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Für Gesunde wie Kranke können Thermalbäder eine Wohltat sein. Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen sollten jedoch darauf verzichten.
Das Ehepaar Markus und Irene Widmer (Namen geändert) ist frustriert: «Kürzlich waren wir eine ganze Woche im Thermalbad - doch nachher fühlten wir uns schlapp», schrieben Sie dem Pulstipp. Sie waren nicht krank - sie wollten einfach etwas Gutes für ihre Gesundheit tun.
Kein Einzelfall in der kalten Jahreszeit. Viele Menschen steigen in den Wintermonaten gerne ins warme Wasser von Thermalquellen - Gesunde, um Krankheiten vorzubeugen oder einfach zum Genuss, Kranke meist wegen Schmerzen in den Gelenken.
Doch aufgepasst: Baden fördert nicht nur die Gesundheit, es kann den Körper auch belasten. Dies bestätigt auch der Zürcher Hausarzt und Pulstipp-Berater Giovanni Ruffo. Sein Tipp für das Ehepaar Widmer: «Nach einer Badekur sollte man sich zwei bis drei ruhige Tage zu Hause gönnen.» Ruffo empfiehlt zudem, während der Kur höchstens drei Mal pro Tag 10 bis 20 Minuten im warmen Wasser zu baden. Ruffo: «Eine kalte Dusche nach jedem Bad erfrischt.» Danach sollten sich die Kurenden ausruhen und viel trinken.
Eine Wohltat für Patienten mit Arthrose
Unbestritten ist: Für Patienten mit Gelenkproblemen wie Arthrose ist der Auftrieb im Wasser gut. Denn dies entlastet die Gelenke stark. Der Badewissenschaftler Bernd Hartmann von der Universität Freiburg: «Das lindert die Gelenkschmerzen.»
Thermalbäder sind allerdings nicht für Menschen geeignet, die einen Herzfehler, Herzrhythmusstörungen oder einen hohen Blutdruck haben. Lange galt zudem, dass Patienten mit Venenleiden nicht ins warme Wasser dürfen. Der Experte Bernd Hartmann sieht hier aber kein Problem: «Eine Wassertemperatur zwischen 32 und 36 Grad verbessert die Durchblutung aller Organe und somit den Rückfluss des Blutes aus den Venen.» Zugleich verdränge der Wasserdruck Blut aus den Beinen in den Brustraum. Dies entlaste die Venen zusätzlich. Allerdings gilt bei Krampfadern und Venenschwäche: Kompressionsstrümpfe nach dem Baden sofort wieder anziehen.
Bis vor kurzem rieten Ärzte auch Patienten mit chronischen Atemwegskrankheiten vom Thermalbaden ab. Auch dies sieht Hartmann anders: «Das Wasser drückt das Zwerchfell nach oben. Das erschwert zwar die Atmung, aber gerade dadurch wird die Atemmuskulatur trainiert.»
Thermalbäder sind nicht bei allen Krankheiten gesund
Geeignet bei
- leicht erhöhtem Blutdruck: Die verbesserte Durchblutung senkt den Blutdruck. Besonders empfohlen: Jodbäder.
- Venenproblemen: Die verbesserte Durchblutung lässt Blut leichter aus den Beinen abfliessen.
- Rheuma: Der Auftrieb im Wasser entlastet die Gelenke und lindert die Schmerzen. Besonders empfohlen: Radon-Bäder.
- Atemwegskrankheiten: Die Atmung ist im warmen Wasser erschwert, dies trainiert die Atmungsfunktion.
- Hautkrankheiten: Gegen Neuro- dermitis oder Schuppenflechte wirken Sole- oder Schwefelbäder. Vorsicht: Nur in chlorfreiem Wasser baden.
Nicht geeignet bei
- stark erhöhtem Blutdruck (ab 200/100). Fragen Sie im Zweifelsfall Ihren Arzt.
- erhöhtem Blutdruck der Lungenarterie
- schweren Herzrhythmusstörungen
- Herzfehlern
- akuten Hautinfektionen
- Tuberkulose
- offenen Beinen oder Beingeschwüren
- Rekonvaleszenz nach Operationen (frische Nähte)
- akuten Infektionen wie Bronchitis
Bedingt geeignet bei
- akuter Arthritis und entzündlichem Rheuma. Fragen Sie den Arzt.
19. Januar 2005 | Christine Frey - redaktion@pulstipp.ch
