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Artikel | Haus & Garten 1/2003

Die schmucke Gefahr

Gesundheitliche Risiken gibt es viele beim Piercing. Besonders gefährdet sind Körperpartien wie Lippen und Zunge.

Simone Murbach aus Wiesendangen ZH liebt Schmuckringe aus Silber - sie zieren bei ihr Bauchnabel, Ohr, Nase und neuerdings auch die Unterlippe.

An die jüngste Piercing-behandlung hat Murbach jedoch schlechte Erinnerungen. «Am nächsten Tag schwoll meine Lippe stark an und spaltete sich, weil der Stecker zu klein war», sagt sie. Es dauerte fast drei Wochen, bis die Wunde abgeheilt war.

«Auch warnte mich der Piercer nicht vor möglichen Komplikationen», ärgert sich Simone Murbach. «Deshalb war ich total überrascht, als ich später erfuhr, dass sich bei einer Freundin das Zahnfleisch zurückbildete und die Zähne zu wackeln begannen.» Mike Kiser aus Hägenbach SO, Gründungsmitglied des neu ins Leben gerufenen Piercing-Verbands, bestätigt: «Vielfach werden Risiken einfach totgeschwiegen.»

Gerade Piercings im Mundbereich bergen aber laut der Schweizerischen Zahnärztegesellschaft viele gesundheitliche Risiken. Infektionen und Entzündungen sind nicht selten.
Den Piercingladen hatte Simone Murbach gewählt, weil er auf sie einen sauberen Eindruck gemacht hatte. Raum und Behandlungsstuhl waren blitzblank. Der Piercer wusch und desinfizierte sich vor Beginn der Sitzung die Hände und zog sich danach sterile Einmalhandschuhe an.

«Auch die Instrumente sterilisierte er vor der Behandlung. Zudem benutzte er Einmalnadeln», sagt die 16-jährige Kinderbetreuerin. «Ich weiss, dass bei unsteriler Arbeitsweise Hepatitis und HIV-Erreger übertragen werden können.»
Für die Nachbehandlung empfahl der Piercer seiner Kundin Desinfektionsmittel. Einen Arzt suchte Simone Murbach später trotz der starken Schwellung nicht auf. Ein Infekt entstand glücklicherweise nicht.


Sorgfältige Pflege verhindert Infektion

Roland Böni, Leiter der Poliklinik am Zürcher Unispital: «Einen Arzt muss man spätestens dann konsultieren, wenn eine gepiercte Stelle eitert.» So weit muss es aber laut Böni nicht kommen, wenn man die Wunde sorgfältig pflegt, steril abdeckt und täglich desinfiziert.

Wie ein Lippen- braucht auch ein Zungenpiercing besonders viel Pflege. In den ersten Tagen verursacht es eine starke Schwellung und Schmerzen. Denn kein anderes Piercing durchsticht einen ganzen Muskel und wird so oft bewegt. Weil das Zungenpiercing ständig mit Speichel und Nahrung in Kontakt kommt, ist die Infektionsgefahr grösser als an andern Stellen. Die Wunde braucht rund einen Monat, bis sie ausheilt.


Zungenpiercing kann Zähne schädigen

Neben einer Sofortinfektion kann es auch zu einer Spätinfektion kommen, die erst nach drei bis zwölf Monaten auftritt. Böni: «Es kann sich ein Abszess bilden, den man unter Umständen operativ entfernen muss.»

Zungenpiercings sind aus weiteren Gründen heikel. Der Schmuck kann das Sprechen, Kauen oder Schlucken behindern. Zahnärzte warnen - wie beim Lippenpiercing auch - vor Zahnfleischschädigungen. Und weil der Stecker immer wieder an die Zähne und das Zahnfleisch schlägt, kann es zu Absprengungen und zum Abrieb des Zahnschmelzes kommen.

Dieser Gefahr setzen sich besonders Wintersportler verstärkt aus. Tipp: Verwenden Sie Schmuck aus PTFE-Kunststoff, einem biegsamen Material aus der Medizintechnik. Im Notfall kann man solchen Schmuck mit den Zähnen durchbeissen.

01. Januar 2003 | Stephan Pfäffli


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