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Artikel | Gesundheits-Tipp 2/2004

"Wer sich nichts gönnt, wird krank" - Schwester Ingrid Crave, 66

Die «Fernseh-Nonne» über Selbstdisziplin, Zahnimplantate und Zeckenbisse

Die ehemalige Moderatorin von «Sternstunde Philosophie» und «Das Wort zum Sonntag» vermisst ihre Fernsehauftritte nicht. Gesund hält sie vor allem eines: Mass halten.

Sie leben allein in einer Wohnung in Zürich. Das ist ungewöhnlich für eine Ordensfrau.
Richtig, das ist eine Ausnahme. Nach meiner Zeit beim Fernsehen hatte ich mich bereits darauf eingestellt, nach Ilanz ins Kloster zurückzukehren. Aber dann hatte ich die Vision, mitten in Zürich einen Treffpunkt für Frauen aufzubauen. Diese Wohnung bot sich dafür an und seither lebe ich hier.

Vermissen Sie Ihre TV-Auftritte?
Nein, es hat mir zwar Spass gemacht. Aber ich habe immer gewusst, dass dies nicht der Hauptinhalt meines Lebens ist. Am Anfang haben auch viele Leute gerügt, es gehöre sich nicht für eine Ordensfrau, sich im Fernsehen zur Schau zu stellen. Das sehe ich anders. Schliesslich hat unser Ordensgründer Dominikus gesagt, wir sollen zu den Menschen auf die Strasse gehen. Und das Fernsehen ist heute so ein Stück Strasse. Aber am schwierigsten war für mich, dass ich meinen gewohnten Lebensrhythmus nicht einhalten konnte.

Wie meinen Sie das?
Mein Lebensrhythmus ist geprägt von den gemeinsamen Gebets- und Mahlzeiten im Kloster. Es hält mich gesund, wenn ich klare Arbeits-, Ruhe- und Schlafzeiten einhalte. Wenn aber die Fernsehaufnahmen abends waren, kam ich total aufgekratzt nach Hause und konnte lange nicht schlafen. Das hat meinen Rhythmus völlig durcheinander gebracht.

Führen Sie als Nonne ein asketisches Leben?
Nein. Wer sich selbst nichts gönnt, wird sicher krank. Wer sich zu viel gönnt, wird aber auch krank. Ich bleibe gesund, wenn ich mir das Richtige im richtigen Mass gönne.

Was gönnen Sie sich denn?
Zeit für mich selber. Ich gehe regelmässig an die frische Luft und achte darauf, dass ich Zeit zum Meditieren habe. Ich gehe aber auch gern mal ins Konzert. Ich mag Süsses und trinke auch ab und zu ein Glas Wein.
Als Ordensfrau verzichten Sie auf Partnerschaft und Familie.

Leiden Sie darunter?
Als ich mit 23 Jahren ins Kloster eintrat, nahm ich diesen Verzicht in Kauf. Mit der Zeit habe ich gespürt, dass ich diese Lebensweise brauche, um rundherum gesund zu sein. Meine psychische und körperliche Gesundheit ist immer stabiler geworden. Liebe und Sexualität sind eine starke Lebenskraft. Ich habe gelernt, diese Kraft umzulenken. Dabei habe ich mein Glück gefunden.

Gelingt Ihnen das täglich?
Nein. Manchmal kommen auch Zweifel auf. Ich erinnere mich zum Beispiel an die Zeit, als die meisten Freundinnen heirateten und Kinder kriegten. Da hiess es für mich, intensiv nach innen zu horchen. Bis mir wieder klar war, dass mein Entscheid richtig war.

Nehmen Sie regelmässig Medikamente?
Nein, ich war immer sehr gesund. Nur einmal musste ich Penicillin schlucken. Nach einem Zeckenbiss breitete sich ein roter Hof auf meinem Oberschenkel aus. Ich habe das nicht gross beachtet, bis mir eine Schwester sagte, dass ich unbedingt zum Arzt müsse. Der Arzt machte dann tatsächlich ein besorgtes Gesicht und verschrieb mir Penicillin. Die Rötung verschwand und der Biss hatte zum Glück keine weiteren Folgen.

Und machen Sie seither nach dem Spazieren Zeckenkontrolle?
Nein, eben nicht. Ich bin nachlässig in diesen Dingen. Ich gehe auch nur zum Arzt, wenn ich etwas nicht selber kurieren kann.

Was denn zum Beispiel?
Einmal habe ich eine Grippe verdrängt, weil ich unbedingt an der Beerdigung meiner Mutter teilnehmen wollte. Ich schluckte ein starkes Mittel, das mir auf die Beine half. Nachher war ich monatelang stark erkältet. Schliesslich ging ich zu einer Ärztin für Komplementärmedizin. Sie verschrieb mir ein homöopathisches Mittel, das gut half.

Haben Sie eine körperliche Schwachstelle?
Meine Zähne waren nie besonders gut. Ich gehe darum regelmässig zu meiner Zahnärztin in die Kontrolle. Vor kurzem hat sie mir ein Implantat eingesetzt. Und mein Gehör lässt nach. Wenn ich sehr müde bin, muss ich mich anstrengen, um alles mitzukriegen.

Mit welchem Gemüse würden Sie sich vergleichen?
Mit einem Rüebli, denn es hat Bodenhaftung und Tiefgang.

18. Februar 2004 | Interview: Regula Schneider


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