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Durchbruch in der Allergie-Behandlung: Bald soll eine Impfung einen lebenslangen Schutz vor allergischen Reaktionen bieten.
Die Zahl der Heuschnupfen-Geplagten hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Nasenspray, Tabletten oder Cortison-Spritze bedeuten jedoch nur Symptombekämpfung. Einzig die Desensibilisierung durch eine Spritzenkur verspricht langfristigen Erfolg.
Das neue Verfahren hat keine Nebenwirkungen
«Bei der Desensibilisierung beginnt das Immunsystem aufgrund der zahlreichen Injektionen Antikörper zu bilden, die gegen das Allergen schützen. Hat der Patient einmal genügend Antikörper gebildet, so bleibt dieser Schutz wie bei einer Impfung gegen Kinderkrankheiten lebenslang bestehen», erklärt Thomas Kündig, Allergologe am Universitätsspital Zürich, die Wirkungsweise.
Aber: Die Behandlung ist extrem zeitintensiv. Insgesamt 30 bis 80 Arztbesuche über drei bis fünf Jahre sind notwendig. Für Berufstätige schwer machbar.
Abhilfe verspricht ein neues Verfahren, das wie eine Desensibilisierung wirkt und wie eine Impfung verabreicht wird: in drei Dosen. «Anstatt eine höhere Dosis unter die Haut zu spritzen, soll eine kleinere Dosis an dem Ort wirken, wo der Schutz gebildet wird: in den Lymphknoten», erklärt Thomas Kündig, Erfinder der Methode.
Die laufenden Studien belegen: Die Injektion direkt in die Lymphknoten ist sehr viel effizienter: Nur noch 1 Prozent der üblichen Allergendosis ist notwendig. Die Zahl der Injektionen kann von 30 bis 80 auf 3 reduziert werden.
Mehr noch: «Bei der herkömmlichen Desensibilisierung unter die Haut ist immer mit den allergischen Nebenwirkungen zu rechnen. Spritzt man das Allergen direkt in die Lymphknoten, hat man die Zellen in der Haut umgangen, die die allergischen Reaktionen auslösen. Nebenwirkungen sollten also keine auftreten.» Die Behandlung ist schmerzfrei. Die Dosis wird unter Ultraschallkontrolle in die Lymphknoten der Leistengegend gespritzt, die nur Millimeter unter der Hautoberfläche liegen.
Im Jahr 2005 soll die neue Impfung eingeführt werden
Zwar laufen die Studien noch. «Aber die Aussichten, dass das Verfahren schon bald auf den Markt kommt, sind gut», erklärt der Erfinder. Eine amerikanische Firma hat sich bereits die Rechte gesichert. «Wenn alles nach Plan verläuft, rechnen wir damit, dass wir das Verfahren 2005 einführen können.»
Allerdings: Die Impfung hilft nicht bei allen Allergien. Thomas Kündig: «Bei den Kontakt-Allergien wie der Modeschmuck-Allergie nützt weder Desensibilisierung noch das neue Verfahren.»
04. Dezember 2002 | Silvia Baumgartner
