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Mitten in der Rezession boomen die Angebote für angeblich lukrative Nebenjobs - Herbalife und Co. haben Hochkonjunktur.
Mag die Arbeitslosigkeit auch noch weiter steigen, in den Klein-inseraten der Stellenanzeiger, auf Faltprospekten in den Briefkästen oder kleinen Zetteln unter dem Scheibenwischer gibt es keine Rezession: Massenhaft werden «lukrative Nebenjobs» und «dauerhafte Haupterwerbsquellen» angepriesen. Die Anbieter schmücken sich mit verheissungsvollen Namen wie «Heavenly Life» oder «Schlauer Nebenverdienst» und versprechen mehr oder weniger das Gleiche: Mit relativ bescheidenem Einsatz könne man in kurzer Zeit ein dauerhaftes und wachsendes Einkommen erzielen - das alles von zu Hause aus und ohne Chef im Nacken.
Stellensuchende sind stark verunsichert
Fast alle Firmen verstecken sich hinter anonymen Internetadressen oder Telefonnummern - ein erstes Indiz, das Skepsis hervorrufen muss (siehe Kasten). «Die Nachfrage nach Heimarbeit übersteigt in der Schweiz das Angebot um ein Vielfaches, und das ist ein Nährboden für dubiose Anbieter», weiss Roland Ronchi, Leiter der Schweizerischen Zentralstelle für Heimarbeit (SZH).
Bei der SZH melden sich jede Woche zahlreiche verunsicherte Frauen und Männer, die wissen wollen, ob ein Angebot seriös ist oder nicht. «Es gibt Menschen, die sich in einer wirtschaftlichen Notlage an jeden Strohhalm klammern - sogar wenn das verlockende Angebot offensichtlich einen Haken hat», beobachtet Ronchi.
Aggressive Werbung, immer neue Namen
Doch längst nicht alle Interessenten sind einfach gutgläubig, denn immer wieder fallen auch durchaus kritisch eingestellte Leute auf einen Schwindel herein. Grund: Die Hintermänner solcher Angebote ködern die Interessenten dank einer raffinierten Mischung aus psychologischen Tricks und vollmundigen Versprechen.
Hinter der Mehrheit der vermeintlich tollen Angebote steckt Herbalife, ein seit Jahrzehnten umstrittener kalifornischer Konzern, der im Strukturvertrieb Pülverchen und Pillen aus Pflanzenextrakten anbietet. Herbalife agiert derzeit in der Schweiz unter mindestens 18 verschiedenen Namen (Liste auf www.saldo.ch). SZH-Leiter Ronchi: «Die Werbung ist aggressiv, die Firma gibt sich nicht zu erkennen und tritt unter ständig neuen Namen auf.»
Besonders stossend ist für den Heimarbeitexperten, dass das Herbalife-Vermarktungssystem «am Rand der Moral und der Legalität» operiert und die Leute für den Vertrieb von Produkten eingesetzt werden, für die sie fachlich wenig ausgebildet sind.
Dazu kommt: Herbalife-Produkte dürfen in der Schweiz offiziell nicht als Schlankmacher angepriesen werden, sondern dienen bloss als «Nahrungsergänzung zur Gewichtskontrolle». Herbalife-Verkäufer müssen deshalb dauernd einen Spagat zwischen illegalen Heilsanpreisungen und dem Wecken von Kundenwünschen machen - und haben entsprechend Mühe, den versprochenen Umsatz zu erreichen.
Reich werden nur die Leute an der Spitze der Pyramide
Wie bei den meisten anderen Angeboten geht es allerdings ohnehin nur vordergründig um den Verkauf von Produkten. Viel wichtiger ist das Anwerben weiterer Teilnehmer, an deren Umsätzen man dann dank Provisionen ebenfalls verdienen könne - ein klassisches Merkmal von Strukturvertrieben und häufig gefährlich nahe am verbotenen Schneeballprinzip.
Bei Herbalife und Co. wird in der Regel nur eine schmale Führungsclique reich, die es an die Spitze der pyramidenförmig aufgebauten Strukturen schafft. Der grosse Rest, das belegen unzählige Schilderungen von enttäuschten Anhängern in Internet-Foren, wird bloss um eine bittere Erfahrung reicher.
So erkennen Sie unseriöse Anbieter
Vorsicht bei Angeboten für angeblich lukrative Neben- oder Hauptverdienste ist geboten, wenn:
- unklar ist, wer hinter dem Angebot steckt (keine Kontaktadresse);
- Informationen nur über eine (teure) 0900er-Telefonnummer oder an kostenpflichtigen «Info-Seminaren» abgegeben werden;
- so viele Informationen auf Sie hereinprasseln, dass Sie das Wesentliche kaum erkennen und nicht nachvollziehen können, wie damit Geld verdient werden soll;
- Sie zuerst selbst Produkte kaufen sollen, bevor Sie etwas verdienen können;
- die konkrete Tätigkeit nur sehr vage umschrieben wird;
- Sie nur ungenaue Angaben über den Verdienst erhalten;
- Sie für den Verkauf von Produkten eingesetzt werden sollen, von denen Sie wenig verstehen;
- Sie Bekannte und Verwandte zum Mitmachen gewinnen sollen;
- Sie keinen schriftlichen Arbeitsvertrag erhalten;
- Ihnen bei wenig Aufwand viel Geld versprochen wird.
16. April 2003 | Martin Müller
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