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Artikel | Gesundheits-Tipp 12/2002

Jörg Schneider, 67 "Ich wäre fast erstickt"

Jörg Schneider fühlt sich trotz Übergewicht wohl. Er würde nie das Sex-Hormon Testosteron nehmen. Nach 40 Jahren Ehe sind Frauen für ihn noch immer rätselhaft.

Als Kasperli müssen Sie laut, lustig und schlagfertig sein. Pumpt das aus?

Nein, ich habe viel Energie. Aber für meine Stimme war es anstrengend, weil ich sie in hohen Lagen strapazieren musste.


Was tun Sie bei Heiserkeit?

Wenn ich abends Vorstellung habe, kann ich nicht lange mit Hausmittelchen herumdoktern. Dann muss ich zum Hals-Nasen-Ohrenarzt, der mir schlimmstenfalls eine Kortisonspritze verpasst.


Das ist ja eine Rosskur!

Ja klar, aber die nehme ich in Kauf.


Geben Sie auch privat den Kasperli?

Nein, ich schlage nicht jauchzend Purzelbäume. Ich bin aber schon ein eher heiterer Mensch. Trotzdem habe auch ich Tage, an denen ich traurig oder schlecht gelaunt bin. Aber ich kann es mir nicht leisten, das auf die Bühne zu tragen.


Sie stehen seit über 40 Jahren auf der Bühne. Spüren Sie allmählich Ihr Alter?

Ich fühle mich körperlich und geistig fit. Ich brauche allerdings längere Erholungsphasen und bin etwas umständlicher als früher. Manchmal kommen Mütter ins Kasperlitheater, die mir sagen, sie selber hätten als Kind die Kasperlikassetten gehört. Dann wird mir bewusst, dass ich halt doch langsam ein älterer Herr werde.


Würden Sie sich gegen das Altern Testosteron spritzen lassen?

Das ist unvorstellbar für mich! Ich versuche, in Würde zu meinem Alter zu stehen. Natürlich müssen Menschen im Showbusiness eine gewisse Vitalität ausstrahlen. Ein 70-Jähriger im Outfit eines 20-Jährigen ist jedoch lächerlich.


Sind Sie gar nicht eitel?

Was mein Äusseres betrifft: nein. Ich war immer klein und rundlich. Als junger Mann versuchte ich, mit hohen Schuhen und Hüten grösser zu wirken. Die Frauen überragten mich immer um einen Kopf. Doch als ich begriff, welche Rollen ich erfolgreich spielen kann, brauchte ich das auch privat nicht mehr.


Woher kommt Ihr Übergewicht?

Wir sind mütterlicherseits alle klein und rund. Ich habe nur einmal im Leben zehn Kilo abgenommen. Da habe ich mir aber gar nicht gefallen.


Essen Sie falsch?

Vermutlich esse ich einfach zu viel und nasche zu oft Süsses. Ich esse aber auch viel Früchte und Gemüse. Ich rauche nicht und trinke nur ganz selten Alkohol.


Haben Sie keine Angst vor den Folgen des Übergewichts?

Nein. Solange ich eine Treppe hinaufrennen und problemlos bergauf wandern kann, fühle ich mich fit.


Treiben Sie wenigstens Sport?

Nein, nicht im geringsten. Ich bewege mich intensiv auf der Bühne und gehe mit meinem Hund spazieren. Sonst nichts.


Rächt sich Ihr Körper nicht?

Nein, ich war immer sehr gesund. Eine Zeit lang hatte ich zwar Probleme mit dem Ischiasnerv und verspannten Schultern. Das massierte meine Therapeutin aber wunderbar weg. Aber ich habe seit meiner Kindheit Heuschnupfen. Der löste dieses Jahr zum ersten Mal starkes Asthma aus.


Gerieten Sie in Panik?

Ja, es war Nacht, und ich hatte das Gefühl, zu ersticken. Der Notarzt schickte mich sofort ins Spital. Dort bekam ich eine Spritze und wurde an ein Inhalationsgerät angehängt. Am anderen Tag konnte ich wieder nach Hause. Das war meine erste Nacht im Spital.


Wie reagieren Sie auf Stress?

Ich erlebe Stress mehrheitlich positiv. Wenn ich aber unter Druck stehe, versuche ich, mich dafür zu entschädigen. Ich gönne mir ein Stück Schwarzwäldertorte oder sehe mir einen guten Film im Kino an.


Sie sind seit 40 Jahren verheiratet. Hält das gesund?

Mich schon, denn meine Frau schafft mir ein ungeheuer gutes Umfeld. Sie versteht mich und weiss, was ich brauche.


Und umgekehrt ist es auch so?

Sie versteht mich wahrscheinlich besser als ich sie. Frauen bleiben für Männer auch nach langen Jahren rätselhaft (lacht).


Mit welcher Frucht vergleichen Sie sich?

Mit einem Pfirsich. Wir sind beide prall, rundlich und gut im Saft. Nur auf einen harten Kern würde man bei mir wohl nicht stossen.

01. Dezember 2002 | Interview: Regula Schneider


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