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Mit einem herzigen Tierkalender bittet die Schweizerische Vereinigung zur Tierheim-Unterstützung um Spenden. Doch die Gelder versickern in der Organisation.
Zwei Katzen kuscheln im Februar, ein Welpe blickt im nächsten Kalendermonat treuherzig aus dem Waschtrog. Rührende Tierbilder sollen die Spenderherzen öffnen: 350 000 Haushalte erhielten in den letzten Wochen den «Tierkalender 2005».
Eine sogenannte Schweizerische Vereinigung zur Tierheim-Unterstützung (SVTU) bittet um «einen dringend benötigten Beitrag an Schweizer Tierheime. Jeder gekaufte Kalender hilft, Leid und Not von ausgesetzten oder abgegebenen Findeltieren zu lindern.» Laut Präsident Marco Kälin wurden so bis Ende November 400 000 Franken eingenommen - bis Ende Jahr sollen es 700 000 Franken sein. Viel Geld für eine erst zweijährige Tierschutzorganisation, die wenig von sich preisgibt.
Die Spendengelder kommen nicht am Bestimmungsort an
Das musste auch die grösste Branchenorganisation, der Schweizer Tierschutz (STS), erfahren. Er fragte im April 2003 nach konkreten Zahlen und wollte wissen, ob seine angeschlossenen Tierheime ebenfalls unterstützt werden. SVTU-Präsident Kälin versprach schriftlich: «Unsere finanziellen und materiellen Zuwendungen werden erstmals im November 2003 im Internet veröffentlicht.»
Es blieb beim Versprechen - Zahlen finden sich auf der Homepage bis heute keine. STS-Präsident Heinz Lienhard kritisiert: «Klar ist nur, wie diese Organisation Spenden sammelt. Was die Vereinigung mit dem Geld tut, ist völlig undurchsichtig.»
Gleiche Erfahrungen machten vier Tierheime, die laut der SVTU-Internetseite offiziell unterstützt werden. Erika Silvestri, Leiterin des Katzenheims Breite in Schaffhausen: «Einmal erhielten wir einige Säcke Katzenfutter, danach habe ich von den Verantwortlichen nichts mehr gehört. Unterstützt werden wir nicht wirklich.»
Viele Tierheime fühlen sich hereingelegt
Im Herbst 2003 sammelte die Vereinigung unter dem Titel «SOS: Direkthilfe für Tierheime in Ihrer Region» Spenden. Der ganze Betrag werde «nach Abzug der geringen Aufwandkosten» dem Katzenheim Henny Uster in Neukirch TG zur Verfügung gestellt, garantierte die SVTU. Tatsache ist: Leiterin Henny Uster erhielt ganze 500 Franken und - wie die anderen betroffenen Tierheime - nie eine detaillierte Abrechnung der Spendenaktion. Uster protestierte, jedoch ohne Erfolg.
Genau gleich erging es sechs weiteren Tierheimen, wie Recherchen von saldo zeigen. Heidi Hintermann, Leiterin des Tierhauses Sunnaschy in Gontenschwil AG: «Wir sind reingelegt worden.» Hintermann wurden 20 000 bis 60 000 Franken versprochen; die Tierfreundin erhoffte sich, wenigstens offene Tierarztrechnungen von 5000 Franken abzahlen zu können - ganze 500 Franken flossen auf ihr Konto.
Gar keine Unterstützung ging aus der Aktion «Postkarten mit Herz» diesen Frühling ans Tierheim Mont-Soleil BE, obwohl auch deren Adresse aufgedruckt war. Leiterin Marie-Louise Hunziker: «Als das Geld ausblieb, haben mich die Verantwortlichen immer wieder vertröstet - bis heute.»
Und die versprochenen Abrechnungen? Erst als saldo intervenierte, präsentierte SVTU-Präsident Kälin Zahlen - und diese zeigen höhere Administrationskosten als Spendeneinnahmen. Kälin rechtfertigt so die Überweisung von 500 Franken ans Katzenheim Henny Uster, obwohl dafür über 2900 Franken Spenden eingingen.
Für den Versand arbeitet die Vereinigung mit der DWV AG, Werbe- und Verpackungsservice in Dietikon ZH, zusammen. Pikant: DWV-Inhaber sind Marco Kälin und Max Wyser, gleichzeitig Präsident und Vizepräsident der SVTU. Ebenfalls identisch: Adresse und Sekretariat. Und selbst das Postkonto teilt die Tierschutzorganisation mit der Adresshandelsfirma.
«Vereinigung ist nicht Mittel zum Zweck»
Marco Kälin bestreitet, dass die SVTU in erster Linie die Werbefirma statt Tierheime unterstütze. Richtig sei, dass dieses Jahr 25 Tonnen Futter an Heime verteilt wurden. Kälin: «Die Vereinigung ist nicht Mittel zum Zweck, uns zu bereichern. Dass wir noch nicht perfekt sind, wissen wir, doch wir arbeiten daran.» Die Arbeit dürfte ihm so schnell nicht ausgehen.
So kommt Ihre Spende an
Das Gütesiegel der Stiftung Zewo in Zürich bietet eine gewisse Gewähr für die Seriosität der Hilfswerke: Die Mitglieder müssen Bilanzen und Tätigkeitsberichte offen legen und die Jahresrechnung von unabhängigen Revisoren überprüfen lassen. Allerdings: Tierschutzorganisationen erhalten das Siegel grundsätzlich nicht - egal, wie seriös sie sind. Ein Risiko geht ein, wer sich auf der Strasse zu Spenden drängen lässt, ohne dass die Organisation Unterlagen präsentiert. Im Zweifel ist es deshalb ratsam, einen Geschäftsbericht zu verlangen, aus dem hervorgeht, wie viel Geld für welche Projekte ausgegeben wurden.
08. Dezember 2004 | Marc Meschenmoser
