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Artikel | Haus & Garten 1/2004

Der Kampf um erträgliche Rechnungen

Seit Jahren steigen die Gesundheitskosten in der Schweiz. Zwischen 1960 und 2000 haben sie von 1,9 Milliarden auf über 43 Milliarden Franken zugenommen. Das ist erschreckend - aber nicht verwunderlich: Zu unterschiedlich sind die Interessen der Akteure im Gesundheitswesen, als dass sich geschlossene Reihen im Kampf gegen das Kostenwachstum bilden könnten. So kritisieren zum Beispiel Preisüberwacher und Wettbewerbskommission seit langem die überhöhten Schweizer Medikamentenpreise und fordern eine Öffnung des Binnenmarktes - während die Pharmaindustrie alles daransetzt, genau das zu verhindern.

Zahnarztkosten machen vielen Patienten Zahnweh

Die Zeche zahlen letztlich die Konsumenten, vorab über jährlich steigende Krankenkassenprämien. Trotzdem kann sich ein Preisvergleich auch im Gesundheitswesen lohnen. Bei den Medikamenten etwa sind Nachahmerprodukte, die so genannten Generika, meist massiv günstiger als Originalpräparate.
Erst recht lohnen sich Vergleiche, wenns um Zahnarztkosten geht. Diese berappt in der Regel keine Versicherung. Inzwischen besteht Hoffnung, dass die Preise demnächst unter Druck geraten. Der Bund will die Zahnärzte nämlich zu transparenteren Tarifen verpflichten.

Zudem dürfen ab 1. Juni 2004 Personen aus dem EU-Raum zu erleichterten Bedingungen in der Schweiz arbeiten - starke Konkurrenz für Schweizer Zahnärzte?


Zum Zahnarzt nach Ungarn

Zahnarztbesuche schmerzen oft doppelt: zuerst auf dem Behandlungsstuhl, dann beim Bezahlen. Zumindest Letzteres ist in Ungarn erträglicher.

Beispiel: Für eine Keramikkrone (ohne spezielle Vorbehandlung, Röntgen, Provisorium und Nachkontrolle, aber inklusive Technikeraufwand) zahlt der Patient zwischen 370 und 600 Franken. In der Schweiz sind dafür etwa 1200 bis 2000 Franken hinzublättern.

Solche Preisdifferenzen sind zweifellos attraktiv. Deshalb bieten Veranstalter schon seit Jahren organisierte Zahnarztreisen nach Ungarn an. Nach eigenen Angaben führen sie Jahr für Jahr Hunderte Schweizerinnen und Schweizer zu Zahnärzten an der Donau.

Vorab komplexere Zahnbehandlungen lassen sich aber selten in einer Sitzung erledigen. Der Patient muss die Praxis unter Umständen über einige Tage hinweg mehrmals aufsuchen.

In solchen Fällen hat er Unterkunftskosten zu berappen. Diese können - zusammen mit den Auslagen für Reise und Verpflegung - den Preisvorteil punkto Zahnbehandlung schmälern oder gar zunichte machen. Wer also vor dem Trip keine exakte Kostenberechnung anstellt, läuft Gefahr, teuer dafür zu bezahlen.

Vorsicht bei organisierten Reisen zu Zahnarztpraxen

Was die Behandlungsqualität in ungarischen Zahnarztpraxen betrifft, sind neben Lobeshymnen auch Klagen über mangelhafte Arbeit, Schäden oder gar regelrechte «Rosskuren» zu hören. Doch das gilt auch für Schweizer Zahnärzte.

Die Stiftung für Konsumentenschutz rät aber von organisierten Zahnarztreisen ab. Man gerate da unter Umständen an Ärzte, die im Schichtbetrieb arbeiteten und ihre Kundschaft bloss «in einem kurzen Zeitrahmen» behandelten. Besser sei es, wenn man auf einen von Bekannten empfohlenen Zahnarzt zurückgreifen könne.

Gravierende Nachteile hat die Zahnbehandlung in Ungarn bei späteren Komplikationen. Für Patienten ist es dann schwierig, ihr Recht einzufordern: Der Zahnarzt müsste in Ungarn belangt werden. Prozessieren im Ausland kann aber ein aufwändiges und teures Unterfangen werden. Zudem sind Garantiearbeiten stets mit Reisen verbunden.


Alternative Süddeutschland

Die Behandlungskosten sind in Süddeutschland zwar nicht ganz so tief wie in Ungarn, aber meist erträglicher als in der Schweiz. In der Praxis von Jörg und Sibylle Vogel in Ravensburg zum Beispiel kostet die eingangs erwähnte Keramikkrone umgerechnet 700 bis 950 Franken - und damit etwa halb so viel wie bei vielen Schweizer Zahnärzten.

Generell aber gilt: Wer für einen grösseren Eingriff zu einem ausländischen Zahnarzt möchte, sollte sich zuvor bei einem Schweizer Zahnarzt einen Kostenvoranschlag besorgen, der alle Leistungen detailliert auflistet. Das kostet zwar etwas, ermöglicht neben konkreten Preisvergleichen aber auch kritische Fragen zum Behandlungsvorschlag der ausländischen Praxis.


Sparen in der Schweiz

Doch auch in der Schweiz existieren Sparmöglichkeiten. Für manches Zahnproblem gibts mehrere Behandlungsvarianten, die sich im Aufwand unterscheiden. Zudem verrechnen Zahnärzte ihre Leistungen weder mit identischen Taxpunktwerten noch mit einheitlichen Taxpunktzahlen, was zu grossen Preisdifferenzen führen kann (siehe Kasten «Nachbohren» Seite 68).

- Polikliniken
Die Polikliniken an den zahnmedizinischen Zentren der Universitäten Basel, Bern und Zürich verrechnen zahnärztliche Leistungen meist zum vergleichsweise tiefen Taxpunktwert für Sozialversicherungsfälle (aktuell: Fr. 3.10).

Noch günstiger wird es, wenn Studenten, unter Profi-Aufsicht, die Behandlung durchführen: In Bern und Zürich kostet ein Taxpunkt dann Fr. -.80, in Basel Fr. 1.05. Labor- und Materialkosten werden voll verrechnet.

Zutrittsbeschränkungen kennen die Polikliniken nicht. Es besteht aber kein Anspruch auf die besonders günstige studentische Behandlung. Ob eine solche in Frage kommt, entscheidet sich in der Fachklinik, der man am Anfang zugewiesen wird. Adressen: siehe nächste Seite.
Zentrum für Zahnmedizin der Universität Basel - Hebelstr. 3 - 4056 Basel
Tel. 061 267 26 06
www.unibas.ch/zfz

Aufnahme neuer Patienten:
Mo-Fr 7.30-9.30 Uhr


Zahnmedizinische Kliniken der Universität Bern - Freiburgstr. 7 - 3010 Bern 10
Tel. 031 632 25 72
www.dent.unibe.ch

Aufnahme neuer Patienten:
Mo-Fr 7.45-8.45 Uhr
Bei defekten Füllungen, Wurzelbehandlungen oder kariösen Zähnen nur
Mo, Mi, Fr 7.45-8.45 Uhr


Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Universität Zürich
Plattenstr. 11 - 8028 Zürich
Tel. 01 634 33 11
www.dent.unizh.ch

Aufnahme neuer Patienten:
Mo-Fr 7.30-9.30 Uhr



- Volkszahnkliniken
Die Volkszahnkliniken in Basel-Stadt und Zürich verrechnen zahnärztliche Leistungen ebenfalls zum Taxpunktwert für Sozialversicherungsfälle, also Fr. 3.10. Zudem gewähren die Kliniken Kantonsbewohnern, die in wirtschaftlich schwachen Verhältnissen leben, Rabatte auf Zahnbehandlungen, nicht aber auf das Material.

Beide Kliniken stehen grundsätzlich jedermann offen. Die Klinik in Basel nimmt ausserkantonale Patienten allerdings nur auf, sofern es die Auslastung des Betriebs zulässt. Bei diesen kommt zudem ein höherer Taxpunktwert von Fr. 3.41 zur Anwendung.

Volkszahnklinik Basel-Stadt - Claragraben 95 - 4005 Basel
Tel. 061 686 52 52
www.sd.bs.ch


Klinik für Alters- und Behindertenzahnmedizin, Zürich - Plattenstr. 15 - 8028 Zürich
Tel. 01 634 33 31
www.kab.unizh.ch


Heilmittel gegen teure Medikamente

In der Schweiz sind Medikamente teuer. In einem 2002 durchgeführten Preisvergleich des Winterthurer Instituts für Gesundheitsökonomie waren 61 der umsatzstärksten kassenpflichtigen Heilmittel nach Abzug der Mehrwertsteuer in Deutschland durchschnittlich um 8,5 Prozent, in Italien um 21,5 Prozent und in Frankreich um 28 Prozent günstiger als in der Schweiz.

Selbst inklusive der deutlich höheren Mehrwertsteuern in Deutschland und Italien kostete zum Beispiel die 100er-Packung des Herz-Kreislauf-Mittels Norvasc 41 Prozent beziehungsweise 32,8 Prozent weniger als in der Schweiz. Das Antidepressivum Seropram wiederum gab es in Deutschland um 9,8 Prozent, in Italien um 34 Prozent und in Frankreich gar um 47,5 Prozent billiger als in der Schweiz.

- Einkauf im Ausland
Der Medikamentenkauf jenseits der Landesgrenzen ist allerdings nicht ganz unproblematisch. Grund: Nach Gesetz dürften die Schweizer Krankenkassen im Ausland gekaufte Medikamente eigentlich nicht bezahlen. Viele übernehmen die Kosten wegen der günstigeren Preise aber trotzdem, wie Peter Marbet vom Krankenkassenverband Santésuisse erklärt.

Daher gilt: Wer so einen Beitrag an tiefere Gesundheitskosten leisten möchte, sollte sich zuvor bei der Krankenkasse die Kostenübernahme bestätigen lassen. Ist das der Fall, profitiert nicht nur die Kasse, sondern auch der Versicherte selber, indem er weniger Selbstbehalt bezahlt. Muss er aufgrund einer hohen Franchise gar das ganze Medikament aus dem eigenen Sack berappen, ist ein tieferer Preis natürlich erst recht willkommen. Allerdings dauerts dann länger, bis die Franchise abbezahlt ist.

- Generika
Genau gleich verhält es sich, wenn man statt teurer Originalmedikamente deren Nachahmerprodukte, so genannte Generika, wählt. Diese sind punkto Wirkstoffe, Dosierung und Wirkungsweise identisch mit den Originalen, in der Regel aber deutlich günstiger (siehe Tabelle).

Sehr umfangreiche Generika-Datenbanken sind zum Beispiel unter www.generika.cc oder www.pro-generika.ch zu finden.

- Versandapotheken
Interessant sind auch die Angebote der Versandapotheken.

Die Apotheke «Zur Rose» etwa liefert ärztlich verschriebene Medikamente portofrei und mit 7 Prozent Rabatt auf den Publikumspreis ins Haus. Zudem verrechnet sie keine Apotheker- und Patiententaxen.

Auf diese verzichtet auch die Versandapotheke Mediservice - allerdings nur bei Kunden, die bei einer ihrer 20 Partner-Krankenkassen versichert sind. Daneben gewährt Mediservice den Kunden unter bestimmten Bedingungen Rabatt in Form einer Treue-Rückvergütung.

Apotheke «Zur Rose» Direktversand - Postfach 117 - 8501 Frauenfeld
Tel. 0848 84 28 42
www.aporose.ch

Mediservice Apotheke - Ausserfeldweg 1 - Postfach, 4528 Zuchwil SO
Tel. 0848 80 70 71
www.mediservice.ch



Kosten: Nachbohren

Die Schweizer Zahnärzte arbeiten zu verschiedenen Tarifen. Den Preis für eine Leistung legen sie anhand eines Taxpunktwerts fest, den sie mit einer bestimmten Taxpunktzahl multiplizieren.

Der höchste Taxpunktwert, den Zahnärzte für die Behandlung von Privatpatienten verlangen dürfen, liegt zurzeit bei Fr. 4.95. Bezahlt eine Sozialversicherung (wie Suva oder IV) die Behandlung, gilt zwingend ein Wert von Fr. 3.10.

Ein Zahnarzt, der auch Privatpatienten zu einem eher tiefen Taxpunktwert von zum Beispiel Fr. 3.20 behandelt, muss aber nicht unbedingt günstig sein. Denn bei der Taxpunktzahl hat er Spielraum.

Beispiel Keramikkrone (ohne Zahntechnikerkosten): Die Taxpunktzahl variiert zwischen 188 und 254. Setzt ein Zahnarzt mit Taxpunktwert Fr. 3.20 die höchste Taxpunktzahl auf die Rechnung, kostet die Krone Fr. 812.80. Bei einem Zahnarzt mit höherem Taxpunktwert von Fr. 3.90, der die tiefste Taxpunktzahl einsetzt, zahlt man bloss Fr. 733.20.

Deshalb gilt: Kostenvoranschlag verlangen, der für jede Leistung Taxpunktwert und -zahl angibt. Und diesen Voranschlag sollte man mit den Offerten weiterer Zahnärzte vergleichen. Das kann sich lohnen, auch wenn solche Offerten nicht gratis sind.



Generika: Viel günstiger als Originalmedikamente

Lesebeispiel: Das Schmerzmittel Panadol kostet Fr. 5.90, das Generikum Acetalgin weniger als die Hälfte, nämlich Fr. 2.40.



Preiswert zu dufter Pflege

Wer beim Kauf von Parfüms und Körperpflegeprodukten im erstbesten Laden zuschlägt, läuft Gefahr, massiv mehr als nötig zu bezahlen. Insbesondere bei den luxuriösen Marken-Duftwässerchen sind die Preise gehörig unter Druck geraten. Dies, seit Grossverteiler und Discounter sich über Parallelimporte auf dem internationalen Markt eindecken. Selbst Denner beispielsweise führt heute Markenparfüms. Das Angebot ist zwar nicht riesig, dafür günstig.

Als Folge dieser Entwicklung häufen sich inzwischen selbst bei renommierten Marken die Aktionsangebote. Es zahlt sich deshalb meist aus, vor dem Kauf verschiedene Läden abzuklappern. Parfüm-Shopping im benachbarten Ausland oder in Duty-free-Shops hingegen lohnt sich nicht unbedingt (siehe Tabelle).

Im Unterschied zu den Parfüms sind bei Körperpflegeprodukten wie Duschbädern, Body- Lotions, Haarsprays und Sonnencremes generell keine oder nur geringfügige Preisdifferenzen anzutreffen. Diese Produkte sind ennet der Landesgrenze meist günstiger - aber nicht so viel , dass sich eine Reise aufdrängen würde.

- Fabrikläden
Balthasar & Co., Hochdorf
Sortiment: Kosmetikartikel, Badeseifen, Schaumbäder, Kerzen aller Art.
Auswahl: Variiert. Auch Markenartikel, aber keine Parfüms. Verkauft werden primär Restbestände, Retouren, Muster- und Überschussware.

Die Ermässigung liegt bei rund 50 Prozent.

Balthasar & Co. ist gleichzeitig Kerzenfabrik und Drogeriegrosshandel. Aus beiden Bereichen können auch Waren mit leichten Defekten in den Fabrikladen gelangen. Daher vor dem Kauf die Waren kontrollieren.

Balthasar & Co. - Lavendelweg 2 - 6280 Hochdorf LU - Tel. 041 914 05 05

Öffnungszeiten
Mo, Mi 13-16 Uhr


Zum Duftlädeli, Möhlin
Sortiment: Parfüm, Kosmetikartikel, Haarpflege-, Dusch- und Badeprodukte diverser Marken.

Zum Duftlädeli
Batapark - 4313 Möhlin AG
Tel. 061 851 52 77

Öffnungszeiten
Mi, Fr 14-18.30 Uhr - Sa 9-16.00 Uhr


Mettler AG, Hornussen
Sortiment: Seifen aller Art, Badezusätze, Duschbäder und -cremes, Reinigungscremes, Body-Lotions.

Seifenfabrik Mettler AG - Hauptstr. 154 - 5075 Hornussen AG
Tel. 062 865 66 55

Öffnungszeiten
Mo, Do 14-16 Uhr - Di 9-11 Uhr
1. Sa im Monat 10-12 Uhr


Blidor AG, Langnau am Albis
Sortiment: Badezusätze, Duschmittel, Body-Lotions, Pflege- und Sonnencremes, Shampoos, Seifen, Parfüms.

Blidor AG - Mühleweg 11 - 8135 Langnau am Albis ZH - Tel. 01 714 72 72
www.blidor.ch

Öffnungszeiten
Mo-Fr 8-11.45 Uhr - 13-16.30 Uhr

07. Januar 2004


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Der Kampf um erträgliche Rechnungen
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