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Ein Allerweltsartikel ist zum Wellnessprodukt mutiert - Strumpfhosen: Sie cremen die Beine ein. Mit dieser Neuheit wollen die Hersteller den serbelnden Markt beleben.
Normalerweise kauft Frau sie mal etwas dicker oder dünner, etwas heller oder dunkler: Fein-Strumpfhosen für den Alltag sind ein Allerweltsprodukt mit beschränkter Lebensdauer - Verschleissmaterial, das bei den Frauen zudem immer weniger ankommt. Gingen 1996 in der Schweiz noch 33 Millionen Strumpfhosen über den Ladentisch, sackte der Umsatz im letzten Jahr auf 15 Millionen Stück ab.
Eine neue Masche soll nun den Absatz ankurbeln: Die Strumpfhose mit Wellness-Effekt oder die Strumpfhose aus «funktionsaktiven Textilien mit kosmetischen Wirkstoffen», wie die deutsche Textile Future Show im letzten Herbst vermeldete. Mit Hightech veredeltes Gewebe soll das Bein eincremen, und zwar mit Naturprodukten - von Aloe Vera bis Ginkgo. Die in der Schweiz angebotenen Modelle sind mit Preisen ab rund 8 Franken (für eine Feinstrumpfhose) bis 26 Franken (für eine Stützstrumpfhose) etwas teurer als herkömmliche Modelle.
«Sinnvoll sind solche Strumpfhosen nicht»
Zum Beispiel das Migros-Modell Microcare: Es sorgt laut Werbung «mit Pflanzenölen für pflegende Feuchtigkeit». Oder die leichte Stützstrumpfhose, die neu auf dem Markt ist: Castanell mit Rosskastanienextrakten. Migros-Sprecherin Monika Weibel: «Die Extrakte fördern die Hautdurchblutung und sind wohltuend bei müden und schweren Beinen.»
Der deutsche Strumpfhersteller Kunert setzt gar voll auf Wellness am Bein: «Fast all unsere Strumpfhosen haben kosmetische Wirkstoffe drin», so Martina Jeremias von Kunert Swiss AG in St. Margrethen SG. «Ginkgo etwa ist prädestiniert für Stützstrumpfhosen, denn es fördert die Durchblutung», behauptet Jeremias. Und Coop bezeichnet die Avela-Modelle mit Aloe Vera schlicht als «Creme zum Anziehen».
Eine Creme, die von morgens bis abends auf die Haut wirkt? Rita Felder vom Schweizerischen Zentrum für Allergie, Haut und Asthma (Aha) ist skeptisch: «Sinnvoll ist das sicher nicht. Gesunde Haut sollte möglichst wenig mit Fremdstoffen belastet werden.»
Die Expertin fragt sich auch, wie die Creme in den Strumpf kommt und drin bleibt. Denn alle Hersteller beteuern, die Pflegefunktion bleibe auch nach mehrmaligem Waschen erhalten. Felder: «Welche zusätzlichen Stoffe werden da allenfalls benötigt?» Diese Angaben stehen auf keiner Verpackung.
Wie die Wirkstoffe in das Gewebe eingearbeitet werden, bleibt dem Laien ebenfalls verborgen: «Die pflegenden Substanzen werden mittels Bindersystem auf das Produkt aufgebracht», heisst es etwa bei Coop. «Dabei entsteht eine chemische Verbindung zwischen den Textilien und Aloe Vera.» Und Migros gibt im Hightech-Jargon zum Besten: «Wir benützen die Microkapseltechnologie.» Reibt das Gewebe an den Beinen, brechen angeblich einige Kapseln auf und geben die Pflanzenöle an die Haut ab.
Ob Creme-Strumpfhosen halten, was sie versprechen, bleibt Glaubenssache. Für Rita Felder ist aber klar: «Ich würde solche Strumpfhosen nicht anziehen.»
Viel trinken befeuchtet die Haut
Strumpfhosen mit Creme-Funktion: Verlockend in einer Zeit, da die meisten Menschen wegen der Kälte unter trockener Haut leiden. Doch es gibt günstigere und zuverlässigere Alternativen.
- Wenig duschen: Häufiger Kontakt mit Wasser lässt die Hornschicht aufquellen und schädigt den Schutzfilm der Haut.
- Nicht zu heiss baden oder duschen: Das trocknet die Haut zusätzlich aus.
- Weder Seife noch stark schäumende Duschgels benutzen. Besser sind rückfettende Waschlotionen.
- Die Haut nach dem Baden oder Duschen nur abtupfen: Starkes Rubbeln kann zu Reizungen führen.
- Trockene Winterhaut mit feuchtigkeits- und fetthaltigen Salben, Cremen oder Lotionen behandeln. Zum Beispiel mit Mandelöl-Produkten, die der Haut das nötige Fett zurückgeben oder mit Cremen mit Milchsäure oder Harnstoff. Diese binden das Wasser besser.
- Viel trinken. Das befeuchtet die Haut von innen.
17. November 2004 | Bennie Koprio - bkoprio@ktipp.ch
