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Noch immer enthält die Kindersonnencreme der Migros den chemischen UV-Filter 4-Methylbenzyliden-Campher. Dabei warnen Experten seit Jahren: Der Filter kann das Hormonsystem stören.
Mehrmals am Tag sollte man sich im Sommer eincremen - und dies nicht zu knapp. Dies trichtern Experten uns alljährlich ein. Doch dieser Rat gilt nicht für alle Sonnencremen. Bei einigen ist Vorsicht geboten: Sie enthalten gesundheitsschädliche UV-Filter. Der gefährlichste unter ihnen: 4-Methylbenzyliden-Campher, auch bekannt unter dem Kürzel 4-MBC.
Bereits vor einem Jahr stand die Migros deswegen in der Kritik: Sie warb für Kindersonnencreme, die 4-MBC enthielt (Pulstipp 6/03). Nicht genug: Auch dieses Jahr startet sie ihre Kampagne für die Sonnencreme wieder.
Im Labor lässt 4-MBC Brustkrebszellen wachsen
Für die Toxikologin Margaret Schlumpf von der Universität Zürich «ist dies unverständlich». Sie und ihr Forscherkollege Walter Lichtensteiger hatten bereits vor vier Jahren eine brisante Studie veröffentlicht: Die Forscher hatten in Tierversuchen entdeckt, dass der Ultraviolett-Filter über die Haut und den Mund in den Körper eindringen kann. Dort führt er laut Schlumpf zu Wechselwirkungen mit dem Hormonsystem, das «gerade im Wachstum eine wichtige Rolle spielt, zum Beispiel bei der Entwicklung von Organen».
Was für Risiken dies birgt, weiss niemand. Doch sicher ist: 4-MBC wirkt im Laborversuch wie ein weibliches Hormon und lässt auch menschliche Brustkrebszellen wachsen. Sogar in der Muttermilch liessen sich Rückstände von UV-Filtern finden.
Obwohl die Herstellerin der Migros-Sonnenprodukte - die Mibelle AG Cosmetics - die Studienergebnisse kennt, spielt sie diese nach wie vor herunter: «Wir sind von der Sicherheit der von uns eingesetzten Substanzen überzeugt», betont sie in ihrer Stellungnahme. Für die Wirkung dieser hormonähnlichen Substanzen lägen keine gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse vor. Die Wirkung sei zu gering, um in den Hormonhaushalt eingreifen zu können. Trotzdem nehme die Mibelle die Besorgnis, die durch die Veröffentlichungen der Forscherin Schlumpf hervorgerufen worden sei, ernst.
Das Zentrallabor für Toxikologie der Firma Syngenta im englischen Cheshire bestätigt allerdings die hormonaktive Wirkung des UV-Schutzfilters 4-MBC. Der Befund erhärtet die Studienresultate der Zürcher Forscher.
Andere Hersteller verzichten auf chemische Filter
Viele Hersteller haben mittlerweile Produkte ohne chemische Filter entwickelt. Eine Alternative sind die mineralischen Pigmente Zinkoxid und Titanoxid. Auch die Migros hat mittlerweile bei einigen Produkten ihrer Sunlook-Linie auf den 4-MBC-Filter verzichtet - ausgerechnet bei der Kindersonnencreme nicht. In ihrer Stellungnahme geht die Migros nicht darauf ein.
Reinhard Dummer, Dermatologe und Professor am Universitätsspital Zürich, empfiehlt: «Eltern sollten ihre Kleinkinder wenn immer möglich mit Sonnenschutzmitteln eincremen, die keine chemischen Filter enthalten.»
Auf keinen Fall solle man aber die Creme ganz weglassen und die Kinder ungeschützt an die Sonne lassen. Sein Tipp: Die Kinder mit Kleidern zusätzlich gegen die UV-Strahlen schützen. Babys bis zu einem Jahr dürfen gar nicht an die Sonne.
Diese Sonnencremen sind unbedenklich
Der bedenkliche UV-Schutzfilter 4-Methylbenzyliden-Campher ist auf den Produkten deklariert. Folgende Kindersonnencremen enthalten den chemischen Filter nicht:
- Dr. Hauschka Natürliche Sonnenpflege
- Eucerin Kinderschutz-Lotion
- Louis Widmer Kids Sonnencreme
- Lavera Kid Sunblocker Spray
- Nivea Baby Sonnencrème Hypoallergenic
- Spirig Daylong Kids
- Weleda Edelweiss Sonnenmilch
30. Juni 2004 | Gabriela Braun - gbraun@pulstipp.ch
