund 100 Firmen. Das belgische Beratungsunternehmen Ethibel hat sich auf die Selektion sozial verantwortlicher Investitionen spezialisiert. Die von Ethibel ausgewählten Unternehmen müssen sich einer Bewertungsprozedur unterziehen. Ethibel überprüft die Resultate in Gesprächen mit Gewerkschaften, Umweltorganisationen, Kunden und Mitarbeitern der Firmen.
Die Schwankungsbreite der Kurse entspricht beim Stimulus etwa dem Weltaktien-Index. Dies ist ein gutes Resultat, wenn man berücksichtigt, dass der Fonds gegenüber dem Weltaktien-Index etwas weniger in Blue Chips und dagegen stärker in kleine und mittlere Firmen investiert hat.
Tipp: Mit dem Stimulus kann man in Unternehmen mit hohen Ansprüchen an ihre Sozialpolitik investieren, ohne ein erhöhtes Risiko gegenüber dem Weltaktien-Index MSCI World einzugehen.
Die Silbermedaille im K-Geld-Fondstest holte der SAM-Sustainability-Index-Fonds. Er orientiert sich am DJ Sustainability World Index, der von Dow Jones zusammen mit dem Schweizer Nachhaltigkeitsspezialisten SAM Sustainable Asset Management entwickelt wurde. Im Gegensatz zum Testsieger handelt es sich beim Zweitplatzierten also um ein passiv gemanagtes Produkt. Es wird konsequent der «best in class»-Ansatz angewendet, das heisst, aus den 2500 grössten Unternehmen weltweit werden die besten 10 Prozent nach Nachhaltigkeitskriterien ausgewählt.
Tipp: Der Fonds eignet sich für Anleger, die breit gestreut weltweit in jene Firmen aller Branchen investieren wollen, die punkto Nachhaltigkeit am besten abschneiden.
Den dritten Platz im Fondsvergleich holte sich der Activest Lux Ecotech. Das Management unterscheidet zwei Anlagethemen: Ökologie und Nachhaltigkeit. Unter ökologischen Gesichtspunkten investiert der Fonds in Umwelt- und Energietechniken, zum Beispiel Brennstoffzellenfirmen.
Beim Thema Nachhaltigkeit greift der Fonds auf Titel aus dem DJ Sustainability World Index zurück, kann aber auch Titel ausserhalb dieses Indexes wählen.
Die beiden Themen Ökologie und Nachhaltigkeit entsprechen den Anlagestilen Growth und Value. Je nach Marktsituation kann die Gewichtung dieser Themen variieren. Die Strategie des Fonds entspricht im Normalfall einem Verhältnis von 60 (Growth) zu 40 (Value). Der Fonds betont also mit einem entsprechenden Anteil an Technologietiteln das Thema Wachstum, wie auch aus dem Fondsnamen hervorgeht.
Tipp: Der Fonds eignet sich für Anleger, die bereit sind, ein etwas höheres Risiko einzugehen. Die Technologielastigkeit hat den Fonds im kurzfristigen Zwölfmonatsvergleich ins Mittelfeld abrutschen lassen. Dafür ist das aktive Management in der Lage, sich unterschiedlichen Marktgegebenheiten besser anzupassen.
- Der K-Geld-Fondstest zeigt, dass auch die Aktien von Unternehmen, die sich ökologisch und sozial vorbildlich verhalten, vor Börsenverlusten nicht gefeit sind. Nachhaltige Kriterien allein schützen also keineswegs vor Kursverlusten.
Auch Anleger mit ethischen Prinzipien sollten deshalb das Verlustrisiko durch eine Aufteilung ihres Vermögens auf verschiedene Anlagen reduzieren. Je nach Anlagedauer und Risikobereitschaft darf der Aktienanteil dabei grösser oder kleiner sein.
- Für Anleger, die nach ethischen Prinzipien investieren wollen, stehen neben den nachhaltigen Aktienfonds auch nachhaltige Obligationenfonds zur Auswahl. Eine weitere Möglichkeit bieten nachhaltige Strategiefonds, die sowohl in Aktien als auch in Obligationen investieren.
Dirk Schmelzer, Meinrad Ballmer
01. Oktober 2002