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Dating-Portale im Internet entwickeln sich bei Partnersuchenden zum Renner. Die Erfolgschancen steigen, wenn man sich an einige Spielregeln hält.
Als Reaktion auf mein Inserat bei Swissflirt bekam ich in anderthalb Tagen über 600 E-Mails», erzählt Barbara Hirt. Sie schreibt diesen Erfolg ihrem Text zu, mit dem sie sich vorstellte. Darin bemühte sie sich um Ehrlichkeit, vermied Floskeln und stellte sich und ihre Vorstellungen von einem Partner mit Witz und Esprit vor.
«Quantität ist allerdings nicht gleich Qualität», meint sie rückblickend zur Mail-Flut. Bei der Auswahl vertraute sie auf Gefühl und Intellekt: Keine Chance hatten Botschaften mit Aussagen, «von denen Männer glauben, dass sie Frauen gern hören wollen». Barbara Hirt wählte offenbar richtig: Sie fand George - und damit ihre grosse Liebe.
Im letzten Jahr klickten mehrere hunderttausend Schweizerinnen und Schweizer Kontaktplattformen im Internet an - viele entdeckten dadurch das grosse Glück. «Weil ich über Ihre Website innerhalb eines Monats die grosse Liebe gefunden habe, bitte ich Sie, mein Inserat zu löschen», liest man zum Beispiel auf dem Portal von Swissfriends. Solche Komplimente - ob echt oder nicht - sind Werbung für den Anbieter.
Allein in der Deutschschweiz buhlen rund ein Dutzend Portale um Partnersuchende. Die grössten Konkurrenten von Swissflirt und Swissfriends sind Partnerwinner und Singles.
Mit Parship ist zudem die grösste Online-Partneragentur im deutschsprachigen Raum auch in der Schweiz aktiv. Sie ist auf einigen Dutzend Medienportalen aufgeschaltet, unter anderem auf «NZZ online». Parship ist für alle, die ernsthaft einen Partner fürs Leben suchen, die beste Adresse.
Für Flirts, Abenteuer, Partner fürs Leben: Jedem sein Portal
Die Site setzt als einzige auf wissenschaftliche Persönlichkeitstests und kommt dadurch bei Akademikern und Älteren besonders gut an. Ein Katalog detaillierter Fragen ermöglicht ein genaues Kandidatenprofil. Dieses soll helfen, den passenden Partner schnell herauszufiltern.
Allerdings ist auf Parship die Einstiegshürde am höchsten. Das Startpaket - ein Abo für sechs Monate - kostet 235 Franken. Dafür wird einiges geboten: Denn die Website ist eine wahre Fundgrube, bringt Tipps für richtiges Flirten.
Mit der Gründlichkeit von Parship können die anderen Kontaktportale bestenfalls technisch - in Gestaltung und Navigation, nicht aber inhaltlich - bei den Profilen der Partnersuchenden mithalten. Die auf den meisten anderen Sites publizierten Annoncen wirken im Vergleich dazu oberflächlich: Sie sind nur nach Kriterien wie Geschlecht, Alter, Region und Hobbys sowie allenfalls mit Foto erstellt (siehe Kasten S. 26).
Dafür gibt es mehr Spielraum: Es kann zwischen unverbindlichen und ernsthaften Formen gewählt werden: Partnerschaft, Flirt, Abenteuer oder einfach Freizeitspass.
So sieht sich etwa Singles-Geschäftsführer Daniel Hauri weniger als Betreiber einer herkömmlichen Partnervermittlung: «Bei uns sollen sich Menschen für Sport, Reisen oder ein Abendessen finden. Daraus kann vielleicht eine Partnerschaft werden.»
Verbindlicher positioniert sich Partnerwinner. Man sei die falsche Adresse für Leute, die kurze Flirts oder ein erotisches Abenteuer suchten, sagt Projektleiterin Claudia Wyss. «Unser Zielpublikum sind Leute, die einen Partner fürs Leben suchen.» Ähnlich tönt es bei Swissfriends - willkommen sind dort alle ab 18, die auf seriöse Bekanntschaften aus sind.
All diese Web-Portale legen grössten Wert auf Seriosität. Dazu gehört, dass pornografische oder andere zweifelhafte Inhalte über einen elektronischen Filter systematisch entfernt werden. Dieser durchforstet die Mails nach verdächtigen Schlüsselwörtern. Per Software können aber nicht sämtliche zweifelhaften Angebote ausgefiltert werden.
Inserenten können Belästigungen melden
Hinzu kommen deshalb mehr oder weniger häufige Stichproben der Inserate durch die Website-Redaktion und das Feedback der Nutzer, die Belästigungen melden können. Bei Singles etwa führen drei solche Verzeigungen automatisch dazu, dass das Mailkonto eines fehlbaren Inserenten gesperrt wird. Und bei Swissflirt gehört laut Betreiber Mark Waber zu den Spielregeln, «dass obszöne, rassistische und pornografische Texte und Bilder verboten sind».
Auch Diskretion und Sicherheit der Nutzer sind wichtig: Die Portale garantieren die anonyme Kommunikation über ein internes Mailsystem. So kann jedermann selber entscheiden, wann und ob er seine Anonymität gegenüber einem anderen aufgeben will.
Die Hemmschwelle, via Internet mit möglichen Partnern Kontakt aufzunehmen, ist denn auch erheblich niedriger, als ein Vermittlungsinstitut zu kontaktieren oder ein Inserat in einer Zeitung aufzugeben. Wer nun glaubt, auf den Dating-Portalen tummelten sich vor allem Mauerblümchen und Schüchterne, liegt falsch. Das stärkste Besuchersegment stellen die 30- bis 35-Jährigen sowie überdurchschnittlich Gebildete mit hohem Einkommen.
Auch sind die Erfolgsquoten höher als bei traditionellen Partnervermittlungen. Parship etwa weist nach eigenen Angaben mindestens doppelt so hohe Erfolgsquoten auf. Und Claudia Wyss von Partnerwinner zählt auf: «Über uns finden sich monatlich 2000 Paare für ein Date, 750 davon bleiben mindestens ein halbes Jahr zusammen.» Erfolge wie Hochzeits- und Babyfotos werden gerne präsentiert. Eine glückliche Partnerwinner-Familie sind Simone und Markus Fellmann aus Adliswil ZH. Sein Rezept: «Im Internet sollte man sich nicht anders verhalten als in anderen Dating-Zonen - wie etwa im Büro, in der Bar, im Sportclub oder im Freundeskreis.»
Erfolgszahlen nennt auch Swissfriends. Eine Umfrage unter den Mitgliedern hat laut Marketingchef Jörg Eugster ergeben, dass das Portal in den letzten zwei Jahren 248 Ehen, 129 Babys und 4339 ernsthafte Beziehungen verbuchen konnte.
Überprüfen lassen sich solche Zahlen natürlich nicht. Und nicht alle Portale legen gleich grossen Wert auf derartige Erfolgsmeldungen. Swissflirt und Singles geben sich zufrieden mit «vielen erfreulichen Rückmeldungen».
Gute Noten erhalten Kontaktportale von wissenschaftlicher Seite. Die Soziologin Evelina Bühler-Illieva von der Uni Zürich kommt in einer Studie zum Schluss: «Das Web ist das Partnervermittlungsinstrument der Zukunft.» Im Vergleich zu Offline-Instituten erlaube es mehr Anonymität, eine grössere Auswahl an Kandidaten, detailliertere Profile und einfachere Kontaktaufnahmen. Und 4 Prozent der Suchenden erlebten laut Bühler-Illieva im Cyberspace die Liebe auf den ersten Klick.
Besondere Chancen eröffnet das Internet auch Menschen, die aufgrund ihres Äusseren etwas weniger begehrt sind: Anders als im realen Leben lernt man zuerst das Innere und dann das Äussere eines Menschen kennen.
Allerdings kommt auch nach einem Mail-Flirt eines Tages die Stunde der Wahrheit. Rund 60 Prozent der Befragten hatten eine persönliche Begegnung. Bei knapp einem Viertel mündete sie in einer Liebesbeziehung.
Bühler-Illieva erwartet, dass das Internet den herkömmlichen Instituten zunehmend das Leben erschwert. Die Branche hat einen schlechten Ruf, und es gebe viele schwarze Schafe, die für eine unseriöse Vermittlung 10 000 Franken und mehr verlangen. Zudem versuchen sie, ihre Kunden mit zwielichtigen Verträgen längerfristig zu binden. Internet-Portale hingegen sind deutlich billiger - oder gar gratis. Und eine Mitgliedschaft ist meist kurzfristig kündbar.
Auch das Abbrechen einer Internet-Partnerschaft verläuft in der Regel ohne Komplikationen: Eine Beziehung, die noch nicht übers Netz hinaus gediehen ist, lässt sich mit einem Klick beenden.
Das grosse Glück per Mausklick: Mit Ehrlichkeit und Witz klappts besser
Wer sich per Internet auf Partnersuche begibt, erhöht seine Erfolgschancen, wenn er einige Tipps beachtet.
- In sich gehen: Zuerst empfiehlt sich die Standortbestimmung. Wer bin ich? Was will ich? Wie soll ich mich mitteilen?
- Vorstellungen definieren: Sucht man eine ernsthafte Partnerschaft oder Leute für die Freizeit? Gehts um Neugier, Vertreiben von Langeweile und Einsamkeit oder um Liebe, Erotik und Sex? Oder nur darum, den eigenen «Marktwert» zu testen?
- Ehrlich sein: Nicht schummeln bei Zivilstand, Jahrgang, Foto. Kinder nicht verschweigen, Job nicht zum prestigeträchtigen Beruf aufmotzen usw. Denn: Lügen enden spätestens beim Date mit einer Blamage.
- Mut zur Persönlichkeit: Erotische Sehnsüchte gehören nicht an die erste Stelle, sondern die eigene Lebensgeschichte, Interessen, Freizeit und Beruf. Keine Floskeln und Banalitäten auftischen, sondern Mut zu Persönlichem und Unverwechselbarem entwickeln: Das differenziert und polarisiert zwar, verbessert aber die Chance, den Richtigen zu finden.
- Lockerheit und Geduld: Wer «ausgehungert» und auf dem letzten Zacken das Projekt startet, wirkt abstossend oder trifft auf Falsche.
- Unverkrampft, witzig sein: Menschlichkeit, Humor, Wissensdurst und Flexibilität zählen am meisten.
- Dialog statt Monolog: Direkt eingehen auf das, was der andere schreibt. Monologe sind Kennenlern- und Flirttöter.
- Nähe statt Distanz: Suche auf die eigene und angrenzende Regionen einschränken.
- Rendez-vous: Erst ein Treffen vermittelt einen Gesamteindruck - dann stellt sich heraus, ob zwei sich auch wirklich mögen. Leider gibt es kein Rezept für den richtigen Zeitpunkt.
30. Juni 2004 | PIRMIN SCHILLIGER
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