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Sauberes Wasser ist weltweit Mangelware, schmutziges Wasser zunehmend ein Problem. Den Firmen des Wassersektors öffnet sich deshalb ein wachsender Markt. Mit Wasser-Fonds können auch Kleinanleger in diese Zukunftsbranche investieren.
Während der trockenen Jahreszeit ist der Sava-Fluss südlich von Zagreb biologisch tot. Schuld daran sind die Abwässer der kroatischen Hauptstadt, die ungeklärt in den Fluss gelangen. Die Abwasser- und Abfallentsorgung Zagrebs gefährdet nicht bloss die Fische in der Sava, sie bedroht auch die Trinkwasserversorgung in einer Region, in der über zwei Millionen Menschen leben.
Im Sommer dieses Jahres hat der deutsche RWE-Konzern mit dem Bau einer Grosskläranlage in Zagreb begonnen. Die Anlage kostet fast 300 Millionen Euro und ist das grösste Abwasserprojekt in Osteuropa. Gebaut wird sie, weil sie privatwirtschaftlich finanziert werden konnte.
Der Bedarf an Kläranlagen ist weltweit riesig, meist fehlt es an der Finanzierung. Zurzeit werden global erst rund 5 Prozent aller Abwässer gereinigt: eine tickende Zeitbombe, welche die Grundwasservorkommen weltweit bedroht.
Die Wasserbranche bietet Chancen rund um den Globus
Der deutsche RWE-Konzern beweist, dass das Potenzial der Wasserbranche riesig ist. RWE ist der weltweit drittgrösste Anbieter für Wasser- und Abwasserdienstleistungen und arbeitet in 44 Ländern - vor allem in Grossbritannien, Deutschland und den USA, aber auch in Schwellenländern auf fünf Kontinenten.
RWE versorgt 43 Millionen Menschen weltweit mit Trinkwasser - zum Beispiel in London, Berlin, Adelaide, Shanghai, Bangkok und Djakarta. Das Unternehmen figuriert unter den zehn grössten Aktienpositionen im Pictet Water Fund. Diesen weltweit ersten Anlagefonds des Wassersektors lancierte die Genfer Privatbank Pictet im Januar 2000. Seit September 2001 gibt es einen zweiten Schweizer Fonds in diesem Bereich, den SAM Sustainable Water Fund, den die auf nachhaltige Anlagen spezialisierte Zürcher Vermögensverwaltungsgesellschaft SAM gemeinsam mit der Bank Julius Bär lanciert hat.
Mehr als tausend Firmen bieten Produkte oder Dienstleistungen im Zusammenhang mit Wasser an, hält eine Studie von SAM zu den Investitions-Chancen im Wassersektor fest. Die Unternehmen, die in den Portefeuilles der beiden Wasser-Fonds vertreten sind, zeigen, wie vielfältig die Branche ist.
Von der Wasserversorgung bis zur Mineralwasserflasche
Der Pictet-Wasser-Fonds investiert rund die Hälfte der Gelder in Versorger und Entsorger von Wasser und Abwasser, Firmen wie zum Beispiel die französische Vivendi, die britische United Utilities oder die deutsche RWE.
Rund ein Viertel der Mittel legt der Pictet-Wasser-Fonds in Firmen an, die Ausrüstungen und Anlagen für die Wasserversorgung sowie für die Reinigung, Filterung, Desinfektion oder Entsalzung von Wasser herstellen. Mit knapp 5 Prozent seiner Gelder hat der Pictet-Wasser-Fonds Aktien von Danone gekauft, einem der international führenden Anbieter von Mineralwasser.
Der SAM-Wasser-Fonds nennt als Anlagebereiche die Wasserverteilung, Wasserreinigung, Wassereffizienz sowie Wasser und Ernährung. Im Portefeuille sind viele Ausrüstungs-Firmen vertreten, die Wasserleitungen, Wasserfilter, Messsysteme oder sanitäre Hausinstallationen herstellen.
Stark ist im SAM-Wasser-Fonds auch der Anteil der Nahrungsmittel-Branche. Die grösste Aktienposition und der bekannteste Name im Portefeuille ist Unilever. Den Grossteil der Gelder investiert der SAM-Wasser-Fonds in kleine und mittlere Firmen.
Wasser ist bald so wichtig wie Öl
«Für die Grundbedürfnisse wie Trinken und Essen, die tägliche Hygiene und die Herstellung industrieller Güter verbraucht ein Mensch im Durchschnitt eine Million Liter Wasser pro Jahr», erklärt Donald Tillman, Wasseranalyst bei SAM.
Weltweit wird der grösste Teil des Wassers für die Landwirtschaft verwendet. Einzelne Länder müssen bis zu einem Drittel ihrer Importausgaben für Nahrungsmittel aufwenden, weil ihnen das Wasser für die eigene Produktion fehlt.
Und das Trinkwasser wird global immer knapper: Der Wasserverbrauch steigt schon seit langer Zeit doppelt so schnell wie die Weltbevölkerung. Die Übernutzung und die Verschmutzung des Oberflächen- und Grundwassers mit Düngemitteln und Pestiziden, ungeklärten
Abwässern, Salzen oder Giftmüll verschärfen den Mangel zunehmend.
Sauberes Wasser wird immer mehr zu einem Schlüsselfaktor, der über Gesundheit und Wohlstand von Menschen entscheidet. Die Fakten sind heute schon alarmierend:
- Rund drei Milliarden Menschen leben ohne hygienische sanitäre Einrichtungen.
- Weit über eine Milliarde Menschen haben keinen ausreichenden Zugang zu sauberem Wasser. Sie müssen mit zu wenig oder verunreinigtem Wasser auskommen.
- Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass rund 70 Prozent aller Krankheiten ihre Ursache in verschmutztem Wasser haben. Das kostet weltweit jeden Tag rund 30 000 Menschen das Leben.
Auch in Europa und Nordamerika ist der Investitionsbedarf gross
Für den Aufbau der Wasser- und Abwasser-Infrastruktur der Entwicklungs- und Schwellenländer sind gewaltige Anstrengungen nötig. «Leider fehlt in diesen Ländern meist das Geld», hält Andrea Dinevski, Finanzanalystin beim VZ Vermögenszentrum, fest.
«Der private Sektor wird nur in Länder investieren, die genügend politische Stabilität bieten. Zudem können sich verarmte Staaten private Dienstleistungen im Wassersektor schlicht nicht leisten», sagt auch Pictet-Fondsmanager Hans Peter Portner. «Am ehesten kann in China und in Osteuropa mit einer markanten Zunahme der Investitionen gerechnet werden. In China leben 25 Prozent der Weltbevölkerung von lediglich 6 Prozent des verwendbaren, und mittlerweile stark verschmutzten Wassers. Die Länder Osteuropas müssen künftig EU-Abwasserrichtlinien erfüllen. Sie haben deshalb in Bezug auf die Wasserinfrastruktur einiges nachzuholen.»
Doch der Investitionsbedarf ist auch in den Industriestaaten gross, wo die Sorgen über die künftig verfügbare Menge und Qualität des Wassers ebenfalls wachsen. Alexander Zehnder, Professor für Umweltbiologie, schätzt: «Allein für die Erneuerung der Infrastruktur kommen in den nächsten 20 bis 30 Jahren Kosten in der Höhe von 20 000 Franken pro Kopf auf uns zu. Das ergibt allein für die Schweiz einen Investitionsbedarf von 150 Milliarden Franken, für Deutschland 1600 Milliarden und für Westeuropa 5000 Milliarden Franken.»
«Wasser sparende Technologien weisen ein riesiges Potenzial auf und Wassereffizienz wird in allen Bereichen des Wassersektors an Bedeutung zunehmen», sagt SAM-Wasseranalyst Donald Tillman.
Private Investitionen werden zunehmen
Die Experten sind überzeugt, dass die privaten Investitionen in die Wasser-Branche weiter zunehmen werden. «Heute werden 7 Prozent der Bevölkerung weltweit von Wassersystemen bedient, bei denen der private Sektor beteiligt ist. Wir rechnen damit, dass sich dieser Anteil bis im Jahr 2015 auf 17 Prozent erhöhen wird», sagt Pictet-Fondsmanager Portner. «In Nordamerika gibt es zurzeit über 50 000 Wasserwerke der öffentlichen Hand, deren Infrastruktur durchschnittlich bereits 80 Jahre alt ist und dringend erneuert werden muss. In manchen Städten gehen mehr als 50 Prozent des Wassers durch Lecks in den Leitungen verloren. Es stehen also bedeutende Investitionen an.»
«Wasser-Fonds sind defensiv ausgerichtet und bilden ein gutes Gegengewicht zu Branchen wie Telekom oder Technologie. Sie dürfen 5 bis maximal 20 Prozent eines Aktien-Portefeuilles ausmachen», erklärt Andrea Dinevski.
Zwei Fonds legen in Wasser an
In der Schweiz sind zurzeit zwei Wasser-Fonds zugelassen: der Pictet Water Fund und der SAM Sustainable Water Fund.
Der Pictet Water Fund hat seit der Gründung am 21. Januar 2000 ein Fonds-Volumen von über 270 Millionen Euro erreicht und damit seine Überlebensfähigkeit bewiesen. Der SAM Sustainable Water Fund, der mitten in der Börsenkrise startete, konnte erst 9 Millionen Euro an Anlagegeldern gewinnen.
Der Pictet Water Fund hat seit der Gründung gegenüber dem Weltaktienindex MSCI World gut abgeschnitten. Der SAM-Wasser-Fonds erreichte in der kurzen Zeit seines Bestehens eine etwas bessere Performance als sein Konkurrent.
Beim SAM-Wasser-Fonds werden zusätzlich ökonomische, ökologische und soziale Nachhaltigkeitsziele berücksichtigt.
Beim Pictet-Fonds ist Nachhaltigkeit kein Kriterium. Trotzdem enthält der Fonds eine ganze Reihe von Firmen, die als nachhaltig gelten, so beispielsweise der im Natur-Aktien-Index enthaltene Wasserversorger Severn Trent oder der deutsche Konzern RWE, der von SAM selbst als nachhaltig eingestuft wird.
01. Dezember 2002 | FIONA BALLMER
