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Radeln, was das Zeug hält, oder pedalen mit Kind und Kegel: Vier Velotouren durch spektakuläre Schweizer Landschaften mit Distanzen zwischen 45 und 200 Kilometern pro Tour.
Vom Gletscher an den See
Die Tour beginnt auf dem Grimsel oder auf der Furka. Ganz egal, welchen Pass man wählt, mit dem Postauto gehts zuerst einmal bequem bis auf die Passhöhe. Dann folgen rund 2000 Höhenmeter - bergab.
Beide Strassen führen mit prächtiger Aussicht auf den Rhonegletscher hinunter nach Gletsch. Schon in Oberwald weitet sich das Tal. Vor den Tourenfahrern liegt das Obergoms. Hier heisst es, links auf die nationale Veloroute abzuzweigen. Die Wegweiser mit der weissen 1 auf blauem Grund werden die Gruppe fortan begleiten.
Die Route führt dem Rotten, wie die Rhone im Oberwallis genannt wird, entlang talauswärts. Zwischen Lax und Naters gibt es keine Alternative zur Hauptstrasse. Wer mit Kindern unterwegs ist, nimmt für diese Strecke besser die Bahn.
Die Attraktionen folgen Schlag auf Schlag: der Aletschgletscher mit seinen mächtigen Spalten, eine Führung im Innern der Grande-Dixence-Staumauer oder im Brigerbad eine Fahrt mit der Rutschbahn, die an die Bergwand gebaut ist.
Ohne grosse Anstrengung geht es weiter talwärts. Durch den Pfynwald führt leider nur die Hauptstrasse. Alternativen sind die Bahn oder der Umweg über Leuk und durch die Rebberge von Salgesch.
In Siders gehts über die Sprachgrenze. Danach durch die Obst- und Gemüsekulturen des Unterwallis. Im Hochsommer lohnt sich ein Halt an einem Obststand. Nie schmecken die Aprikosen besser, als wenn sie frisch geerntet sind.
In Martigny drängt sich ein Abstecher mit der Bahn hinauf nach Les Marécottes auf (Velomitnahme möglich). An idyllischer Lage ist dort ein Bad in den Fels gehauen. Die einheimischen Jugendlichen beeindrucken als wagemutige Klippenspringer.
Endpunkt der Tour ist der Genfersee. Einladend der Strand von Le Bouveret. Abenteuerlicher der Aquaparc mit seinen spektakulären Rutschbahnen.
Anreise: Mit dem Postauto auf den Grimsel (Fahrplanfeld 470. 75) oder auf die Furka (610.20).
Route: Grimsel oder Furka - Gletsch - Brig - Sitten - Martigny - Le Bouveret.
Distanz: 200 km.
Abkürzungen: Umsteigen auf die Bahn jederzeit möglich.
Abstecher: Mit dem Postauto zur Grande Dixence (135.66), Führung in die Grande-Dixence-Staumauer (Tel. 027 328 43 11); mit dem Zug nach Les Marécottes (132), Besuch des Felsenbades (027 761 15 62).
Sehenswert: Aletschgletscher (Bergbahn 027 928 66 11), Brigerbad (027 946 46 88), Badesee Lac de Géronde bei Siders, Lunapark Happyland in Granges (027 458 40 30), unterird. See in St-Léonard (027 203 22 66), Badeseen Les Iles unterhalb Sittens, Wasserfall Pissevache bei Vernayaz, Labyrinth in Evionnaz (027 767 14 14), Tropfsteinhöhle Grotte aux Fées bei St-Maurice (024 485 10 45), Salzbergwerk bei Bex (024 463 03 30), Swiss Vapeur Parc (024 481 44 10) und Aquaparc (024 482 00 00) in Le Bouveret.
Karte: VCS-Velokarte Schweiz (1:301 000).
Rückreise: Mit Schiff (3150, 3151) ab Le Bouveret oder Zug ab Villeneuve (100) via Lausanne.
Von «Sibirien» bis ans «Meer»
Eine kleine Steigung führt hinauf ins Tal von La Brévine, das wegen seiner tiefen Wintertemperaturen auch Sibirien der Schweiz genannt wird. Im Sommer zeigt die Wetterstation auf dem Dorfplatz zum Glück keine spektakulären Temperaturen.
Nach dem Lac de Taillères führen einige happige Steigungen über Juraweiden und durch Wälder über Les Verrières, La Côte-aux-Fées und L'Auberson auf den Col des Etroits. Die Belohnung: eine Schussfahrt die enge Schlucht hinunter nach Fleurier. Wers einfacher mag, nimmt die Abkürzung über Les Bayards und St-Sulpice.
Kurz nach Couvet lohnen sich ein kurzer Halt und eine Besichtigung der Asphaltminen von La Presta. Der Betrieb ist zwar eingestellt, doch im Café des Mines gibts noch heute in Asphalt gekochten Schinken.
Nach Noiraigue erwartet die Gruppe eine letzte Steigung, ehe sie in die eindrückliche Areuse-Schlucht einfährt. Vorsicht ist geboten: Die Strasse ist steil und die Kurven sind eng.
Kurz vor Boudry tauchen die Fahrer aus der kühlen Schlucht auf und erblicken den Neuenburgersee - den grössten See, der vollständig in der Schweiz liegt.
Anreise: Mit dem Zug nach Le Locle (223, 225).
Route: Le Locle - La Chaux-du-Milieu - La Brévine - Les Verrières - La Côte-aux-Fées - L'Auberson - Col des Etroits - Fleurier - Areuse-Schlucht - Boudry - Neuenburg.
Distanz: 120 km.
Abkürzungen: Von Les Verrières oder La Côte-aux-Fées direkt nach Fleurier.
Sehenswert: Unterirdische Mühle auf dem Col des Roches (032 931 89 89), Wetterstation von La Brévine, Moor von La Vraconnaz, Spieldosen- und Musikautomaten-Museum in Ste-Croix (024 454 44 77), Asphaltmine La Presta (032 863 30 10), Felskessel Creux du Van, Areuse-Schlucht.
Karten: Regionale VCS-Velokarte (1:60 000, Nr. 12) oder VCS-Velokarte Schweiz (1:301 000).
Rückreise: Mit dem Zug ab Neuenburg (210, 270).
Mit dem Lift auf den Berg
Man wähnt sich an einem Fjord: In der Mitte ein schmales Wasserband, links und rechts davon steile, bewaldete Bergwände. Aber der Schein trügt: Die Tour führt nicht durch Norwegen, sondern dem Vierwaldstättersee entlang. Von Brunnen Richtung Weggis.
Mit ein bisschen Glück kann man in Vitznau den Rangiermanövern der Bähnler zuschauen. Auf einer Drehscheibe bringen sie die Wagen in Position.
In Weggis ist die Velotour vorerst zu Ende: Mit dem Schiff gehts nach Kehrsiten und von dort mit der Standseilbahn auf den Bürgenstock. Die Velos bleiben im Dorf unten. Nach einem kurzen Fussmarsch durch den Wald steht man vor einem Kuriosum: dem Hametschwand-Lift.
In 50 Sekunden hebt der Lift seine Passagiere 165 Meter in die Höhe. Zuerst im Felsen. Dann im Freien mit Schwindel erregendem Blick auf den See. Über einen kurzen Steg erreicht man wieder festen Boden und geniesst die Aussicht in alle Richtungen.
Zurück in Kehrsiten, führt die Route auf einer praktisch verkehrsfreien Strasse nach Stansstad, und von dort gehts weiter nach Hergiswil. Wer will, kann in der Glasi den Glasbläsern bei der Arbeit zuschauen.
Weiter gehts dem See entlang mit einem Umweg über Kastanienbaum. Die verkehrsreichen Strassen lassen sich so bis ins Zentrum Luzerns meiden.
Anreise: Mit dem Zug nach Brunnen (600).
Route: Brunnen - Vitznau - Weggis - Schiff nach Kehrsiten (3600) - Stansstad - Hergiswil - Kastanienbaum - Luzern.
Distanz: 45 km.
Sehenswert: Lokdepot und Drehscheibe der Rigi-Bahn in Vitznau, Bürgenstock und Hametschwand-Lift (041 367 67 67), Glasi in Hergiswil (041 630 12 23), Verkehrshaus in Luzern (0848 85 20 20).
Karten: Regionale VCS-Velokarten (1:60 000, Nrn. 5 und 8) oder VCS-Velokarte Schweiz.
Rückreise: Mit dem Zug ab Luzern.
Mieten oder mitnehmen?
Die Startorte der Touren sind alle mit Bahn oder Postauto erreichbar. Fürs Velo gibts drei Möglichkeiten:
Selbstverlad: Wer gerne mit dem eigenen Velo fährt, kann es selber verladen. Halbtax- und GA-Besitzer zahlen Fr. 10.- pro Tag. Auf kurzen Strecken ist ein halbes Personenbillett noch günstiger. Velos von Kindern mit Junior-Karte fahren gratis mit.
Versand: Wers bequemer mag, gibt sein Velo am Gepäckschalter auf. Kosten: Fr. 16.- pro Weg.
Miete: Rund 100 Bahnhöfe vermieten Velos. Für Erwachsene mit Halbtax oder GA kostet das Fr. 25.- pro Tag. Für Kinder mit Junior-Karte die Hälfte.
An gezähmten und an wilden Wassern
Der Startort Pfäffikon SZ hält für Kinder bereits den ersten Höhepunkt bereit: das Alpamare mit den wilden Rutschbahnen. Das Wasser ist ein ständiger Begleiter auf dieser Tour.
Auf dem Seedamm zwischen Zürich- und Obersee gehts Richtung Rapperswil, den Wegweisern der nationalen Veloroute Nummer 9 entlang. Erst bei der Burg Grinau zweigt die Gruppe ab und folgt dem Radweg neben dem Linthkanal.
Vor bald 200 Jahren wurde die Linth in den Kanal gezwängt. Seither ist die Hochwassergefahr weitgehend gebannt, das Sumpfgebiet zum fruchtbaren Landwirtschaftsland geworden.
Ab Weesen radelt die Gruppe wieder auf der nationalen Veloroute. Durch autofreie Tunnel führt sie Richtung Mühlehorn. Immer wieder geben Fenster den Blick auf den Walensee frei. Imposant dann auch die Aussicht auf die Churfirsten, die 1500 Meter über den See ragen. Weiter gehts nach Sargans. Eindrücklich ist eine Fahrt mit der Grubenbahn im Gonzenbergwerk.
Wieder im Freien, hoffen die Velofahrer auf den Föhn. Denn dieser trägt sie auf dem Rheindamm «gratis» bis hinunter an den Bodensee. Von da gehts via Rorschach nach Romanshorn.
Anreise: Mit dem Zug nach Pfäffikon SZ (720).
Route: Pfäffikon - Rapperswil - Ziegelbrücke - Walenstadt - Buchs SG - St. Margrethen - Romanshorn.
Distanz: 180 km.
Abkürzungen: Umsteigen auf die Bahn jederzeit möglich.
Abstecher: Mit dem Schiff ins autofreie Quinten (3900, 3901).
Sehenswert: Alpamare in Pfäffikon (055 415 15 87), Kinderzoo in Rapperswil (055 220 67 60), Sommerrodelbahn am Kerenzerberg (055 614 11 68), Eisenbergwerk Gonzen mit Stollenbahn (081 723 12 17), Kristallhöhle Kobelwald (071 761 19 77), Minibahn 2000 auf dem Flugplatz Altenrhein (071 850 03 65).
Karten: Regionale VCS-Velokarten (1:60 000, Nrn. 2, 4, 17 und 3) oder VCS-Velokarte Schweiz.
Rückreise: Ab Romanshorn mit dem Zug (840).
24. Juni 2003 | Marco Diener
