|
(0) |
Die Masern haben in der Schweiz ein Ausmass erreicht, das an eine Epidemie grenzt. Die Kinderkrankheit ist nicht ganz ungefährlich.
Bereits 180 Masern-Fälle wurden dieses Jahr registriert. Im letzten Jahr waren es zu diesem Zeitpunkt nur 15. Urs B. Schaad, Chefarzt Pädiatrie, Universitäts-Kinderspital beider Basel, gibt Auskunft über die Krankheit und den Impfschutz.
Puls: Wie ist es möglich, dass es in der Schweiz zu einem epidemieartigen Auftreten von Masern kommt?
Urs B. Schaad: Es handelt sich noch nicht um eine nationale Epidemie. Man kann höchstens von einer regionalen Epidemie sprechen, weil vor allem einzelne Kantone wie Wallis und Schwyz betroffen sind. Möglich ist dies, weil die notwendige Durchimpfungsrate von 95 Prozent nicht erreicht ist. Sie liegt lediglich bei 70 bis 80 Prozent.
Die Krankheit ist hoch ansteckend und kann sich unter nicht geimpften Kindern leicht ausbreiten. Ähnliches sah man letztes Jahr in Italien und vor drei Jahren in Holland. Dass Masern mit einer entsprechenden Impfdisziplin praktisch ausgerottet werden können, zeigen Länder wie Finnland und die USA. Dort gibt es nur noch importierte Masern-Fälle.
Wie gefährlich sind Masern für Kinder? Wie häufig sind mögliche Komplikationen?
Im Normalverlauf sind Masern harmlos. Die Krankheit macht sich bemerkbar mit Symptomen, die einem grippalen Infekt ähneln: Husten und Fieber. Der typische Ausschlag ist erst am zweiten oder dritten Tag sichtbar.
Bei etwa einem Drittel aller Kinder kommt es zu einer Lungenentzündung. 10 Prozent der Kinder entwickeln eine Mittelohrentzündung.
Viel schwerwiegender ist die Hirnentzündung, die etwa bei einem von 1000 Fällen eintritt. Eine ganz seltene, aber sehr schlimm verlaufende Komplikation ist die chronische Hirnentzündung, die sich erst Jahre später bemerkbar macht und zu schlimmen Schädigungen führen kann.
Wie gefährlich sind Masern für Erwachsene?
Bei Erwachsenen sind Komplikationen viel häufiger und schwerwiegender.
Wer soll sich impfen lassen?
Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt die Impfung für alle mit Jahrgang 63 und jünger. Vor allem aber sollen jetzt Eltern ihre noch ungeimpften Kinder impfen lassen. Ebenso ist die Impfung für Berufsgruppen, die mit Kindern zu tun haben, empfehlenswert.
Ganz wichtig: Hatte ein Kind bereits Kontakt mit einem an Masern Erkrankten, ist eine Impfung innerhalb von drei Tagen noch sinnvoll. Auch wenn die Krankheit nicht sicher abgewehrt werden kann, darf man doch zumindest mit einem milderen Verlauf rechnen.
sb
16. April 2003
