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Artikel | Haus & Garten 4/2004

Hilfe gegen den Winter-Blues: Licht

Jeder zehnte Schweizer leidet im Winter an Stimmungstiefs. Dagegen nützen spezielle Tageslicht-Lampen - oder jeden Tag ein Spaziergang im Freien.

Meistens beginnt es im November. Wenn ich morgens aufstehe, fühle ich mich todmüde. Ich habe auf gar nichts Lust und würde am liebsten gleich wieder ins Bett gehen.» Erst wenn im März die Tage wieder länger werden, hellt sich die Stimmung der 34-jährigen Marianne Scheidegger (Name geändert) wieder auf.

Mit ihrem Winter-Blues ist sie nicht allein. Untersuchungen der Chronobiologin Anna Wirz-Justice, Professorin an der psychiatrischen Uniklinik Basel, haben gezeigt, dass in der Schweiz rund 10 Prozent der Bevölkerung im Winter unter Stimmungstiefs leiden. Bei zwei Prozent kommt es sogar zu krankhaften Depressionen.

Fachleute vermuten, dass sich bei den Betroffenen im Winter die innere Uhr verschiebt, weil ihnen das Licht fehlt. Für Marianne Scheidegger ist das eine einleuchtende Erklärung: «Im Winter komme ich kaum ans Tageslicht. Morgens, wenn ich ins Büro gehe, ist es noch nicht hell, abends, wenn ich nach Hause komme, bereits wieder dunkel.» Der Arzt hat ihr deshalb eine Lichttherapie empfohlen: Seither brennt im Winter auf Marianne Scheideggers Bürotisch während rund einer Stunde täglich eine helle Lampe - ein spezielles Lichttherapie-Gerät.


Lichttherapie nützt bei 70 Prozent der Betroffenen

Ihre ständige Müdigkeit und Unlust sind verschwunden. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen: Rund 70 Prozent der Betroffenen sprechen auf das helle Licht an. Warum, das ist nicht restlos geklärt. Fachleute gehen davon aus, dass das Licht die innere Uhr wieder mit der Tageszeit in Einklang bringt.

Die Wirkung der Lichttherapie ist so klar erwiesen, dass die Grundversicherung der Krankenkasse - auf ärztliches Rezept - maximal 800 Franken an den Kauf eines Gerätes beiträgt; rückerstattet wird höchstens der effektive Kaufpreis. An der Miete beteiligt sie sich mit zwei Franken pro Tag. «Die Kosten der Lichttherapie sind im Vergleich zu Psychopharmaka bescheiden», begründet Peter Marbet, Sprecher des Krankenkassenverbands Santésuisse.

Die deutsche Stiftung Warentest hat vor einigen Monaten Lichttherapie-Geräte für den Heimgebrauch getestet. Einige davon sind auch in der Schweiz erhältlich. Gut schnitten der Philips Bright Light Energy HF 3305 (ca. Fr. 390.-) und die Davita Lichtdusche LD 110 (ca. Fr. 720.-) ab. Eine durchnittliche Note erhielten die Geräte Chronolux CL-6S (ca. Fr. 900.-) und Samalux 400 (ca. Fr. 980.-). Bei diesen Geräten verteilte sich die Helligkeit ungleichmässig. Das kann die Benutzer blenden.

Obwohl Lichttherapie-Geräte sehr hell strahlen, sind sie keine grossen Stromfresser. Sie brauchen zwischen 60 und 150 Watt, also höchstens so viel wie eine starke Glühbirne. Die Geräte nützen jedoch nur etwas, wenn sie in höchstens einem Meter Distanz vor dem Benutzer leuchten. Je nach Helligkeit dauert die tägliche Sitzung 30 Minuten bis zwei Stunden. Während der Bestrahlung kann man lesen oder arbeiten.

Bei starken depressiven Verstimmungen sollte man einen Arzt aufsuchen. Bei weniger schweren Stimmungstiefs lässt sich eine Lichttherapie aber problemlos auch ohne ärztliches Rezept und teure Lampe durchführen: Täglich ein halbstündiger Spaziergang, am besten morgens, ist ähnlich wirksam: Denn auch an einem bewölkten Wintertag ist es im Freien 1000 bis 3000 Lux hell - ähnlich hell wie vor einem Lichttherapie-Gerät. Hingegen kommt man in der Wohnung nur auf 100 bis 300 Lux - für manche Leute viel zu wenig, um in gute Stimmung zu kommen.


Solarium: Früh gealterte Haut, Hautkrebs, Augenschäden

Kein Ersatz für die Lichttherapie ist das Solarium. «Es gibt keine Hinweise darauf, dass UV-Strahlen gegen Depressionen helfen», warnt das Bundesamt für Gesundheit. Auch zum «Vorbräunen» für die Sommerzeit taugt das Solarium nicht. Die Lampen geben vor allem UV-A-Strahlung ab und die hilft der Haut nicht, sich an die Sonne zu gewöhnen. Dazu braucht es auch die UV-B-Strahlung. Und die gibt es nur an der echten Sonne in genügendem Mass. Hingegen ist erwiesen, dass die Solariumsonne die Haut schneller altern lässt, längerfristig Hautkrebs verursacht und die Augen schädigt.

Unschädlich ist die Infrarot-Strahlung, die sich viele Leute aus der Steckdose holen, wenn die Sonne sie im Winter nicht liefert. Infrarot-Lampen imitieren Sonnenwärme. Wärmekabinen mit Infrarot-Strahlern gibt es bereits in vielen Fitnesscentren als weniger heisse Alternative zur Sauna. Für den Heimgebrauch gibt es im Elektrohandel Infrarot-Lampen. Die Wärme regt die Durchblutung an. Bei manchen Menschen lindert dies rheumatische Schmerzen. Andere schwören auf eine wärmende 10- bis 30-minütige Infrarot-Bestrahlung, wenn sich eine Erkältung anbahnt.

20. Oktober 2004 | Esther Diener Morscher


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Kommentare (1)

 
  • hanna150 | 07.11.2008, 18:58

    Lichttherapiegerät

    Interessante Infos zur Wirkung der Lichttherapiegeräte bei
    Depression gibt es auch auf
    http://www.solvital-lichttherapie.de/index.asp?ID=1139
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