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Artikel | K-Geld 1/2004

Edle Occasionen: Im Unterhalt ganz schön teuer

Luxus-Occasionen gibt es derzeit zu Discountpreisen. Was Liebhaber grosser Autos - ob Neuwagen oder Occasion - aber oft vergessen: Unterhaltskosten gehen mächtig ins Geld.

Edle Limousinen aus zweiter Hand sind so günstig wie schon lange nicht mehr. Bei Gebrauchtwagenhändlern stehen sie frisch poliert in der ersten Reihe. Die Kundschaft ist rar geworden, die Preise sind entsprechend tief.

«Im vergangenen Jahr sind die Preise für teure Gebrauchtwagen extrem unter Druck geraten», bestätigt Osman Dirilgen von der Autobewertungsfirma Eurotax. «Fahrzeuge der oberen Mittelklasse sind teilweise zu Spottpreisen zu haben.» Die Leute von Eurotax müssen es wissen: Das Unternehmen berechnet seit vielen Jahren die Marktpreise für alle in der Schweiz zugelassenen Autos.

Was Liebhaber solch vermeintlich günstiger Traumautos aber gerne übersehen, sind die hohen Unterhaltskosten. Viele Autobesitzer sind überzeugt, ihr Wagen koste sie monatlich nicht mehr als 500 Franken. Berechnungen des Touring Club Schweiz (TCS) beweisen aber: Da ist der Wunsch Vater des Gedanken.

Ob Neuwagen oder Occasion: Bereits ein familientauglicher Mittelklassewagen geht beträchtlich ins Geld. Ein Beispiel: Wer sich einen neuen Renault Laguna 2.0 Dynamique Kombi im Wert von 42 000 Franken leistet, bezahlt jährlich gut 8000 Franken Unterhalt, ohne auch nur einen Kilometer zu fahren. Wer 15 000 Kilometer zurücklegt, zahlt insgesamt rund 13 000 Franken.
Der TCS veröffentlicht im so genannten Mini-Katalog jedes Jahr die durchschnittlichen Unterhaltskosten für alle auf dem Schweizer Markt erhältlichen Neuwagen. Die Zahlen sind eindrücklich: Ein familientauglicher Kombi der Mittelklasse verschlingt über 50 Prozent mehr für den Unterhalt als ein Kleinwagen - nämlich rund 1000 Franken monatlich.


Oberklassewagen: Monatlich 1500 bis 3500 Franken

Ernüchternd fällt auch die Bilanz für Besitzer von Oberklassewagen aus. Für den grosszügig motorisierten und eleganten Audi oder Mercedes muss man mit monatlichen Unterhaltskosten von rund 1600 Franken rechnen. Ähnlich sieht es bei den trendigen Sports Utility Vehicles (SUV) aus, ganz zu schweigen von den Sportwagen. Ein Porsche 911 kostet bis 3500 Franken im Monat nur an Unterhalt. Ein teurer Spass!


Zwei Drittel der Unterhaltskosten sind Fixkosten

«Bei unseren Berechnungen stützen wir uns auf statistische Durchschnittswerte aus dem Gebrauchtwagenhandel», erklärt Erich Schwizer, Leiter Automobilwirtschaft beim TCS. Gerechnet wird mit einer jährlichen Abschreibung von 13 Prozent des Katalogpreises bei 15 000 gefahrenen Kilometern. Innert sieben bis acht Jahren ist das Fahrzeug somit amortisiert.

Die anfallenden Unterhaltskosten lassen sich in zwei Kategorien unterteilen:
- Fixkosten fallen an, egal ob das Auto in der Garage steht oder täglich gefahren wird. Rund 63 Prozent der gesamten Unterhaltskosten sind fix. Fast ein Drittel sind Amortisationskosten (29,8 Prozent). Das heisst: Je höher der Neupreis, desto teurer der Unterhalt. Ebenfalls ins Geld gehen Kosten für den Garagenplatz und Parkhäuser (14 Prozent) sowie die Versicherungsprämien (10,4 Prozent).
- Variable Kosten: Sie hängen von der Häufigkeit des Autogebrauchs sowie dem Modell und der Marke ab. Sie können nur durch eine schonende Fahrweise und fachgerechte Pflege gesenkt werden. Je mehr Kilometer man mit dem Auto fährt, desto grösser sind Wertverlust sowie Kosten für Treibstoff, Reparatur, Service und Bereifung.

«Viele Interessenten sehen beim Autokauf nur den Anschaffungspreis. Die Kosten für den Unterhalt werden vernachlässigt», analysiert Eurotax-Experte Dirilgen die Situation. Die böse Überraschung lässt oft nicht lange auf sich warten. Der hohe Benzinverbrauch sowie kostspielige Reparatur- und Servicearbeiten bereiten wenig Freude. Grund: Sie sind bei Oberklasselimousinen rund doppelt so teuer wie beim Mittelklassewagen. Schwer ins Geld geht auch die Bereifung.

Für lange Gesichter sorgen besonders häufig auch Geländewagen. Der Treibstoffverbrauch ist hoch und Reparaturen an der Allrad-Technologie sind kostspielig.


Tiefe Ankaufs-, dafür aber hohe Unterhaltskosten

Die Ermittlung von Unterhaltskosten für einen Gebrauchtwagen ist eine knifflige Sache. «Die Kosten variieren von Fall zu Fall», erklärt TCS-Experte Erich Schwizer. Im Normalfall gilt jedoch: Wer einen Gebrauchtwagen kauft, sollte die Unterhaltskosten anhand des Neupreises kalkulieren. Dem möglicherweise relativ tiefen Ankaufspreis mit entsprechend geringer Abschreibung stehen steigende Reparatur- und Servicekosten gegenüber.

04. Februar 2004 | Tobias Billeter


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