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Artikel | Gesundheits-Tipp 3/2003

"Hart arbeiten hält mich gesund"

Werner H. Spross arbeitet 12 Stunden am Tag. Jeden Sonntag trainiert der Gartenbauunternehmer im Fitnessraum. Sein Ziel: 100 Jahre alt werden.

"Hart arbeiten hält mich gesund"

Herr Spross, haben Sie Frühlingsgefühle?
Natürlich, der Frühling weckt meine Lebensgeister. Als Gärtner der Nation sehe ich mit grosser Freude die ersten Blumen spriessen.

Haben Sie denn überhaupt Zeit für solche Beobachtungen?
Viel Zeit habe ich nie. Aber ich kann mich im Alltag an kleinen Dingen freuen - an den ersten Maiglöckchen oder an Müllerblümchen, die ich im Vorbeigehen sehe.

Wie sieht ein typischer Tag aus?
Ich schwimme jeden Morgen um halb fünf in meinem Pool. Das lockert meine Muskeln nach dem Liegen. Dann gehe ich ins Büro und arbeite 12 Stunden. Ich verlasse es nie vor 19 Uhr. Es ist mir wichtig, meinen Angestellten ein Vorbild zu sein. Das bedeutet für mich, morgens der Erste und abends der Letzte zu sein.

Kostet Sie das Überwindung?
Ich habe mich daran gewöhnt, den inneren Schweinehund zu überwinden. Selbstdisziplin ist der wichtigste Wert in meinem Leben. In meinem Arbeitsleben habe ich noch keinen halben Tag gefehlt.

Waren Sie nie krank?
Nein. Wenn ich einmal eine Erkältung habe, überwinde ich sie mit viel Orangensaft und Tee. Ich bin noch nie wegen so etwas zu Hause geblieben.

Sind Sie ein Workaholic?
Manche Leute behaupten das, ich akzeptiere es. Tatsache ist aber, dass es mich gesund hält, immer aktiv zu sein. Meine Motto lautet: Intensiv arbeiten und intensiv Freude haben. Ich habe das grosse Glück, dass mein Beruf zugleich auch mein Hobby ist.

Brauchen Sie Stress?
Ich bin unter Stress effizienter. Mir geht seit jeher alles gut von der Hand. Überfordert fühle ich mich nie.

Können Sie sich entspannen?
Ja, beim Schwimmen zum Beispiel. Ich konnte auch immer gut schlafen. Mein ganzes Leben lang bin ich mit fünf Stunden pro Nacht ausgekommen. Heute brauche ich etwas mehr und halte ab und zu einen Mittagsschlaf. Ich bin aber der Meinung, dass das Leben zu kurz ist, um es zu verschlafen.

Wie halten Sie sich fit?
Ich gehe jeden Sonntagmorgen in den Fitnessraum. Zuerst setze ich mich auf den Hometrainer und strample eine Stunde, als würde ich auf den Gotthard radeln. Dann lockere ich die Muskeln auf dem Trampolin. Anschliessend trainiere ich am Rudergerät meine Oberarme, bevor ich aufs Laufband steige. Zuletzt kommt der befreiende Sprung in den Swimmingpool.

Spüren Sie Ihr Alter nicht?
Höchstens durch meinen Altersdiabetes. Er kam vor 15 Jahren zum Vorschein, als die Ärzte bei einer Kontrolle für den Fahrausweis eine massive Sehschwäche feststellten. Die Krankheit macht mir aber keine Probleme mehr. Ich nehme ein Medikament, esse salzarm und verzichte auf Süsses.

Haben Sie keine süssen Gelüste?
Doch, ich mochte das Dessert immer lieber als den Hauptgang.

Waren Sie je übergewichtig?
Ja. Vor 20 Jahren wog ich fast 100 Kilo bei einer Körpergrösse von 1,81 Meter. Über die Jahre konnte ich mein Gewicht auf 78 Kilo reduzieren. Ich habe alles Mögliche ausprobiert. Geholfen hat mir aber nur das berühmte Friss-die-Hälfte!

Achten Sie auf Ihre Ernährung?
Ich esse sehr viel Früchte und Gemüse. Jeden Morgen trinke ich zuerst ein Glas lauwarmes Wasser. War ich an einem Abendanlass, gibts am nächsten Tag nur ein halbes Glas Milch als Znacht.

Sie haben sehr viel erreicht. Haben Sie noch Ziele?
Ich möchte in der heutigen Verfassung 100 Jahre alt werden. Für den Fall, dass ich unheilbar krank werden und nur noch an Schläuchen hängen sollte, habe ich zwei Vertrauensärzte beauftragt, die Situation einzuschätzen und die Apparate gegebenenfalls abzustellen.

Mit welcher Pflanze würden Sie sich vergleichen?
Mit einer Eiche. Wir sind beide kräftig, stark und widerstandsfähig.

19. März 2003 | Interview: Regula Schneider


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