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Von der Kinnbandage bis zur Operation - gegen das Schnarchen gibt es unzählige Mittel. Die meisten sind teuer und nützen wenig. Ein Fachmann hat für Pulstipp zehn Methoden beurteilt.
Ein paar Tropfen «Schnarch-frei-Öl» ins Wasser, gurgeln und das Problem ist gelöst. So verspricht es die Werbung des Herstellers «Heggli Naturprodukte». Der stolze Preis für das winzige Fläschchen: 50 Franken. Oder der Schnarcher schiebt sich Abend für Abend «Snorflex» in den Mund - zwei mit Gummibändern verbundene Plastikschienen. Damit sei Schluss mit der nächtlichen Ruhestörung, ist auf der Internetseite des französischen Herstellers zu lesen.
Rund 400 verschiedene Mittel gegen Schnarchen sind auf dem Markt: Von Sprays und Tropfen über elektronische Geräte bis zum Antischnarch-Bett. Die Fantasie der Hersteller ist ebenso gross wie der Leidensdruck der Betroffenen. Zwar schadet Schnarchen normalerweise nicht der Gesundheit - doch umso mehr der Partnerschaft.
Einfach und wirksam: Tennisball ins Pyjama einnähen
Schnarchen entsteht durch eine verengte Stelle im Rachen. Beim Atmen beginnen dann die Weichteile wie Gaumensegel und Halszäpfchen zu vibrieren. Ursachen für die Engstelle sind zum Beispiel erschlaffte Rachen- und Zungenmuskeln, eine Fehlstellung des Kiefers, zu viel Fett im Hals bei Übergewicht oder verengte Nasengänge.
Werner Bauer, Lungenspezialist am Berner Lindenhofspital, hat für Pulstipp zehn Methoden gegen Schnarchen beurteilt (siehe Tabelle). Sein Fazit: Am besten helfen Verhaltensänderungen. Das heisst: Übergewicht abbauen und nicht rauchen, weil das die Schleimhäute anschwellen lässt. Abends auf Alkohol und Schlafmittel verzichten, denn das lässt die Muskeln zusätzlich erschlaffen.
Wer nur schnarcht, wenn er auf dem Rücken liegt, kann sich an die Seitenlage gewöhnen. Zum Beispiel indem er hinten ins Pyjama einen Tennisball einnäht. Bauer: «Wir haben mit diesem Trick sehr gute Erfahrungen gemacht.»
Verhaltensänderungen wie Abspecken und Rauchstopp sind zwar nicht einfach. Doch: «Es gibt kein schnelles und dauerhaftes Wundermittel», sagt Bauer.
Als «gut» beurteilte Bauer drei Methoden, deren Nutzen wissenschaftlich nachgewiesen ist: die Kieferspange vom Zahnarzt, ein spezielles Atemtrainingsgerät (Spiro-Tiger) und die Nasenoperation. Auch diese Methoden bekämpfen direkt die Ursachen des Schnarchens.
Die Kieferspange korrigiert eine Fehlstellung des Kiefers, indem sie den Unterkiefer nach vorne verlagert. Der Zahnarzt muss sie individuell anpassen. Es gibt zwar ähnliche, billigere Produkte zum Selberkaufen. Doch Bauer warnt: «Diese sitzen zu wenig fest und rutschen von den Zähnen.» Das könne sogar zu Verletzungen im Mund führen.
Mit dem Atemtrainingsgerät (Spiro-Tiger) lassen sich die erschlafften Rachenmuskeln stärken. Bauer hat die Methode wissenschaftlich geprüft: «Ich habe Patienten, die schon seit mehreren Jahren trainieren und seither nicht mehr schnarchen.» Allerdings braucht es Ausdauer: Der Spiro-Tiger hilft nur, solange man Tag für Tag eine halbe Stunde trainiert. Wer das teure Gerät erst ausprobieren will, kann es bei einigen Lungenärzten mieten.
Eine Nasenoperation hilft, wenn verengte Nasengänge die Hauptursache sind. Zum Beispiel bei einer verkrümmten Nasenscheidewand oder bei Polypen. In leichten Fällen nützt manchmal auch ein Pflaster, das man auf den Nasenrücken klebt. Bauer beurteilt diese Methode deshalb als «mässig». Eine Studie, die den Nutzen nachweist, gibt es nicht. Für ungeeignet hält er hingegen Nasenspreizer. «Sie verursachen Druckstellen. Die Schleimhaut schwillt an und man kann noch schlechter durch die Nase atmen.»
Die übrigen fünf Methoden beurteilt Bauer als nutzlos und damit als «ungenügend». Das sind Hilfsmittel wie Kinnbandagen, Spezialkissen, Tropfen und Mundeinsätze - aber auch Operationen am Gaumen. «Kurzfristig können operative Eingriffe das Schnarchen zwar etwas verbessern. Doch nach wenigen Jahren sind die alten Probleme wieder da», sagt Bauer. Zudem könne die Operation - ob mit Laser oder Skalpell - bleibende Schäden verursachen: Sprachstörungen, Schluckprobleme, vernarbte Stellen. Bauer rät deshalb von Operationen ab.
«Tropfen und Sprays können die Lunge schädigen»
Ebenfalls massive Nebenwirkungen haben Antischnarchtropfen und -sprays auf der Basis von Ölen. Bauer: «Wenn Tröpfchen in die Atemwege gelangen, kann das die Lunge schwer schädigen.»
Werner Bauer warnt auch vor Geräten, die einen wecken, wenn man schnarcht. Es gibt zum Beispiel Kissen, Uhren und Halsbänder, die den Schnarcher bei steigendem Lärmpegel aus dem Reich der Träume holen. «Damit ist kein erholsamer Schlaf mehr möglich», erklärt Bauer. Das sei ebenso gefährlich, wie wenn man an der krankhaften Form des Schnarchens leidet - am so genannten Schlafapnoe-Syndrom. Betroffene haben Atempausen im Schlaf und japsen dann mit einem lauten Schnarchgeräusch nach Luft. Dabei wachen sie kurz auf - meist unbemerkt. Die Folgen: Starke Müdigkeit, Sekundenschlaf, Herzprobleme, Schwindel, Kopfschmerzen. Wer vermutet, dass er an Apnoe leidet, sollte, so Bauer, unbedingt einen Lungenarzt aufsuchen.
08. Dezember 2004 | Sonja Marti - smarti@pulstipp.ch
