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Das Bundesamt für Gesundheit will Brot mit Folsäure anreichern. Aber damit nicht genug: Jetzt soll auch noch Vitamin B12 ins Mehl.
Seit Jahren plant das Bundesamt für Gesundheit (BAG), der Bevölkerung via Brot künstliche Folsäure zu verabreichen. Das soll die Anzahl von Ungeborenen mit offenem Rücken (Spina bifida) und das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten senken. Die Massnahme ist höchst umstritten (siehe Puls-Tipp 8/02).
Ein Expertenbericht der eidgenössischen Ernährungskommission geht jetzt aber noch weiter. Er empfiehlt: Das Mehl soll künftig nicht nur mit künstlicher Folsäure, sondern auch noch mit Vitamin B12 versetzt werden. Das tägliche Brot würde damit zum amtlich verordneten Vitamincocktail.
Die von Kommissionsmitglied Otmar Tönz einst als «Wundermittel» bezeichnete Folsäure reicht jetzt offensichtlich nicht mehr. Um das Risiko für Herzkrankheiten zu senken, brauche es auch Vitamin B12. Allerdings ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen, dass Zusätze von Folsäure und Vitamin B12 gesunde Menschen vor Herzinfarkt schützen. Das bestätigt Thomas Lüscher, Herzspezialist am Universitätsspital Zürich: «Ich halte es für verfrüht, das Mehl deswegen generell mit Folsäure und Vitamin B12 anzureichern.» Das BAG will den Expertenbericht nicht kommentieren.
Einen Vitamin-Mix mit Folsäure und den Vitaminen B6 und B12 im Brot hat bisher erst Ungarn durchgesetzt. Allerdings: Die Ungarn dürfen wählen, ob sie vitaminisiertes Brot oder natürliches essen wollen. In der Schweiz soll es diese Möglichkeit nicht geben.
(sm)
19. Februar 2003
